Die Blätter sind riesig und überstrahlen den "Dschungel" im Coburger Palmenhaus bei weitem. Über allem schwebt ein bunter Falter, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, was Größe und Leuchtkraft anbelangt. - Was aber keine Wundermutation ist, sondern ein beeindruckendes Menschenwerk: Wunderschöne Glaskunst von Detlev Bertram.
Für den Künstler der Waldsassener Glashütte Lamberts hat die Coburger Galerie Späth die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt und der Glashütte Lamberts eingerichtet. Und mit ihr lenkt sie die Aufmerksamkeit auf diese kleine, aber ganz besondere Einrichtung, lädt sie zum entspannten Ferien- und Urlaubsspaziergang in den Rosengarten und in das Palmenhaus ein.
Zebrafinken, Sittiche diverser Art, Beos begrüßen den Besucher, schreien ganz schön herum. Aber so ist das nun mal im Dschungel.
- Der kleine Coburger wartet mit hoch unters Glasdach ragenden Monsterpflanzen auf oder interessanten Kleinbiotopen unter Glas. Und plötzlich ein flächiger Schimmer hinter den breiten Blättern: Glas-Blätter von Detlev Bertram.
Mundgeblasenes Flachglas ist in beeindruckender Größe zu Pflanzen- und Tier-Motiven zusammengefügt. Die Werke Bertrams wirken organisch lebendig und gleichzeitig in die klare Linienführung der Abstraktheit weiter gezogen.


Wechselnde Wirkungen

Detlev Bertram gilt als Experimentator und künstlerisches Sprachrohr der Glashütte Lamberts. "Vieles was ich zeige ist die Leistung der Leute dort, die es wert ist, gezeigt zu werden" sagt Detlev Bertram. Er arbeitet mit diesem Glas in allen Produktionsstufen - vom Rohling bis zum Glasbruch.
Ob für den Außenbereich oder Innenräume, Glas ist das im Licht lebendigste Material überhaupt, verändert sich trotz seiner Härte unablässig in seiner Wirkung. Der große bunte Schmetterling hoch oben im Palmenhaus scheint tatsächlich zu flattern in den Licht-und Schattenbewegungen der Bäume außerhalb des Palmenhauses und der exotischen Pflanzen im Inneren. Für einen ganz in Blau ruhenden Falter weiter unten scheint dagegen die Zeit stillzustehen.


Selten gewordenes Handwerk

Die Glashütte Lamberts bereichert auch das Gartenschau-Gelände in Bayreuth. Detlev Bertram zeigt seine Blätter aus farbigem Tafelglas, eine Weiterentwicklung der Schmetterlinge, die auch bei der Gartenschau in Tirschenreuth zu sehen waren.
Die Kunst, mundgeblasenes Flachglas herzustellen, ist ein selten gewordenes Handwerk. Die 1906 gegründete Farbglashütte Lamberts ist die einzige in Deutschland, die sich auf dieses Handwerk noch versteht. Mit 70 Prozent Exportrate ist sie Weltmarktführer auf ihrem Gebiet.
Mundgeblasenes Flachglas entsteht Tafel für Tafel, wie in alten Zeiten. Der Prozess erfordert neben Kraft, Konzentration und Geschicklichkeit Teamgeist im Umgang mit dem Material. Durch die rein handwerkliche Herstellungsweise ist das Glas von hoher Brillanz. Einfärbungen, Glasmischungen, Überfang und verschiedene Bearbeitungstechniken schaffen eine Vielzahl von Varianten. Jede Scheibe ist einzigartig, wie die Glaserei Späth informiert.
Nach dem Ende der Coburger Ausstellung dürfen die Objekte übrigens in private Gärten umziehen, denn alle stehen zum Verkauf. Auch Auftragsarbeiten sind möglich.


Die Ausstellung Galerie Späth - Detlev Bertram. Glas. Farbe und Licht. Palmenhaus und Rosengarten. Eröffnung am Samstag, 20 August, um 14 Uhr. Bis 3. Oktober, geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr.

Museumsnacht Samstag, 10. September, Live-Musik mit Nick Barton und Video-Installation im Palmenhaus: Die Arbeit der Glasmacher. Wie mundgeblasenes Flachglas entsteht.

Der Künstler Detlev Bertram wurde 1947 in Offenbach geborene und arbeitete nach seinem Studium im Bereich Illustration/ Typographie zunächst in der Werbebranche. 2011 kam er durch eine Ausstellung zum Thema "historische Fenster" in Kontakt mit der Glashütte Lamberts. Fasziniert von den Möglichkeiten, ist er in der Zwischenzeit zum künstlerischen Sprachrohr der Glashütte geworden.
Die Glashütte Lamberts wurde 1934 von Josef Lamberts in Waldsassen (Oberpfalz) eröffnet. Sie ist in Deutschland der einzige und weltweit einer von drei Herstellern von mundgeblasenem Flachglas. Sie wird von Hans Reiner Meindl geleitet.
 In Waldsassen, nahe der damals böhmischen Grenze, siedelten sich 1884 und 1906 zwei Glashütten an, die von den Kaolin- und Kohlevorkommen im Nachbarland, dem Wasservorkommen und den guten Transportbedingungen profitierten. Die Glashütte Lamberts spezialisierte sich auf Antik-, Bunt- und Signalglas. Waren in den Anfängen die Herstellung von Gläsern für Bleiverglasungen im sakralen Bereich bestimmend, so sind inzwischen vielfältige Fertigungstechniken hinzugekommen. Zentral blieb die Herstellung von mund-/handgearbeitetem Glas im Unterschied zur maschinellen Fertigung.