iese Ausstellung war längst überfällig. "Depot!" - unter diesem Motto sind im Glasmuseum Rosenau rund 70 ausgewählte Objekte zu sehen, die ansonsten für das Publikum nicht zugänglich sind. Mehr als 1000 Exponate umfasst die Sammlung des Europäischen Museums für Modernes Glas inzwischen. Knapp zwei Drittel von ihnen bleiben unsichtbar - bleiben im Depot.

Kontrastreicher Querschnitt

Die Auswahl, die Museumsleiter und Kunstsammlungs-Direktor Sven Hauschke getroffen hat, zeigt Arbeiten, die teilweise seit ihrem Erwerb noch nie öffentlich gezeigt wurden. Dabei erzählen diese Werke nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern zugleich auch die Geschichte der Glassammlungen im Museum in der Rosenau. Zu sehen ist ein Querschnitt der Erwerbungen mit Arbeiten von den 1960er Jahren bis zum Jahr 2018.

Die Präsentation verdeutlicht dabei, wie vielfältig die Techniken sind, mit deren Hilfe die Künstler ihre Werke schufen. Deutlich wird in dieser Auswahl, welche Bedeutung der erste "Coburger Glaspreis" des Jahre 1977 hatte. Denn mit diesem Glaspreis tauchten die Kunstsammlungen der Veste Coburg erstmals auf der Landkarte der modernen Glaskunst auf. Zahlreiche Objekte dieses ersten Glaspreises fanden anschließend als Neuerwerbungen den Weg in die stetig wachsende Sammlung Modernes Glas.

Wie im Zeitraffer wird in dieser Sonderausstellung die Geschichte der Studioglas-Bewegung seit den 1960er Jahren sichtbar. Gerade dadurch, dass in dieser Auswahl nicht die bekannten Prunkstücke der Sammlung im Zentrum stehen, wird deutlich, wie vielfältig die Glaskunst speziell in den 1970er und 1980er Jahren war. Vielfältig auch die Techniken - von gegossenen Skulpturen bis Arbeiten mit Gravuren, von Pate de Verre-Objekten bis zu Lampenglas-Arbeiten, die am Tischbrenner entstanden sind.

Zu den ausgewählten Künstlern zählt beispielsweise Stanislav Kostka ebenso wie Václav Machac ("Kopf eines Rennpferdes", 1984), Bert van Loo ("Lifeline") ebenso wie Otmar Alt und Fritz Nachlinger mit ihrem Objekt "Grünschnabel" von 1990.

Künstler aus der Region

Auch wichtige Künstler aus der Region sind vertreten - beispielsweise Cornelius Reer mit einer Doppelwandschale aus dem Jahr 2015.

Bewusst zeigt die Ausstellung aber auch Objekte, die ästhetisch schon nach wenigen Jahren sehr gealtert sind - etwa eine große Glasdose des finnischen Glaskünstlers Timo Sarpaneva von 1980. Eine eigene Vitrine widmet die Depot-Ausstellung der in Lauscha tätigen Glasbläserfamilie-Familie Precht.

"Diese Ausstellung ist eine schöne Anregung für uns, Objekte neu zu betrachten und einzuordnen", sagt Hauschke.

Rund um die Kunstsammlungen und das Glasmuseum Rosenau

Sonderschau "Depot! Ausgewählte Glasobjekte" - Europäisches Museum für Modernes Glas im Park von Schloss Rosenau (12. April bis 18. August, täglich von 9.30 bis 13 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr). - Infos online unter www.kunstsammlungen-coburg.de Glasmuseum Seit 2008 ist das Europäische Museum für Modernes Glas in einem Neubau, der vor allem dem Coburger Unternehmer und Mäzen Otto Waldrich zu verdanken ist, gegenüber der Orangerie von Schloss Rosenau in Rödental zu finden. Der lang gestreckte Bau besitzt 1260 Qudratmeter Ausstellungsfläche. In der Dauerausstellung des Erdgeschosses wird die Entwicklung des Studioglases von den 1960er Jahren bis heute gezeigt. Neben künstlerisch gestaltetem Gebrauchsglas und Objekten sind Skulpturen und Installationen aus Glas zu sehen. Kern der Sammlung bilden Werke, die auf den vier Coburger Glaspreisen der Jahre 1977, 1985, 2006 und 2014 präsentiert wurden. Eine Glastreppe führt ins Obergeschoss zum Sonderausstellungsraum und zum Lampenglasstudio. Hier auf der Galerie erhält der Besucher darüber hinaus Informationen zur Herstellung von Glas und dessen unterschiedlichen Verarbeitungsmöglichkeiten. Im Untergeschoss befindet sich die Studiensammlung Keramik. Vorläufer Das Glasmuseum in der Rosenau wurde im September 1989 als Museum für Modernes Glas in der Orangerie von Schloss Rosenau als einziges Spezialmuseum seiner Art in Deutschland eröffnet. In der Dauerausstellung wurden damals auf etwa 350 Quadratmetern rund 220 ausgewählte Arbeiten gezeigt: großformatige Skulpturen, Objekte, Gefäße, Installationen und Flachglasbilder von den Anfängen der Studioglasbewegung bis heute, gefertigt von Künstlern aus Europa, den USA, aus Japan oder Australien. Kurator Neuer Kurator für die Bereiche Gemälde und Skulpturen in den Kunstsammlungen ist seit Anfang April Niels Fleck. Für diese Bereiche übernimmt er die Aufgaben, die Sven Hauschke vor seiner Ernennung zum Direktor der Kunstsammlungen wahrgenommen hatte. Zusätzlich ist Fleck künftig für den Bereich Marketing zuständig.red