Die Vögel im Niederfüllbacher "Pfarrschrot" können jetzt "eine respektable Adresse aufweisen": Der zuvor unbenannte Waldweg von der Straße "Am Pfarrschrot" zum evangelischen Gemeindehaus heißt seit Samstag "Franz-Möckl-Weg". Diese Ehrung hatte der Niederfüllbacher Gemeinderat einstimmig beschlossen, um seinen Ehrenbürger und überregional angesehenen Komponisten posthum die verdiente Anerkennung zu verleihen.

"Ich denke, selten passt eine Ehrung so gut", sagte Bürgermeister Martin Rauscher (ÜWN) bei der offiziellen Einweihung des Weges. Möckl habe zu den Verehrern des Waldstücks gezählt und sei dort spazieren gegangen.
Franz Möckl verstarb am 23. Januar vergangenen Jahres. Von seinem Haus in der Steinbruchgasse aus hatte der Komponist über Jahrzehnte die Entwicklung des Naturschutzgebietes beobachtet. "Mein Mann schaute das ganze Jahr darauf, wie der Wald wurde und verging", erzählte Margit Möckl am Samstag. Auch Thomas Möckl erinnert sich, wie sein Vater erst den Kindern, später den Enkeln gerade den Weg im Pfarrschrot immer vorstellte. Dass gerade der Weg in "seinem" Wald nach ihm benannt wurde, da ist sich Thomas Möckl sicher, hätte den Vater sehr gefreut. "Auch wie diese besondere Anerkennung zustande kam, dass sie mitten aus der Gesellschaft angestoßen und einstimmig im Gemeinderat beschlossen wurde, hätte ihm viel Freude bereitet."

"Immer eins"

Angeregt hatten die Ehrung Hilmar Bätz und seine Tochter Katrin. "Niederfüllbach und Franz Möckl, das war ja immer eins", schilderte Bätz, der fast drei Jahrzehnte unter der Leitung des Chorleiters sang. Umso mehr störte es den Niederfüllbacher, dass im Ort nichts an den Ehrenbürger erinnerte, weil kein Geburtshaus des in Bernau (Westböhmen) gebürtigen Komponisten vorhanden sei und Möckls Grabstätte in Coburg liege.

Bätz brachte die Idee in den Gemeinderat. Anfang des Jahres, so erinnerte sich Margit Möckl, habe Bürgermeister Rauscher bei ihr angefragt, was sie davon hielte, einen Weg nach ihrem verstorbenen Mann zu benennen. Zur Auswahl standen ein Weg im Ort oder im Naherholungsgebiet. Die Wahl sei ihr wegen der Vorliebe ihres Mannes für den Pfarrschrot leicht gefallen.

Seine Werke sind Standard-Repertoire der Chöre

Welchen Stellenwert und Ruf der verstorbene Komponist, Musiker und Pädagoge besaß, machte der Vorsitzende des Fränkischen Sängerbundes (FSB) Peter Jacobi deutlich. Der FSB und sein Ehrenmitglied seien nicht einzeln voneinander zu nennen, betonte der Dörfles-Esbacher. "Franz Möckl hat das Chor- und Verbandsleben ganz gewaltig geprägt, seine Werke sind Standard-Repertoire in den meisten unserer Chöre." Besonders schätzte der FSB-Vorsitzende an dem Geehrten "seine Gestaltungskraft, seinen Ideenreichtum und seine nie versiegende Bereitschaft, sich für das Chorleben einzusetzen".

Nachdem Jacobi für den Samstag eine Präsidiumssitzung nach Niederfüllbach einberufen hatte, nahm die Hälfte des oberfränkischen Präsidiums an der Ehrung teil. "Franz sagte ja immer: Ich bin ein Niederfüllbacher." Der nach Möckl benannte Weg dokumentiere diese Verbundenheit, so Jacobi.

Ein Vorbild

Der Heldritter Chorleiter Knut Gramß erinnerte an das umfangreiche Werk des Komponisten: "Würde man all seine Kompositionen und Liedblätter aneinanderlegen, wäre dieser Weg viel zu kurz." Als Vorbild und Mensch habe Möckl ihn fast sechs Jahrzehnte begleitet, schilderte Gramß. Für ihn stehe der Name für "ein neues Singen": "Möckl hob sich vom traditionellen Gesangvereinswesen ab", sagte der Heldritter. Zudem habe er "Pionierarbeit für das fränkische Volkslied" geleistet und Liedersammlungen wie die des Coburgers Friedrich Briegleb mit mehreren Sätzen für den modernen Chorgesang adaptiert.

Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) rief noch eine weiteres Verdienst Möckls in Erinnerung: seine Leistung als "begnadeter Pädagoge". In der dritten und vierten Klasse der Jean-Paul-Schule hatte der Coburger Möckl als Lehrer erlebt. Noch gut könne er sich erinnern, wie der Sudetendeutsche ihm damals beibrachte, "was der Begriff Heimat bedeutet". Tessmer war als Vorsitzender der Niederfüllbacher Stiftung zur Einweihung gekommen, in dessen Besitz sich der Pfarrschrot befindet - nicht ohne augenzwinkernd zu kommentieren, "dass die Straßenbenennung hier leichter als anderswo vonstatten ging".

Der Singverein Niederfüllbach trug zu der Anerkennung seines langjährigen (Ehren- )Chorleiters mit einigen Stücken aus der Feder von Möckl bei und dokumentierte "das hohe Leistungsvermögen" des gemischten Chores (Thomas Möckl). Lieder wie "Unter dem Holzapfelbaum", "Abschied vom Walde" oder "Mein Füllbach" zeigten den schnörkellosen Ausdruck der Melodien, der lange nachwirkt. Carolin Heckel, die den Chor seit 2009 leitet, gefällt besonders "das Volksliedhafte und die schöne Harmonisation" der Möckl'schen Lieder. Viele Sänger, die Möckl als Chorleiter erlebt haben, besonders beim Weinberg-Singkreis und seinem Nachfolger, dem Fränkischen Kammerchor, schwärmen noch heute von den eindrucksvollen Auslandsreisen. "Wir waren mit dem Kammerchor in ganz Europa unterwegs", erinnerte sich Margit Möckl, die selber 40 Jahre im Chor mitsang. "Diese Reisen waren ein tolles Erlebnis und haben vielen den Horizont geweitet", fügte ihr Sohn Thomas hinzu. "Ich hoffe, dass alle, die zukünftig den Namen ,Franz-Möckl-Weg‘ lesen werden, wissen, was wir Sänger damit verbinden", fasste Jacobi am Samstag die Meinung vieler Anwesender zusammen.

Wer war Franz Möckl?

1925 in Bernau (Westböhmen) geboren, wurde Möckl in Eger zum Musiker und Lehrer ausgebildet. Nach Kriegsende wirkte der Flüchtling als Landschullehrer und Chorleiter in Ottowind, ab 1954 als Ausbildungslehrer und Musikdozent am Institut für Lehrerbildung in Coburg. Ebenfalls 1954 übernahm er den Singverein Niederfüllbach. 1955 gründete und leitete Möckl den "Weinberg-Singkreis", seit 1966 "Fränkischer Kammerchor" genannt, der durch Europa tourte und Schallplatten aufnahm. Möckl war von 1956 bis 1965 Jugendmusikreferent für Oberfranken und veranstaltete Jugendsymphoniekonzerte am Landestheater Coburg. Unter anderem rief er 1971 den "Musiksommer Obermain" ins Leben. Möckl dozierte in Chorleiterkursen, war Kreischorleiter des Sängerkreises Coburg (seit 1968), seit 1970 Mitglied im Musikausschuss des FSB und leitete dessen Frauenchor ab 1986. Von 1971 bis 1988 stand er dem Seminar zur Ausbildung von Lehrern an Volksschulen vor. Bereits 1962 erschien sein "Fränkisches Liederbuch". Zahlreiche Lieder- und Musikbücher für die Schule gab er mit heraus. Möckls umfangreiches Chorwerk umfasst Kantaten, Zyklen und Chorsuiten. Der Sängerkreis Coburg verlieh ihm für seine Verdienste 1975 die Melchior-Franck-Plakette und machte ihn 1981 zu seinem Ehrenmitglied. 1983 wurde Möckl mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Seit 1987 war der Komponist Ehrenbürger von Niederfüllbach. Am 23.01.2014 verstarb Möckl.