"Putchen, Putchen, Putchen" ... und Abigale sitzt Jessica schon fast auf dem Schoß. Abigale ist eins von 17 Zwergseidenhühnern, die Jessica Jonik aus Ebersdorf züchtet. Bekommt Abigale eine Weintraube, dreht sie sich auf Kommando im Kreis oder wippt auf einer kleiner Schaukel. "Sie ist mein Lieblingshuhn", erzählt die 19-Jährige, für die ihre Tiere fester Bestandteil der Familie sind.

"Fehlt eins oder stirbt eins ist die Familie nicht mehr komplett." Das beschreibt in etwa die Liebe und Leidenschaft, mit der das Mädchen sich um ihre Tiere kümmert. Und das sind ganz schön viele: Vier Katzen, ein Hund, fünf Hasen, drei Meerschweinchen, eben die 17 Hühner und dazu noch etwa 40 Wellensittiche.

Vier bis fünf Stunden investiert sie täglich für die Pflege, fürs Füttern, Säubern und Handzahm-machen. Freunde hat Jessica Jonik zur Zeit nicht. Sie sagt von sich selbst, in der Schule ein Außenseiter zu sein. "Aber das ist mir egal. Ich hätte gar nicht die Zeit. Meine Tiere brauchen mich. Früher als Kinder waren alle immer mit hier, jetzt ist das nicht mehr so. Die Interessen gehen halt auseinander."

Huhn Ursula trifft Sittich Günter
Selbstbewusst und glücklich präsentiert die junge Züchterin ihre Tiere - allesamt mit Namen. Da gibt es Ursula und Günter, Josefine und Garfield...

Angefangen hat alles eigentlich schon als Jessica ein Jahr alt war. Da kam der erste Hase ins Haus. Mit vier war die Tiernärrin schon eine kleine Expertin und konnte dem Tierarzt sagen, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelt, was bei Hasen oft gar nicht so einfach ist.

Jessica liebt besondere Rassen. Perser und British Langhaar bei den Katzen, Teddyzwerge und Löwenköpfchen bei den Hasen. Ganz besonders sind aber ihre Zwergseidenhühner, die es nur ganz selten und bei uns in der Gegend gar nicht gibt. "Meine Eltern fanden die Idee von Hühnern im Garten zuerst etwas ungewöhnlich, doch als ich meiner Mama diese putzige Zwergseidenhuhnrasse gezeigt habe, war es sofort um sie geschehen. Sogar mein Papa, der anfangs nicht mehr als eine Katze daheim haben wollte, ist nach kurzer Zeit ein richtiger Hühnerfan geworden." Und so war die Zucht eine beschlossene Sache. Alle Hühner (und Hähne) hat sie selbst groß gezogen. Über fünf Jahre sind die ältesten.

Täglich bis zu zehn Eier (80 bis 90 Prozent davon sind befruchtet) legen die Hühner, die dann in einen speziellen Brutapparat kommen. Jessica verkauft die Eier (1,90 Euro pro Stück) oder auch Küken. Anfragen kommen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Ich verschicke nichts mit der Post und auch nur an Privatleute - nicht an Züchter", betont die junge Frau. Wenn es um ihre wertvolle Fracht geht, nutzt sie die Mitfahrzentrale. Das funktioniere ganz wunderbar, und die Tiere bekämen sogar zwischendurch etwas Wasser.

Jessica liegt das Wohlbefinden ihrer Tiere besonders am Herzen. So springen Hasen, Hühner und Meerschweinchen im Freigehege durch den Garten. "Manchmal helfen sie uns sogar bei der Gartenarbeit", erzählt sie ganz stolz. Wenn zum Beispiel ein neues Beet angelegt oder umgegraben wird, kommen die Hühner herbeigeeilt und picken die Würmer, Maden und Schädlinge ruckzuck weg.

Die Vögel bewohnen ein kleines Traumhaus mit Voliere. Darin können sie frei fliegen und haben jede Menge Spielmöglichkeiten. "Um die Sittiche handzahm zu machen, muss ich aber schon jeden Tag viel Zeit mit ihnen verbringen." Mit Erfolg, wie man sieht, wenn Jessica die Tür aufmacht: Sofort fliegen die Wellensittiche auf ihre Hand oder ihre Schulter, picken und knabbern an ihr. Die Jungtiere werden gehegt und gepflegt - und wenn der passende Käufer kommt, bei dem Jessicas Herz Ja sagt, wird auch ein Wellensittich verkauft.

Jessicas Traum: Ein Haus am Waldrand mit einem großen Grundstück, in dem sie mit ihren Tieren leben kann und ein kleines Geschäft, in dem sie homöopathische Arznei für Tiere verkauft.
 

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