Auch Künstler müssen von irgendetwas leben, finanziell, materiell, konkret. Kunstwerke für die Ewigkeit zu schaffen, die in Museumstempeln anzubeten sind - schön und gut. Kunstwerke an Mann und Frau zu bringen, auf dass sie im banalen Alltag auf "das Andere" verweisen und mitwirken an der eigentlichen, lebenslangen Menschwerdung, ist eine nicht minder lobenswerte Zielrichtung. Die womöglich viel mehr Menschen etwas bringt und dazu Spaß macht.

Kunst ohne Umwege also ins volle Leben bringen/holen: Da mach ich doch mal eine Kunstmesse für Coburg, sagte sich ein Coburger, der seit 20 Jahren im Medienbereich hier unterwegs ist mit dem Szenemagazin "Mohr" etwa und in der Organisation anderweitiger regionaler Messen und Events: Heiko Bayerlieb. An diesem Wochenende bittet er zusammen mit etwa 60 Künstlern aus der Region, aber auch aus München, Nürnberg und sonst wo her, an seinen "Umschlagplatz Coburg". Das sind die alten Pakethallen am Güterbahnhof, wo eben wieder die Designtage stattfanden. Das vielgelobte Ambiente und die vorhandene Infrastruktur nutzt Bayerlieb für ein Unternehmen, dass er, wenn denn genug Besucher Interesse zeigen, zu einer festen Einrichtung werden lassen will.

Über ein Jahr lang hat Bayerlieb unter Künstlern sondiert, mit Wifög und Coburger Designforum Oberfranken verhandelt, gerechnet und geplant. Zusammen mit Gerd Kanz und Thorsten Russ als den künstlerischen Beratern der Messe hat er eine Auswahl getroffen. "Das Interesse der Künstler ist sehr groß", berichtet Bayerlieb. "Die sind dankbar für eine Gelegenheit, mit ihrer Kunst unter die Leute zu kommen. Viele die heuer aus terminlichen Gründen nicht können, haben schon für nächstes Jahr angefragt."


Kunstpreis "Art Coburg"

Neben künstlerischen Lokalmatadoren wie Kerstin Amend-Polig, Vera Schnitzer oder Wolfgang Schott nennt die Aussteller-Liste renommierte Namen wie die Brüder Häfner aus Nürnberg, die Künstlervereinigung Frequenzen aus München, Karol Hurec, Peter Schnellhardt, Hans Kronenberg, viele von den Ausstellungen des Kunstvereines her bekannte Namen und auch viele neu zu Entdeckende.

Ein Kunstpreis wird unter den Ausstellern auch vergeben, dotiert mit 2000 Euro, welche die Ebersdorfer Möbel-Onlinefirma DeLife spendet. Er wurde "Art Coburg" benannt. Zur Jury gehört neben Kanz und Russ unter anderen auch Kunstvereinsvorsitzender Joachim Goslar. Von der großen Metall-Skulptur bis zum Aquarell, von PopArt bis zum hintergründig Abstrakten reicht das Spektrum dessen, was zu sehen sein wird. Moderne, aktuelle Kunst in ihren vielfältigen Ausprägungen soll man zu sehen kriegen, und die Künstler sind anwesend.


Stimmungsvolles Ambiente

Doch auch wenn der Organisator zuversichtlich und hoffnungsvoll ist, die Ausstellung morgen von nachmittags bis Mitternacht und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr muss ein Testlauf sein. Bayerlieb handwerkt zusammen mit Familie und Freunden selbst die jeweils zwei großen Stellwände, die jeder Künstler zur Verfügung hat. Er investiert Zeit und Geld und kümmert sich um die Werbung, um die Bewirtung in den stimmungsvollen Lokalitäten, die bei den Designtagen gut ankamen. Doch der Eintritt für die Besucher ist frei. Die Künstler beteiligen sich mit einer Aufwandsentschädigung von 150 Euro. Der Erlös des Verkaufes bleibt aber komplett bei ihnen. Oberbürgermeister Norbert Tessmer dankt dementsprechend für diese neue Möglichkeit des künstlerischen Austausches und der Begegnung, die Coburg als "Design-, Kultur- und Kunsthochburg" stärken könnte. Na, wir arbeiten zumindest an diesem Status.

Wieso tut der gelernte Verlagskaufmann Heiko Bayerlieb das? "Ich fahre schon lange immer wieder zu den großen Kunstmessen, zur Art Cologne und Art Frankfurt, nach München und Nürnberg. Moderne Kunst interessiert mich. Außerdem: Ich bin jetzt 42 Jahre alt. Den Berufsjugendlichen mag ich nicht geben. Auch der Mohr hat sich verändert, enthält viel mehr Erwachsenen-Themen. Jetzt reizt mich dieses Feld." Bayerlieb will eine professionelle Messe für professionelle Künstler hier installieren. "Ich hoffe, dass das die Leute interessiert. Den ganzen Aufwand nur für dieses eine Mal investiert zu haben, das wäre bitter. Aber das glaube ich nicht. Die Künstler immerhin, die sind schon mal ganz begeistert."
Dann schaun mer doch mal. Das Gelände hinter dem Schlachthof ist leicht zu erreichen, parken bequem möglich. Die alten Hallen mit ihrem Charme des Verfalles stellen einen reizvollen Kontrast zur modernen Kunst dar. Und der Biergarten, die Einrichtungen, die gesamte künstlerische Gestaltung der Designer... Musik gibt's auch, am Samstag ab 16 Uhr legen verschiedene DJs auf.

Umschlagplatz Coburg "kauft Kunst!". Kunstmesse mit etwa 60 ausstellenden Künstlern in den alten Pakethallen auf dem Güterbahnhof Coburg, Samstag, 18. Juni, 14 bis 24 Uhr, Sonntag, 19. Juni, 10 bis 18 Uhr. - Eintritt frei.