Der HSC 2000 Coburg ist auf dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte - der Aufstieg in die stärkste Liga der Welt ist greifbar. Doch mitten in die euphorische Saisonphase der 2. Handball-Bundesliga wird es ein Beben bei den Gelben geben!
Nach Tageblatt-Recherchen wird (Noch)-Manager Wolfgang Heyder in den nächsten 24 Stunden offiziell verkünden, dass er am Ende der Saison seine Tätigkeit beim HSC Coburg einstellt.
Das Aus kommt für viele völlig überraschend. Doch hinter den Kulissen rumort es schon lange. Zwischen Heyder und den beiden an der Spitze des Klubs stehenden Männern, Vorstandssprecher Stefan Apfel und GmbH-Geschäftsführer Jochen Knauer, gab es immer wieder unterschiedliche Auffassungen. Unüberbrückbare Differenzen, die jetzt zur Trennung führen.


"Hans Dampf in allen Gassen"

Trotz der galoppierenden Entwicklung mit vielen gelungenen Projekten war das Verhältnis zwischen GmbH-Geschäftsführer Knauer und dem ehrgeizigen Manager nicht das harmonischte. Apfel trat öfters als ihm lieb war als Vermittler auf den Plan, spürte aber schnell, dass auch er mit dem vor gut einem Jahr verpflichteten "Hans Dampf in allen Gassen" nicht immer auf einer Wellenlänge lag. Gut möglich, dass die vielen Aktivitäten des neuen starken HSC-Mannes einigen seiner Mitstreitern auch ein Dorn im Auge waren. Hinter vorgehaltener Hand wurden ihm Alleingänge vorgeworfen. Doch Heyder betonte, dass er jede einzelne Entscheidung, jedes Projekt abgestimmt habe. Diese wurden zwar nicht immer einstimmig, aber im Einvernehmen entschieden. Trotzdem verhärteten sich die Fronten.


Keine Einigung im Februar

Von der bei Heyders Amtsantritt propagierten Absicht, ihn zum neuen Geschäftsführer des HSC 2000 Coburg zu machen, wurde nichts. Obwohl noch bis Mitte Februar sehr intensiv von der Vereinsführung darum geworben wurde, dass der Manager - wie bei dessen Amtsantritt vor fast genau einem Jahr angekündigt - befördert wird, war die Situation verfahren. Heyder lehnte diesen Schritt ab. Dabei ging es ihm nicht um das aktuelle Geschäft, sondern um Strukturfragen. Schließlich wollte er den Verein umstrukturieren, setzte sich aber mit seinen Vorschlägen nicht durch - dazu auch der Beitrag "Hintergrund".


Knauer an der Spitze

Knauer wird also auch in Zukunft das Sagen haben. Der Neustadter ist der einzige Funktionär, der die Entwicklung des HSC von Anfang an mitprägte, alle Höhen erlebte und alle Tiefen überstand. Jetzt wird er mit dem sehr wahrscheinlichen Aufstieg in die 1. Liga auch die Früchte seiner 16-jährigen Arbeit an vorderster Front ernten.
Stefan Apfel prophezeite im Januar, dass Heyder die Nachfolge Knauers antreten werde. Doch der Plan des Vorstandssprechers ging nicht auf. An den Machtverhältnissen wird sich nichts ändern.
An Heyders erfolgreichem Wirken für den HSC gibt es dennoch keine zwei Meinungen. Denn trotz mangelnder Rückendeckung machte er einen professionellen Job.


Professionellen Job gemacht

Seine Erfolgsbilanz, die er in der Tageblatt-Rubrik "Jetzt spricht Heyder" am Wochenende stolz zelebrierte, ist ohne Wenn und Aber beeindruckend. Vor allem die Budgeterhöhung um 700.000 Euro in relativ kurzer Zeit macht ihm in Coburg so schnell niemand nach. Eine Summe, die zu großen Teilen ins künftige Erstliga-Team investiert werden kann.


Mit Ecken und Kanten

Zweifellos ist Heyder ein Manager mit Ecken und Kanten. Er legte sich in seiner Amtszeit mit den Stadtoberen an, nahm nie ein Blatt vor den Mund. Er forderte Professionalität und Siegermentalität. Nicht nur von den Spielern auf der Platte, sondern auch von allen Mitarbeitern im Umfeld. Schnell wehte bei den "Gelben" ein rauher Wind. Heyder legte ein enormes Tempo vor - viele hielten nicht Schritt.
Das 2000-Team für die Saison 2016/17 wird auch Heyders Handschrift tragen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Doch Heyder und HSC ist bald vorbei - Geschichte. Eine Zusammenarbeit über diese erfolgreiche Saison hinaus wird es aller Voraussicht nach nicht geben, da Heyder ein sehr begehrter Sport-Manager ist und über kurz oder lang wieder woanders einsteigen wird.
Nach nur 16 Monaten verlässt Heyder die Vestestädter. Sicher auch mit einem Schuss Wehmut, denn er trat mit der festen Überzeugung an, in die 1. Liga aufzusteigen und beim HSC für Profibedingungen zu sorgen. Das scheint ihm zu gelingen, doch mit den Rahmenbedingungen ist er nicht länger einverstanden. Seine Entscheidung ist konsequent, obwohl es denkbar ist, dass Heyder über die Saison hinaus dem Verein in der Sponsoren-Aquise hilft. Ein entsprechendes Angebot soll es an Knauer und Apfel geben.


