Nein - wie ein großer Sieger tritt Thomas Schreiner angesichts des nahenden Endes für die Pläne, bei Neida einen Verkehrslandeplatz zu bauen, nicht auf. Der Landwirt, einer der Hauptbetroffenen des Luftverkehrsprojektes, ist nach Bekanntwerden der möglichen Kombi-Lösung (Coburg/Bamberg) und Weiterführung des Flugsbetriebs auf der Brandensteinsebene irgendwo im Findungsstadium: "Ich kann alles noch nicht so recht glauben."

Die Schreiners sind aber auch gebrannte Kinder, was den Kampf gegen den Verkehrslandeplatz angeht. Schon vor zwei Jahren, erinnert sich der Landwirte, habe er gedacht, "das Ding sei durch": Damals, 2015, signalisierte das Luftamt Nordbayern der Projektgesellschaft öffentlich, dass sie besser ihren Antrag zum Planfeststellungsverfahren zurückziehen sollte. Weil damals aber nix passierte, ist bei den Schreiners am Montag nach Bekanntwerden der planerischen Neuausrichtung der Sekt erst mal noch im Kühlschrank geblieben. "Aber natürlich haben wir im Kreis der Familie viel darüber gesprochen", erzählt Thomas Schreiner.

Dass ihr der Verkehrslandeplatz die wirtschaftliche Existenz zerstört hätte, hat die Familie Schreiner inzwischen schriftlich. Im derzeit noch laufenden Planfeststellungsverfahren zum Bau eines Flugplatzes bei Neida hat ein neutraler Gutachter im Auftrag des Luftamtes Nordbayern die Auswirkungen auf den Schreiner-Hof geprüft und auf 60 Seiten bestätigt: Der Betrieb wäre bei einem Flugplatz-Neubau nicht mehr existenzfähig. In seiner heutigen Form ist er es absolut, das hat der Gutachter auch geschrieben.


Kein Flugplatz, neue Chancen

Thomas Schreiner will sich gar nicht ausmalen, was ein Verkehrslandeplatz bei Neida für ihn bedeutet hätte. Klar sei: "Sie hätten uns umsiedeln müssen." Ob das sein Hof samt Metzgerei überlebt hätte? Thomas Schreiner zuckt mit den Schultern und verwendet mit Bedacht die Möglichkeitsform: "Wir wären heilfroh, wenn es so käme, wie es jetzt ausschaut." Daneben stehen Sohn Tobias und Freundin Sabrina und nicken heftig. Sie wären die achte Schreiner-Generation auf dem Wiesenfelder Hof und würden in die Zukunft investieren. Die Pläne für den Bau eines dem Tierwohl entsprechenden Schweinestalls liegen in der Schublade, noch bis Ende 2018 gilt eine Zusage für EU-Fördermittel in Höhe von 35 Prozent für den Bau. Möglichst schnell, hofft Thomas Schreiner, müsste deshalb der Flugplatz-Neubau bei Neida vom Tisch sein. Dann könne er loslegen.

Die Schreiners schauen lieber nach vorne, weil der Blick zurück mit vielen unangenehmen Erinnerungen verbunden ist. "Der ganze Streit hat Spuren hinterlassen", sagt Thomas Schreiner und erinnert sich an viele Momente, in denen er sich einfach nur hilflos fühlte. "Die Macht", der er im Kampf gegen das Flugplatzprojekt gegenübergesessen habe, sei manchmal regelrecht erdrückend gewesen. Von den verhärteten Fronten ganz zu schweigen.


Keine Schadenfreude

Eine entscheidende Rolle beim sich immer mehr abzeichnenden Ende der Pläne für Neida will Thomas Schreiner für sich auf keinen Fall reklamieren. "Zu viele Probleme" habe das Verfahren am Ende für den Standort aufgezeigt, da gehe es nicht um Einzelpersonen. "So ein Projekt kann niemand alleine verhindern" - da ist der Landwirt seinen Mitstreitern dankbar. Wenn es denn so käme, verweist Schreiner auf den immer noch unveränderten Stand eines laufenden Planfeststellungsverfahrens. Sollte ihnen ein Brief des Luftamtes "schwarz auf weiß" bestätigen, dass das Verfahren eingestellt ist, dann wollen die Schreiners auch eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank holen und feiern. Ohne Schadenfreude, versichert Thomas Schreiner: "Es wird keine Siegesfeier, sondern eine Freudenfeier."