Die Coburger Hochschule war in München bereits abgeschrieben. Neue Studiengänge und konkrete Zukunftsvisionen haben die Verantwortlichen wieder aufhorchen und hinschauen lassen. Auf das Ergebnis sind Hochschulpräsident Michael Pötzl und Kanzlerin Maria Knott-Lutze stolz.

"Uns ist ein genialer Coup gelungen!", verkündeten sie gestern den geladenen Stadträten: In den nächsten zwei Wochen wird ein Gesamtpaket von 65 Millionen Euro im Haushalt der Staatsregierung für Coburg abgesegnet. Das Besondere daran: Die drei Bauabschnitte für das IT- und Medienzentrum, die neue Parkpalette, das Automotive-Zentrum und die Generalsanierung sind damit abgesichert.

Für Michael Pötzl heißt das, die Hochschule ist ihrem Traum einen riesigen Schritt näher gekommen. Denn um Coburg als Hochschulstandort attraktiver zu machen, braucht es diese Investitionen.
"Wir müssen immer etwas besser sein als die großen Universitäten", führt er aus und dokumentiert den großen Einfluss einer Hochschule auf die Region anhand von Zahlen und Statistiken. Steigende Wirtschaftskraft und sinkende Arbeitslosigkeit sind dabei die Hauptkriterien.

Überzeugen musste er davon die Stadträte nicht. Sie alle sind sich der Bedeutung der Hochschule Coburg bewusst und versicherten das auch in verschiedenen Wortbeiträgen.

"Taten statt Worte"

Doch Pötzl, der die Stadträte eingeladen hatte, um sie um Unterstützung hinsichtlich der Zufahrt zur neuen Parkpalette zu bitten, genügten Worte nicht: "Sie können verbal immer nur sagen, dass Ihnen die Hochschule am Herzen liegt, aber es bedarf auch Taten!" München schaue genau hin, ob die Coburger auch wirklich an einem Strang ziehen.

Der Hochschulpräsident warb ganz gezielt für die Trasse über die Zufahrt zur Medauschule, die bereits mit dem Grünflächenamt abgestimmt sei. Aufgrund der Einwände seitens der Familie Medau, die sich vor allem im Hinblick auf die dortige Kinderkrippe und die Verkehrssituation einer großen Belastung ausgesetzt sah, präsentierte er gestern einen Kompromissvorschlag, der allerdings zu Lasten des Naturschutzes gehe (siehe Skizze unten).
Nicht machbar sei eine Parkpalette an der Sonneberger Straße, da die nicht im Gesamtpaket, das der Freistaat absegnet, vorgesehen sei. Und ebenso wenig wollte Pötzl über eine Zufahrt direkt an den Studentenwohnheimen vorbei diskutieren.

Wie und wann der Stadtrat entscheidet und damit über die eine Million Euro, die der Freistaat für eine neue Zufahrtsstraße noch draufgelegt hat, ist unklar. Den Stadträten blieben noch zu viele Fragen offen: Was kosten die unterschiedlichen Trassen? Wie hoch ist die Verkehrsbelastung im Kürengrund? Wie steht es mit dem Naturschutz? Hausaufgaben, die die Hochschule jetzt machen muss. Allerdings: Eine Naturschutzprüfung wird über das staatliche Bauamt in Bamberg nur dann vorgenommen, wenn die Stadt Coburg grünes Licht signalisiert. Es wurden bereits zwei Millionen Euro für die Planungen ausgegeben. "Wir werden jetzt kein Gutachten, das zudem ein Jahr dauert, in Auftrag geben, wenn sich die Stadt Coburg quer stellt", betonte auch Ulrich Delles vom staatlichen Bauamt.

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