Die Siegesserie ist gerissen. Der HSC 2000 Coburg unterlag gestern Abend bei seinem "Angstgegner" EHV Aue mit 19:22 (8:8). Wieder einmal reichte es in einem Prestigeduell nicht zum Sieg, weil der Gegner hochmotiviert auftrat und den favorisierten Gästen in vielen Szenen den Schneid abkaufte. Vor allem nach der Pause hatten die Erzgebirgler immer die besseren Lösungsvorschläge.


Nach zwölf siegreichen Spielen in Folge war es seit langer Zeit wieder die erste Niederlage der Vestestädter in der 2. Liga. Sicherlich ein ärgerlicher Rückschlag im Aufstiegskampf, trotzdem ist die Ausgangslage für den HSC immer noch hervorragend. Bereits am morgigen Sonntagabend um 17 Uhr erwarten die "Gelb-Schwarzen" in der HUK-Arena mit dem TSV Bayer Dormhagen ein abstiegsgefährdetes Team. Dann können die Schützlinge von Trainer Jan Gorr ihren Ausrutscher wieder wettmachen.


EHV Aue gegen
HSC 2000 Coburg 22:19 (8:8)

Die gut 200 mitgereisten Coburger Fans mussten knapp fünf Minute stehen, ehe Florian Billek nach einem Tempogegenstoß das 1:3 markierte. Die 5:1-Deckung schmeckte den Coburgern nicht. Ideengeber Harmandic hatte wenig Spielraum, wurde eng genommen. Deshalb fehlte der HSC-Offensive der Überraschungsmoment. Ohne Esprit und Effektivität ging es hin und her.


Nur gut, dass Rechtsaußen Florian Billek mit Einzelaktionen sein Team im Spiel hielt und Jan Kulhanek, der wieder den Vorzug vor Oliver Krechel bekam, einen höheren Rückstand mit starken Paraden verhinderte (4:2/11.).


Doch dann wurde es aus Coburger Sicht besser: Dreimal Coßbau - zweimal von Linksaußen und einmal vom Strich - sowie ein weiterer Konter von Billek, führten zu einer 6:5-Führung (19.). Den Spielern war jetzt anzumerken, dass viel auf dem Spiel stand, dementsprechend wurde in der Abwehr auch zugepackt. Dazu kamen auf beiden Seiten etliche technische Fehler. Kein Wunder also, dass das Spiel in dieser Phase auf überschaubaren Niveau stand und vor allem von der Spannung lebte.


Absetzen konnte sich kein Team. Beim Stand von 8:8 gut drei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit nahm Jan Gorr eine Auszeit. Doch ohne den erhoffen Erfolg. Vor allem aus dem Rückraum des HSC kam zu wenig. Egal ob Harmandic, Lilienfelds, Kirveliavicius oder Gerlich - alle Coburger Scharfschützen warfen unglücklich oder überhastet, so dass die Gastgeber immer dranblieben.


Doch die machten es im Angriff auch nicht besser. Und wenn sie doch einmal durchkamen, stand ihnen der tschechische Routinier im HSC-Kasten im Weg - Kuhlanek wehrte fast jeden zweiten Ball ab (43 Prozent) und sicherte seinen Farben zumindest das 8:8 bis zur Pause.



Nach der Pause änderte sich vorerst nichts. Kulhanek brachte Aue zur Verzweiflung, stand nahezu immer dort, wo die EHV-Spieler hinwarfen. Doch im Angriff des HSC war weiter der Wurm drin. Der Rückraum war harmlos wie eine Kirchenmaus, so dass es nicht verwunderlich war, dass die Gastgeber nach 40 Minuten plötzlich mit 14:11 in Front lagen.


Die Folge war nach drei Kontertoren ein Wutausbruch von Jan Gorr. Seine folgende Auszeit und die klaren Worte an die Adresse seiner Spieler fruchteten aber nicht. Auch seine Rückraum-Variante mit Brasseleur brachte nichts. Die Kreisläufer - egal ob Kelm der Hagelin - waren zudem abgemeldet, der Rückraum fand nachwievor einfach nicht statt. Es lief nichts zusammen. Lediglich ein Siebenmeter-Treffer von Coßbau unterbrach den Lauf von Aue (16:12/45.).


Knapp acht Minuten vor Schluss stand es 19:16 für die Heimmannschaft, die nicht überragend spielte, jedoch in der Abwehr mit einer aufmerksamen Leistung den harmlosen Coburgern den Zahn längst gezogen hatten. Es war phasenweise erschreckend mit anzusehen, wie hilflos die "Gelb-Schwarzen" agierten. Dazu kamen insgesamt sechs Pfosten- und Lattentreffer, so dass es nie mehr richtig spannend in dieser Partie wurde (20:16/55.).


Die Coburger Fans wurden immer leiser und erinnerten sich wohl an die vielen Niederlagen in dieser Halle. Es war wie immer: Die Sachsen triumphierten völlig zu Recht, weil Coburg auf ganzer Linie enttäuschte. Selbst zwei späte Tore aus dem Rückraum (!) von Harmandic und Billek zum zwischenzeitlichen 20:18 nutzen nichts mehr.
Am Ende stand eine verdiente 19:22-Niederlage der Coburger. Lediglich drei Spieler zeigten dabei Normalform: Torwart Jan Kulhanek, Rechtsaußen Florian Billek und vor allem der von Manager Wolfgang Heyder in der Vergangenheit oft scharf kritisierte Steffen Coßbau.

EHV Aue gegen HSC 2000 Coburg 22:19 (8:8)

EHV Aue: Erik Töpfer, Sveinbjörn Petursson; Marcel Schäfer, Eric Meinhardt, Kevin Roch, Bengt Bornhorn, Ladislav Brykner, Janar Mägi, Arni Sigtryggsson, Jan Faith, Bjarki Gunnarssson, Gregopr Remke, Sebastian Duschek, Sebastian Paraschiv.
Zeitstrafen: 4. - Siebenmeter: 2/2. - Bester Spieler: Sveinbjörn Petursson
Trainer: Runar Sigtryggsson.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel; Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm, Matthias Gerlich, Sebastian Kirchner, Jiri Vitek, Tomas Riha, Steffen Coßbau (10/4), Florian Billek (6), Till Riehn, Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds, Micke Brasseleur (1), Romas Kirveliavicius (1).
Zeitstrafen: 5 (Kelm, Riha, Coßbau, zweimal Kirveliavicius). - Siebenmeter: 4/1 (Coßbau trifft viemal, Gerlich scheitert). - Beste Spieler: Steffen Coßbau, Jan Kulhanek, Florian Billek.
Trainer: Jan Gorr.

SR-Duo: Christoph Immel / Ronald Klein (Ratingen).