Kurz vor 18 Uhr ist der virtuelle Besprechungsraum schon gut gefüllt: 49 Teilnehmer haben den Link zu der Zoom-Konferenz aktiviert und können nun zuhören, zusehen und mitdiskutieren. Bei der Bürgerbeteiligung zum Rahmenplan Güterbahnhof vor anderthalb Jahren waren gerade mal rund 20 Teilnehmer im Coburger Rathaus, und hier wie da sind die Vertreter der Stadtverwaltung eingerechnet.

Hier geht es aber nicht um einen Rahmenplan, sondern um ein konkretes Projekt: Auf dem Gelände des Stadtjugendrings soll eine Trendsportanlage entstehen: Eine Skate-Anlage und ein Pumptrack "für alles, was rollt", wie es der Planer Gregor Podlesny beschreibt. Während er spricht, sind die Entwürfe auf den Bildschirmen eingeblendet. Neben den Rollbereichen sind vorgesehen: ein Feld für Parkour (turnerisches Überwinden von Hindernissen), ein Streetball-Feld, und - am anderen Ende, wenn die Kletterhalle des DAV erweitert wird - ein Boulderbereich. Dazwischen bleiben, wie bisher, der Bolzbereich und der Kinderspielplatz.

1,2 Millionen Euro dürfte all das geschätzt kosten; die Planung mit 225000 Euro ist da noch nicht inbegriffen. Genau berechnet ist das noch nicht - es bislang nur einen Vorentwurf. Den sollen die Jugendlichen nun absegnen, nachdem der Stadtrat das schon getan hat. Dass die Jugendlichen mitreden, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Bau der Trendsportanlage finanziell gefördert wird. Deshalb gab es Anfang Juli eine erste Jugendversammlung in der Coje, bei der die Grundlagen zusammengetragen wurden.

Auf der Wunschliste steht die Sportanlage - zumindest eine Verbesserung der Skate-Anlage an der Coje - schon lang. Vor sieben Jahren habe es die erste Zusammenkunft dazu gegeben, sagt Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). "Da war ich selbst noch Jugendlicher", nämlich 27. Die Altersgrenze ist hier durchaus von Bedeutung: Wer älter ist, darf zwar zuhören, sollte sich aber nicht unbedingt an der Diskussion beteiligen und auf keinen Fall mit abstimmen.

Anstatt die Hand zu heben wird geklickt: Entweder auf den grünen Knopf mit dem Haken darin für "Ja" oder auf den roten Knopf mit dem X für "Nein". 25 der inzwischen 51 zugeschalteten Teilnehmer signalisieren auf diese Weise, dass sie nicht älter sind als 27. Aber längst nicht alle diskutieren mit. Wie in realen Versammlungen auch gibt es welche, die sich oft und hartnäckig zu Wort melden, und andere, die lieber nur mit dem Sitznachbarn flüstern. Das sieht dann so aus, dass per Wortmeldungen Fragen diskutiert werden wie "Kann man die Bowl nicht höher machen als 1,40 Meter" oder "Werden auch Mountainbikes auf der Pumptrack erlaubt?"

Im schriftlichen Chat parallel zur Videodiskussion nimmt dagegen das Thema Ballfangzaun Fahrt auf - denn der Bolzplatz an der Coje soll ja erhalten bleiben, und dort ist im Sommer auch viel los. Da könnte ja gelegentlich ein Ball in die Skate-Anlage rollen, lautet die Befürchtung. Planer Gregor Podlesny wirbt an dieser Stelle um Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme. Außerdem dämpft er zu hohe Erwartungen an die Anlage: Das werde eben keine für Profis, sondern eine für alle Altersgruppen und alle Könnerstufen. Abgesehen davon war die niedrige und geöffnete Bowl ein ausdrücklicher Wunsch aus der ersten Jugendbeteiligung.

"Die Anlage ist so groß, dass alle Platz haben können", versucht auch Christiane Zinoni-Peschel vom städtischen Grünflächenamt zu beruhigen. Einem Ballfangzaun gibt sie jedoch wenig Chancen: Das Gelände solle offen bleiben, außerdem bilden die Böschungen rund um die Skate-Anlage hin zum Bolzplatz eine natürliche Barriere.

Moderator Ulrich Schmerbeck von der Kommunalen Jugendarbeit zeigt sich hinterher zufrieden mit der Veranstaltung: Das digitale Format sei den Jugendlichen entgegengekommen, was auch die Abstimmung am Ende gezeigt habe. Auch Lara Nowak, Vorsitzende des Coburger Jugendforums, sieht den Abend positiv: "Ich habe die ganze Veranstaltung, die Zahl der Teilnehmer und vor allem die rege Diskussion als sehr positiv wahrgenommen und bin zuversichtlich, dass die Ergebnisse des Abends in die zukünftige Diskussion um die Planung einfließen werden."

Geplant ist noch eine weitere Veranstaltung; ob virtuell oder vor Ort, wird sich zeigen. In den nächsten Wochen werden Heidi Lehner (WGF Objekt Landschaftsarchitekten) und Gregor Podlesny (Schneestern) die Entwurfsplanung fertigstellen und die Kosten berechnen. Im Dezember sollen sich Bausenat und Stadtrat mit den Plänen befassen und vermutlich nach Einsparmöglichkeiten suchen.

Bis dahin, so hofft Christiane Zinoni-Peschel, steht auch fest, aus welchem Förderprogramm es Geld geben kann. Wenn dann der Stadtrat zustimmt, folgen Ausführungsplanung, Ausschreibung und Bau. Auch Oberbürgermeister Dominik Sauerteig hofft, dass "wir in eineinhalb Jahren eine tollen Trendsportanlage haben".

Die Finanzierung der Anlage ist noch eine offene Frage: Je nachdem, in welches Förderprogramm sie aufgenommen wird, kann die Stadt 60 oder 90 Prozent der förderfähigen Kosten als Zuschuss erwarten. Bei geschätzten Gesamtkosten von rund 1,4 Millionen Euro muss die Stadt entweder 643000 Euro selbst tragen (Programm Stadtgrün) oder 241000 Euro (Programm Sportstätten).

Für dieses Geld soll es einen Spiel- und Sportplatz für alle Generationen geben, der mit vielen unterschiedlichen Geräten genutzt werden kann - bis hin zum Rollstuhl. Solche Anlagen liegen inzwischen sehr im Trend, sagt Podlesny. "Alles, was Rollen hat, ist schwer nachgefragt - Corona bringt die Leute in die Parks."