Die Fahrt beginnt in Coburg. Bitte einsteigen!

ICE trifft Wiesenschleicher

Seit Ende 2017 hält in Coburg mehrmals am Tag der ICE - es sei denn, es ist mal wieder eine Weiche vereist oder defekt und der schnellste Zug Deutschlands rauscht an der Vestestadt vorbei. So gesehen ist der liebevoll auch auch "Wiesenschleicher" genannte Zug, der im Stundentakt nach Bad Rodach fährt, eine treue Seele. 1892 wurde die Strecke eröffnet. Betreiber war die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft. 1895 folgte die Verstaatlichung, die erst Mitte 2011 endete. Seitdem ist die private Eisenbahngesellschaft Agilis zuständig. Der Name "Schleicher" mag angesichts des Tempos mittlerweile ungerecht sein - durch viele Wiesen geht es aber noch immer.

Nächster Halt: Coburg-Neuses

Große Begeisterung für kleine Nachbauten

Das passt! Die Eisenbahnfreunde Coburg-Steinachtal haben einen Bahnhof als Vereinsheim. Im Gebäude in Neuses lassen sich nicht nur stimmungsvolle Treffen veranstalten, wie Vorsitzender Ulrich Finsterer erzählt, sondern die Räumlichkeiten bieten auch ausreichend Platz für die größte Leidenschaft der rund 50 Mitglieder. Dabei handelt es sich um den Modellbau. Seit mehr als 30 Jahren locken die "Coburger Modellbahntage" viele Zuschauer an. Diese Veranstaltung findet allerdings immer einige Gleis-Kilometer entfernt in einem Autohaus in Creidlitz statt. Die 2021er Schau, für die längst die Vorbereitungen laufen müssten, wurde wegen Corona abgesagt.

Neuer Halt: Coburg-Beiersdorf

Advantage, Beiersdorf!

"Was bauen die denn da?", haben sich zuletzt viele Goldbergsee-Spaziergänger gefragt. Neben den Tennisanlagen des TSV Beiersdorf wurde kräftig gebaggert - und jetzt ist er fertig, der neue Bahn-Haltepunkt am Rande der Stadt. Agilis-Geschäftsführer Axel Hennighausen spricht von einer "wichtigen Maßnahme, um den Bahnverkehr in der Region noch attraktiver zu machen zu stärken". Pendle und Schüler hätten nun "attraktive Fahrmöglichkeiten" in Richtung Coburg. Aber auch andersherum könnte der Haltepunkt Nutzer finden: Für einen Ausflug zum Goldbergsee - oder zur Anlage des TSV. So der so lässt sich sagen: Advantage, Beiersdorf!

Wir erreichen Wiesenfeld

Schmuckstück vom Schiefer befreit

Der Bahnhof Wiesenfeld ist das neueste Schmuckstück entlang der Bahnstrecke. Noch vor ein paar Jahren schien es zum Abriss verurteilt. Doch mit Reiner Wessels fand sich ein Käufer, der in und um Coburg als Experte für knifflige Altbausanierungen gilt. Auch das 1892 errichtete Bahnhofsgebäude wurde von ihm zu neuem Leben erweckt - und vor allem von den Schieferplatten befreit, die seit 1909 das alte Fachwerk verdeckten. Die Sanierung ist fast abgeschlossen. Wer künftig im ehemaligen Wartesaal und den Büros (Erdgeschoss) sowie in der ehemaligen Wohnung des Bahnhofsvorstehers (Obergeschoss) residieren darf, steht noch nicht fest.

Meeder

Kein Bahnhof, aber auch kein Beton mehr

Auf einem Wegweiser steht tatsächlich: "Bahnhof"! Dabei gibt es in Meeder lediglich einen Haltepunkt an den Bahngleisen - aber immerhin wurde vor kurzem das alte Beton-Wartehäuschen gegen ein deutlich moderneres Exemplar ausgetauscht. "Früher stand hier ein nahezu baugleiches Bahnhofsgebäude wie in Wiesenfeld", erzählt Bürgermeister Bernd Höfer. Er selber kenne das aber nur noch von Fotos. Glücklich ist Höfer über die Bahn-Anbindung aber auch ohne Bahnhof. Klar: Welcher Bürgermeister kann schon sagen, dass es in seinem Gemeindegebiet gleich drei Haltepunkte gibt? Außer Wiesenfeld und Meeder ist das noch Großwalbur.

Kleinwalbur

Da wird Coburg blass vor Neid

Kaum zu glauben, aber wahr: In der Gemeinde Meeder mit ihren gerade mal rund 4000 Einwohnern gab es zwischenzeitlich sogar vier Haltepunkte entlang der Bahnstrecke Coburg - Bad Rodach. Zum Vergleich: Um da in Relation mithalten zu können, bräuchte es in der stolzen Residenzstadt Coburg mehr als 40 Haltepunkte! Aber irgendwann lohnte es sich dann doch nicht mehr für die Bahn, auch noch auf Höhe des Gemeindeteils Kleinwalbur einen Stopp einzulegen. Vor gut 20 Jahren wurde der Halt aufgelöst. Heute erinnert an ihn nur noch eine kleine, platt gedrückte Fläche am Neidaer Weg zwischen Kleinwalbur und Birkenmoor.

Großwalbur

Kuchen für den Lokführer

Seit 2004 wohnt Familie Seifert im 1892 erbauten Bahnhof von Großwalbur. Der ehemalige Wartesaal ist ihr Wohnzimmer. Im Sommer machen es sich die Seiferts gerne auf der Terrasse gemütlich - "dann winken wir den Lokführern zu", erzählt Susanne Seifert. Einem Lokführer hätten sie während des Halts auch schon mal einen Kuchen hereingereicht. Man kennt sich eben! Zwei der drei Seifert-Söhne fahren täglich mit dem Zug nach Coburg zur Schule. Der kurze Weg von Zuhause zum Bahnhof: rekordverdächtig! Dass dies auch Zuglärm direkt vor dem Haus bedeutet, stört Susanne Seifert nicht: "Ich höre das gar nicht mehr."

Wir erreichen den End-Haltepunkt: Bad Rodach

Glühwürmchen und Nachtwächter

"Der Bahnhof" heißt auf italienisch "La Stazione" - und genau diesen Namen hat sich eine Pizzeria in Kaltenbrunn im Itzgrund gegeben. Warum? Weil sie sich im historischen Bahnhofsgebäude befindet - bei der Bahnstrecke selber sind die Lichter aber leider längst ausgegangen. Ganz anders die Situation in Bad Rodach: Hier brennt noch Licht! Die Pizzeria im Bahnhofsgebäude heißt "La Lucciola" - zu deutsch: "das Glühwürmchen". Wer am Endpunkt der Agilis-Strecke aussteigt, kann vieles unternehmen: die Therme besuchen, den Georgenberg besteigen, im Haba-Outlet shoppen - oder auch mit dem Rodacher Nachtwächter bummeln.