Kaum sind die ersten Störche wieder ins Coburger Land zurückgekehrt, droht schon Ärger. Davon jedenfalls geht Hans-Peter Schönecker aus, der im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) die Storchenvorkommen in der Region beobachtet. Er hat nämlich festgestellt, dass der Meschenbacher Storchenmann aus seinem Winterquartier zurückgekehrt ist und mit einer unberingten Storchendame durch die Itzwiesen streift. Und das ist nicht gut: Denn in den vergangenen beiden Jahren hat der Storch mit einer beringten Störchin, die in Tschechien geboren wurde, auf dem "Bräustübla"-Schlot gebrütet. Weil die inzwischen auch schon wieder aus ihrem Winterquartier zurück ist, vermutet Schönecker: "Die Tschechin wird Horst und Partner verteidigen wollen."

Die Tatsache, dass seit dem Wochenende immer wieder Störche im Itzgrund gesichtet werden, überrascht den Coburger Storchenbeauftragten nicht: "Das ist schon in Ordnung." Nachdem schon vor einiger Zeit im Rheintal mehrere Störche gesichtet wurden, sei damit zu rechnen gewesen, dass die Vögel allmählich wieder in ihre Sommerquartiere ziehen.


Sie kennen keine Uhr

Die Störche haben ja schließlich nicht gewusst, dass im Coburger Land bis vor ein paar Tagen noch tiefster Winter war, erklärt Hans-Peter Schönecker: "In Spanien wird es warm gewesen sein - und die Tiere reagieren vor ihrer Rückkehr auf äußere Einflüsse." Denn eine Uhr oder das Datum, ergänzt der Storchen-Fachmann im Scherz, kennen Störche nach dem aktuellen Stand der Forschungen nicht.

Weil die Störche aus Meschenbach und Kaltenbrunn den Winter mit größter Wahrscheinlichkeit in Spanien verbringen, dauert ihre 1800 Kilometer lange - das hat Schönecker fürs Tageblatt extra mal nachgemessen - Reise nicht allzu lange. Vogelkenner gehen davon aus, dass Störche in Wintermonaten aufgrund der bescheidenen thermischen Verhältnisse zwischen 150 und 200 Kilometer am Tag zurück legen. Das hieße also: Sie haben sich vor gut 14 Tagen auf den Weg zurück in ihr Brutgebiet gemacht. Ganz anders ist die Situation für die Störche, die den Winter auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara verbringen. Sie müssen über 10 000 Kilometer zurücklegen und brauchen dafür bis zu sechs Wochen.


Auf gute Thermik angewiesen

Eine gefährlich lange Reise, bei der es oft auch Zwangspausen gibt. Störche meiden zum Beispiel schneebedeckte Landschaften, weil sie für ihren Segel-Flug auf gute Thermik angewiesen sind. Wo aber Schnee liegt, schaut es mit warmen Aufwinden schlecht aus. Im Sommer, erklärt Schönecker, ist das anders: Wenn die Sonne herunter brennt, können Störche Strecken von weit über 500 Kilometer segeln.

Sorge, dass die bereits im Coburger Land angekommenen Störche (auch in Kaltenbrunn gab es Sichtungen) Hunger leiden müssen, hat der LBV-Storchenbeauftragte nicht: "Die Vögel wissen, dass sie im Bereich von Flüssen immer was finden." Selbst frisch mit Gülle gedüngte Wiesen schrecken, wie man momentan im Itzgrund sieht, die Störche nicht ab, erklärt Hans-Peter Schönecker: "Die Vögel haben keinen besonders ausgeprägten Geruchssinn. Deshalb suchen und finden sie auf diesen Feldern genügend tote Tiere." Und wenn es sein muss, dann hackt ein Storch auch schon mal mit seinem spitzen Schnabel 15 Zentimeter tief in die Erde, weil er eine Maus in einem Loch am Boden vermutet.

Wer während der Winterwochen aufmerksam durch den Itzgrund gefahren ist, wird immer wieder zwei Störche auf den Wiesen neben der Bundesstraße 4 gesehen haben. Das waren die beiden Vögel, die beim Schernecker Tierarzt Hans-Joachim Lessing den Winter verbracht haben. Ganz unüblich ist diese Standorttreue während der kalten Jahreszeit nicht mehr, wissen die Vogelspezialisten beim LBV. Immer mehr Tiere - erst Recht, wenn sie sich bei extremer Witterung auf Zufütterung durch Menschen verlassen können - ziehen gar nicht mehr in Süden und versuchen stattdessen, den Winter vor Ort zu überstehen. Minusgrade, erklärt Schönecker, sind da nicht das Problem: "Die Vögel plustern sich auf und das Federkleid schützt sie vor tiefen Temperaturen."