Den Abend des 26. Januar wird Ulrich Eckardt nie vergessen. Es ist nach 21 Uhr, als er noch einmal mit seinen beiden Hunden nach draußen geht. Es ist 21.31 Uhr, als der Landwirt dabei an seinem eigenen Acker in der Flur des Neustadter Stadtteils Haarbrücken vorbei kommt. Plötzlich zischt etwas hell leuchtend nah an ihm vorbei - direkt auf seinen Acker. Ein Meteorit?

Ulrich Eckardt machte sich sofort auf die Suche. "Ich hab sie gleich gefunden, sie haben ja noch geglüht", beschreibt er zwei Gesteinsbrocken. Sie lagen auf der nassen Erde des Ackers. "Ich hab sie erst am nächsten Tag geholt, als sie kalt waren", erklärt der Landwirt. Aber war da nicht noch ein kleinerer dritter Stein? Den konnte er nicht gleich finden, obwohl die Fundstücke sich deutlich vom eigentlich sandigen Untergrund abhoben.


Mit der Rute noch ein Fund

Doch Ulrich Eckardt hat eine Fähigkeit, die ihm bei der Suche half. Er ist Rutengänger. Tatsächlich pendelten die Stahldrähte seiner Ruten aus, und er fand das dritte Fragment. Der größte der drei Brocken wiegt 100, der zweitgrößte 76 Gramm. Der kleine Splitter, der zuletzt gefunden wurde, ist gerade sechs Gramm schwer.


Einem Geologen oder Spezialisten für Meteoritenfunde hat Ulrich Eckardt seine Stücke noch nicht gezeigt. Warum auch: "Die haben ja noch geglüht, als ich hin gekommen bin", stellt er fest. Und daran, dass sie vom Himmel gefallen sind, gab es auch keinen Zweifel. Das hat er selbst gesehen. "Der Lichtschweif ist von Norden her gekommen und im Bogen herum in meine Richtung, als wenn er zu mir wollte", beschreibt er sein Erlebnis. Dabei ist der froh, dass keiner der größeren Brocken direkt zu ihm "wollte". Denn: "Wenn mich einer getroffen wäre, hätte ich tot sein können."


"Draht nach oben"

Ein bisschen hat Ulrich Eckardt schon das Gefühl, dass er so etwas anzieht. Manche sagen ihm "einen Draht nach oben" nach. Das hat damit zu tun, dass er mit seiner Wünschelrute schon so manchen Brunnen gefunden hat. Er findet aber auch Einflüsse, die Menschen oder Tiere krank machen.Nicht selten habe er schon helfen können, bei Neurodermitis etwa, oder vergeblichem Kinderwunsch. Die Fähigkeit zu heilen liegt bei ihm in der Familie: "Das hab ich von mütterlicher Seite geerbt", ist er überzeugt.


Wie ausgeprägt seine Fähigkeit ist, Krankheiten zu erkennen, stellte Ulrich Eckardt, wie er berichtet, bei einem Fall in der Landwirtschaft fest. Eine Kuh wollte einfach nicht trächtig werden. Der Landwirt befragte seine Wünschelrute und kam zu dem Ergebnis, dass einer der Eierstöcke zu klein, der andere wie verkrustet sei. Daher könne das Tier nicht trächtig werden. Als ein Tierarzt die Kuh wenig später untersuchte, lautete seine Diagnose, eine Trächtigkeit komme nicht infrage, weil ein Eierstock zu klein und der andere verkrustet sei, berichtet Ulrich Eckardt ein wenig stolz.


Dass er heute so erfolgreich mit dem Rutengehen ist, führt er auch darauf zurück, dass er immer mehr darüber herausgefunden hat. Etwa, dass er ein kleines Fläschchen mit Wasser an einem seiner Finger befestigt, um die Ergebnisse zu verbessern. "Es schirmt störende Strahlung ab."


Seine Meteoritensteine will er jedenfalls behalten. Sollte irgendwo beobachtet werden, wie ein Meteorit die Erde erreicht, dann wäre er bereit, mit der Wünschelrute bei der Suche zu helfen. Dass es funktioniert habe er ja auf dem eigenen Acker schon ausprobiert.


Meteoriten sind in Bayern dünn gesät. Eckhard Mönnig, stellvertretender Leiter des Naturmuseums in Coburg, sagt: "Es gibt wohl bayernweit keine zehn als echt anerkannten Meteoriten. In so fern wäre das ein echter Sensationsfund." Behalten darf Ulrich Eckardt seinen Fund nach Mönnigs Einschätzung schon. Die rechtlichen Gegebenheiten sind selbst von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Bayern dürfe Eckardt die Brocken, die auf seinem eigenen Acker gelandet sind, aber behalten. Wer Meteoriten verkaufen will muss aber die Echtheit des Meteoriten beweisen. Das kann laut Mönnig durch die Untersuchung in einem Massenspektrometer geschehen.


Viele Funde sind nicht echt

Allerdings gibt es einige Prüfkriterien, mit denen meist sehr schnell erkannt werden kann, dass es sich bei einem Stein nicht um einen Meteoriten handelt. In der Tat berichtet Eckhard Mönnig, dass recht oft jemand mit einem Fundstück im Museum vorstellig wird, dass er für einen Meteoriten hält. Oft handelt es sich dabei um Schlacke.
Gerade um den Staffelberg fände sich hin und wieder ein Brocken, der aus der Zeit stammt, als die Kelten dort Eisenerz verarbeiteten. Sicher auch ein interessanter Fund, aber eben kein Meteorit. Den Fund aus Haarbrücken würde Eckardt Mönnig gern einmal untersuchen, denn da die Stücke noch glühten, als sie gefunden wurden, wäre die Echtheit ja kaum infrage zu stellen.



Das Recht am Stein


Gesetz Wem ein vom Himmel gefallener Stein gehört, das ist rechtlich oft umstritten. Laut Internet-Lexikon Wikipedia gibt es in den wenigsten Staaten juristische Regelungen zu Meteoritenfunden. In Deutschland ist beim Fund in öffentlichem Gelände nach Paragraf 984 BGB zunächst ein Miteigentum des Finders am Meteoriten vorgesehen, indem eine analoge Anwendung der Regeln für den Schatzfund angenommen wird. Mit Ausnahme von Bayern, greift in allen Bundesländern das "Schatzregal", nach dem ein Gegenstand von besonderer wissenschaftlicher oder kultureller Bedeutung mit seinem Auffinden automatisch und vollständig Eigentum des Landes wird, unabhängig davon, ob er auf Privatgrund oder öffentlichem Grund gefunden wird. In so einem Fall gehen Finder und Grundstückseigentümer leer aus. Gelegentlich erhalten sie aber auch eine Entschädigung oder Belohnung. Nur Bayern besitzt kein solches Schatzregal und regelt nach dem BGB.
Ähnlich unklar ist die Situation nach österreichischem Recht. Dort ist das Sammeln von Mineralien in freier Natur zunächst einmal erlaubt, sofern dafür kein Bergungsgerät eingesetzt wird.