In Lautertal wird Integration gelebt

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Mit der Frage, was beim Thema Integration noch zu tun ist, beschäftigten sich die Teilnehmer beim "Experten Café" in Lautertal. Foto: Martin Rebhan
Mit der Frage, was beim Thema Integration noch zu tun ist, beschäftigten sich die Teilnehmer beim "Experten Café" in Lautertal. Foto: Martin Rebhan
Wege zur Integration diskutierte Brigitte Keyser (Landratsamt Coburg) mit Bürgern aus Lautertal beim jüngsten "Experten Café". Foto: Martin Rebhan
Wege zur Integration diskutierte Brigitte Keyser (Landratsamt Coburg) mit Bürgern aus Lautertal beim jüngsten "Experten Café". Foto: Martin Rebhan
 

Nach einem Jahr lang "Modellgemeinde Lautertal" bezüglich der Integration Geflüchteter wurde ein großenteils gutes Fazit gezogen.

Über Integration zu sprechen, herauszuheben, wie wichtig diese ist, und dabei passiv zu bleiben, nützt weder den Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, noch den einheimischen Bürgern. In Lautertal wird Integration schon lange gelebt. Nicht umsonst ist die Kommune zur "Modellgemeinde" geworden. Ein Jahr lang "Modellgemeinde Lautertal" war für die "Koordinierungsstelle der Bildungsangebote für Neuzugewanderte" im Landratsamt Coburg Anlass, einen Blick auf das zu werfen, was geschehen ist, aber auch in Gesprächen zu erfahren, was noch getan werden muss. Zu
diesem Zweck wurden Vertreter der Gemeinde, der Kirchen, der Kindergärten, des Jugendbildungszentrums Neukirchen, der Feuerwehr, der Obst- und
Gartenbauvereine, der Interessengemeinschaft Gewerbetreibender Lautertal, der Feuerwehr ,der Schulen und vor allem des Helferkreises Asyl zum zweiten "Lautertaler Experten Café" eingeladen. Die große Resonanz zeigte, dass das Thema "Integration" in Lautertal immer noch mit viel Engagement verfolgt wird.


48 Migranten in Lautertal

In Lautertal werden durch den Helferkreis Asyl 48 Neuzugewanderte betreut. Über ein Drittel der Personen stammt aus Aserbaidschan, ein knappes Drittel aus dem Irak, der Rest verteilt sich auf Afghanistan, Eritrea, Iran und Syrien. Brigitte Keyser, Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur und Sport
im Landratsamt Coburg, ging in ihrer Strukturanalyse zunächst auf die bisher erarbeiteten Themen Sprache, "Non-formale-Angebote" und "Ausbildung und Beruf" ein, bevor die laufenden Projekte und deren Ergebnisse analysiert wurden. Besprochen wurde die Konzepte "App Integreat", "Sprach- und
Integrationskurse", "Durch Sprache Wurzeln schlagen" und der "Elterntalk".

Brigitte Keyser zog vor den ehrenamtlichen Leistungen, die in Lautertal erbracht wurden, ihren Hut. "Es ist beeindruckend, was hier geschieht", so Keyser. Wer aber annahm, dass alles eitel Sonnenschein ist, sah sich getäuscht. Sehr deutlich wurde Kritik dahingehend formuliert, dass sich die ehrenamtlichen Helfer nicht nur vom Staat alleine gelassen fühlten, sondern es wurde auch die Meinung vertreten, dass man von staatlicher Seite Steine in den Weg gelegt bekommt. Deutlich wurde bei all den Ausführungen, dass die Integration ohne ehrenamtliche Helfer nicht funktionieren würde. Ulrich Scholz, Vorsitzender des TSV Unterlauter, brachte es auf den Punkt, als er meinte: "Integration
findet auf der untersten Ebene durch freiwillige Helfer statt. Wenn diese weg sind, ist es um die Integration geschehen". Auch wenn es nicht deutlich ausgesprochen wurde, so konnte man den Äußerungen entnehmen, dass dem Staat ein gewisses Versagen vorgeworfen wurde. Ulrich Scholz forderte die Mitarbeiter im Landratsamt auf, den Unmut der freiwilligen Helfer nach oben weiterzugeben. "Wenn ihr es totschweigt und nur davon sprecht, wie gut es läuft, nützt das niemanden, und irgendwann sind die Helfer weg", betonte Scholz und fügte hinzu: "Der Staat muss die Menschen unterstützen, die echt was arbeiten."


Andere Bundesländer sind weiter

Für Brigitte Keyser stand am Abend fest. "Das Engagement kann kippen, wenn sich die Helfer ausgenutzt fühlen". Dem Freistaat Bayern wurde ein ganz schlechtes Zeugnis im Bereich Integration in Kindergärten ausgesprochen. "Hier sind uns andere Bundesländer meilenweit voraus" war zu
hören. Die Kritik galt dem Umstand, dass den Erzieherinnen zu wenig Zeit bleibe, sich mit den Kindern aus dem nicht deutschsprachigen Raum intensiver zu beschäftigen. Heftige Kritik wurde auch an der Praxis geübt, dass Kinder im Grundschulalter sofort in eine Regelklasse kommen, unabhängig davon, ob sie die deutsche Sprache beherrschen oder nicht. Das Angebot, dass diese Kinder Nachhilfe in Deutsch bekommen könnten, wurde als "rausgeschmissenes Geld" bezeichnet.

Zur Sprache kam auch die Integration in das Berufsleben. Hier wurde festgestellt, dass Flüchtlinge oftmals nicht wissen, welche Anforderungen sich hinter den einzelnen Berufsbildern verbergen. Abhilfe könnten hier nach Meinung der Anwesenden zusätzliche Praktika schaffen. Allerdings müssten auch hier die staatlichen Hürden niedriger werden und Betriebe für dieses
Thema sensibilisiert werden.


"Was sollen wir denn noch alles machen?"

Wie kompliziert das Ausländerrecht ist, verdeutlichte Norbert Maessen (Ausländerwesen Landratsamt Coburg) äußerst anschaulich, als er die Begriffe Duldung, Aufenthaltsgestattung, Abschiebung und subsidiären Schutz nur an der Oberfläche kratzte. Er riet allen, die mit Flüchtlingen zu tun haben, keinerlei Auskunft hinsichtlich deren Status zu geben. Welche Blüten das Recht treiben kann, zeigte er auf, als er von einem Syrer berichtete, dem der subsidiäre Schutz verweigert wurde, weil dieser in seiner Heimat keinen Wehrdienst abgeleistet hat. Brigitte Keyser verdeutlichte, dass im
Asylverfahren immer der Einzelfall zu betrachten ist und es daher nicht möglich sei, den ehrenamtlichen Helfern einen Leitfaden an die Hand zu geben. "Halbwissen kann hier gefährlich sein", meinte Keyser in diesem Zusammenhang. Kritik musste sie sich gefallen lassen, als sie die Anwesenden dazu aufforderte, Ideen zur Integration zu entwickeln. Gertrud Schrievers
meinte hierzu: "Es ist doch nicht unsere Aufgabe, Ideen zu entwickeln. Was sollen wir denn noch alles machen?"