Dem Coburger Stadtrat gehört derzeit kein Mitglied aus dem westlichen Stadtteil Scheuerfeld an. Damit sich das bei der Wahl am 15. März 2020 ändert, hat der Bürgerverein Scheuerfeld eine umfassende Wahlempfehlung herausgegeben. Unter dem Motto "Scheuerfelder wählen Scheuerfelder" werden - parteiübergreifend - alle 15 Stadtratskandidaten aufgelistet, die aus Scheuerfeld kommen. Weil sich unter diesen 15 Kandidaten auch zwei Kandidaten der AfD befinden, wird also auch für diese geworben - und das sorgt für mächtig Wirbel.

Der SPD-Ortsverein Scheuerfeld stellte auf Facebook klar: "Unsere Kandidaten Can Aydin und Oliver Pieschel möchten nicht mit der AfD und deren Kandidaten in Verbindung gebracht werden. Sie sind gegen die rechten Hetzer der AfD." Und weiter: "Wir geben keine Wahlempfehlung für die AfD! Und wir schließen jetzt und in Zukunft jede Zusammenarbeit mit der AFD aus." Der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dominik Sauerteig sieht das genauso: "Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließe ich aus. Jede Unterstützung der AfD ist für uns nicht akzeptabel."

Auch von Pro Coburg folgte prompt eine Distanzierung: Die Scheuerfelder Pro-Coburg-Kandidatin Martina Krejci erklärte: "Ich wohne in Scheuerfeld und möchte auf keinen Fall mit der AfD und deren Mitglieder in Verbindung gebracht werden. Coburg gegen Rechts.....ich stehe für Pro Coburg!"

Und was sagen die Verantwortlichen des Bürgervereins Scheuerfeld dazu? Organisiert worden war die Wahlempfehlung vom Zweiten Vorsitzenden Roland Eibl, der für die CSU für den Stadtrat kandidiert.

Im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt schildert Roland Eibl die Entstehungsgeschichte wie folgt: Am 16. Januar habe man im Vorstand des Bürgervereins darüber beraten, ob - wie auch schon bei der Stadtratswahl 2014 - ein "Blättchen" herausgegeben werden soll, auf dem unter dem Titel "Wahlempfehlung" alle aus Scheuerfeld kommenden Kandidaten aufgelistet werden. Er selbst, so Eibl, sei dagegen gewesen - doch die Mehrheit im Vorstand sei dafür gewesen.

Weil Roland Eibl als Ortssprecher und ehemaliger Stadtrat über viele Kontakte verfügt, wurde er mit der Erstellung des "Blättchens" beauftragt. "Mit einem mulmigen Gefühl habe ich dann festgestellt, dass es auch zwei AfD-Kandidaten aus Scheuerfeld gibt", erzählt Eibl. Er habe daraufhin Rücksprache gehalten mit einem Vorstandskollegen. Dieser habe ihm geraten, die AfD-Kandidaten nicht wegzulassen, weil man der AfD ansonsten nur unnötig "Futter" geben würde. Und so landeten alle 15 Scheuerfelder Kandidaten im "Blättchen".

Im Gegensatz zur Wahlempfehlung von 2014 wählte Eibl allerdings nicht die Formulierung, dass die Scheuerfelder doch bitte "alle" diese Scheuerfelder Kandidaten mit jeweils drei Stimmen bedenken sollen. Das hatte jedoch eher wahlrechtliche Gründe. Denn 2014 gab es nur wenige Kandidaten aus Scheuerfeld, so dass theoretisch jeder drei Stimmen pro Wahlzettel bekommen konnte. Bei 15 Kandidaten würde ein entsprechendes Häufeln bedeuten, dass 45 Stimmen vergeben werden - erlaubt sind aber nur maximal 40.

Roland Eibl räumt allerdings ein, dass er statt "Wahlempfehlung" vielleicht lieber "Wahl-Info" hätte schreiben sollen. "Das habe ich verpennt!" Gleichzeitig äußert er Verständnis, dass es jetzt Kritik gibt: "Dass diese ,Wahlempfehlung' schräg rüberkommt, kann ich durchaus nachvollziehen." Aber: "Da ist jetzt auch viel Stänkerei dabei!" Und: "In der Hand haben es jetzt sowieso die Wähler."

CSU-Kreisvorsitzender René Boldt spricht auf Tageblatt-Anfrage von einer "sehr unglücklichen Vorgehensweise" des Bürgervereins. "Da hätte man mal genauer hinschauen müssen!" Für ihn ; Boldt, habe sich an der Haltung zur AfD nichts geändert: "In dieser Partei gibt es Strömungen, die eine Zusammenarbeit völlig ausschließen."