Als Lothar Mitschke im Jahr 2010 mit seinem Geschäft von der Mohrenstraße in den Steinweg zog, glaubte er noch, dass dieser über eine Passage des ehemaligen Schlickgebäudes an den Kaufhof angebunden werde. "Leider ist nichts daraus geworden", bedauert der Coburger Fotografenmeister anlässlich eines Spaziergangs der Altstadtfreunde am Samstagvormittag. Laut Christa Minier, der Vorsitzenden, geht es darum, einmal mehr auf die Probleme der Geschäftsleute und Mieter im Steinweg aufmerksam zu machen.

Treffpunkt war am Spitaltor. Ladeninhaber, Vermieter, Mieter und die Stadträte der SBC-Fraktion René Hähnlein und Barbara Kammerscheid, sowie die SPD-Stadträtin Gabriele Morper-Marr waren gekommen. Das Leben spielte sich am Samstagvormittag an den Marktständen auf dem Marktplatz ab und in der Spitalgasse, hinter dem Spitaltor herrschte hingegen gähnende Leere. Auch der Bauernmarkt hat sich laut Minier in den vergangenen Jahren deutlich dezimiert. Antonia Pantke von der Parfümerie Meier blickte auf die fast menschenleere Straße. "Es fehlt an Kurzzeitparkplätzen für Kunden, breit genug wäre die Straße ja ", sagte sie nachdenklich.

Etwas mehr Komfort ersehnt

Ein paar Läden weiter befindet sich "Foto Mitschke". Der Inhaber hatte eine Pressemitteilung verfasst, die Eva Wieser (Foto Wiesner) vorlas. Auch Mitschke bemängelt vor allem die fehlenden Kurzzeitparkplätze. Es müssten zum Beispiel große Rahmen transportiert oder Requisiten mitgenommen werden. Und freilich möchte ein Brautpaar bei Regen nicht durch die Innenstadt zum Fototermin spazieren müssen. Mitschke spricht sich für eine Schlossplatztiefgarage aus, um weiteren innerstädtischen Parkraum und damit auch Dauerparkplätze für Mitarbeiter zu schaffen. Er hat einige Ideen, die auch den anwesenden Stadträten eine Überlegung wert sind, denn es sei Fakt, dass der Steinweg in seiner jetzigen Form wenig Anziehungskraft liefere. "Ein übergeordnetes Motto für den Steinweg wie Kunst und Kulinarisches wäre sehr gut", schreibt Mitschke.

Christine Fischer, die Inhaberin von Optik Busch, appelliert eindringlich an die Stadt, endlich zu handeln und die Sanierungsziele des Jahres 2008 umzusetzen. Es eile. "Ende des Jahres läuft mein Mietvertrag aus und wir Händler brauchen Handlungssicherheit, anderseits müssen wir überlegen, wegzugehen."

Angekündigter Räumungsverkauf verwundert nicht

Es wundert fast nicht, dass wenige Häuser weiter ein Bekleidungsgeschäft Räumungsverkauf ankündigt. Eva Wieser ist nicht nur Geschäftsinhaberin, sondern sie hat auch eine Wohnung an ein junges Paar vermietet: Dorina und Alexander Glasenapp wohnen im Steinweg 34. Dies, sagen sie, sei in der Innenstadt noch ein bezahlbarer Wohnraum. Aber zu welchem Preis? Das Paar berichtet von einer extremen Lärmbelastung, die bereits am Dienstag um 20 Uhr beginne und bis in die frühen Morgenstunden den Mietern den Schlaf raube. Dies bestätigte eine Gruppe von Anwohnern, die sich dazu gesellte, um ihren Unmut freien Lauf zu lassen. Eva Wieser hat den Lärm aufgenommen und spielte das Band den Stadträten vor, Barbara Kammerscheid zeigte sich entsetzt: "So schlimm habe mir das nicht vorgestellt." Zu hören ist ein dröhnender Bass, der am Nervenkostüm der Anwohner nagt. Evelin Heß, die im Steinweg 32 wohnt, berichtet zudem von Vandalismus und Verunreinigungen durch Urinieren und Erbrochenes.

Gefrustete Einzelhändler und genervte Mieter

Der Rundgang zeigt gefrustete Einzelhändler und genervte Mieter. "Es ist fünf vor zwölf", mahnt deshalb Christa Minier. Der aktuelle Zustand werde dem starken Charakter, den eine Innenstadt haben sollte, in keiner Weise gerecht, sagt sie. Sie spricht von einer eklatanten Zunahme der Leerstände, selbst in attraktiven Lagen, aber insbesondere im Steinweg. "Eine Abwanderung nach Bamberg und Erfurt mit ihren liebevoll sanierten Altstädten ist die Folge." Laut Minier legen potenzielle Investoren ihr Geld lieber außerhalb von Coburg an und sorgen für Kapitalabfluss. Deshalb müssten die Sanierungsziele des Jahres 2008 zeitnah umgesetzt werden.