Hilfe bei der Sponsoren-Aquise?

Seine Kritiker werden ihm aber keine Träne nachweinen. Im Gegenteil, bei einigen wird sich Erleichterung breit machen. Ob der HSC 2000 Coburg ohne den Top-Manager deshalb in Zukunft wieder zurücksteuert, muss sich zeigen. Der aufstrebende Klub schwimmt jedenfalls seit Monaten auf einer Euphoriewelle, hofft jetzt mit seinen vielen Fans auf das große Abenteuer 1. Bundesliga - auch ohne Wolfgang Heyder.
Zuvor muss der HSC aber einen Orkan überstehen. Denn die Folgen des "Heyder-Bebens" sind bei all den vom Manager angeleierten Projekten, Fusionen und Maßnahmen heute noch nicht absehbar.

Der Hintergrund:


Die GmbH-Struktur

Eine der Kernforderungen von Heyder wurde bisher nicht erfüllt. Der Manager wollte die GmbH-Struktur den Gegebenheiten im Profisport anpassen. Das heißt, der Verein sollte sich auf eine Sperrminorität von 26 Prozent zurückziehen, die restlichen 74 Prozent sollten über eine Kapitalerhöhung von Investoren eingeworben werden.
Ähnliches hatte auch Gründungsgesellschafter Alfred Geyer vor, der einen starken Aufsichtsrat für den HSC forderte und aufgrund der Tatsache, dass er damit scheiterte, sich im letzten Herbst resigniert zurückzog. Seine Anteile von 40 Prozent veräußerte er an die Gesellschaft.


Mehrheit von 60 Prozent

Die Anteile von Geyer wurden an den Neustadter Geschäftsmann Matthias Dietz verkauft. Wesentliche Änderungen sind in der GmbH deshalb nur möglich, wenn Jochen Knauer und Dietz zustimmen. Denn laut Gesellschaftsvertrag ist eine Mehrheit von 60 Prozent erforderlich.
Nach vorliegenden Informationen gab es nach der Übertragung der Anteile zum Bedauern von Heyder keine Gesprächsfortschritte. Und das, obwohl Fachanwälte, die solche Neustrukturierung schon begleitet haben, konsultiert wurden.

Einfache Mehrheit reicht
Die Mehrheitsverhältnisse würden es laut Gesellschaftervertrag zulassen, dass der Verein den Geschäftsführer mit seiner einfachen Mehrheit bestellen und abberufen kann, aber das ist bei den vorhandenen Konstellationen unwahrscheinlich.




Vorerst keine Stellungnahmen - dann Pressemitteilung des HSC

Natürlich haben wir die Beteiligten in der "Heyder-Affäre" um Stellungnahmen gebeten. Doch sowohl HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel, als auch Manager Wolfgang Heyder wollten sich vor dem Frankenderby gegen den HC Erlangen nicht äußern. Am späten Sonntagabend verschickte der Verein dann die nachfolgende Pressemitteilung:

"Im Laufe der aktuellen Planungen für die neue Spielzeit teilte Wolfgang Heyder der Vereinsführung mit, dass er zum Ende der laufenden Saison seine Tätigkeit beim HSC beenden möchte. Gründe hierfür liegen für ihn vorwiegend im persönlichen Bereich, teilweise bestehen jedoch auch unterschiedliche Auffassungen über die künftige Strategie des Vereins.
Beide Seiten bedauern das Ende der Zusammenarbeit, zumal sich der Verein in den letzten zehn Monaten in vielen Bereichen wie Marketing, Jugendleistungssport oder Schulkooperationen nicht zuletzt durch die Impulse Wolfgang Heyders noch besser aufgestellt hat und auch die Profimannschaft in der 2. Liga auf einem sehr guten Weg ist.
"Ich bin dem HSC sehr dankbar, dass er mir sein Vertrauen geschenkt und mir diese anspruchsvolle Aufgabe übertragen hat. Ich sehe noch viel Potential des HSC in der Entwicklung nach oben, aber manchmal gibt es eben Gründe für eine solche Entscheidung", meinte Wolfgang Heyder.
Vorstandssprecher Stefan Apfel: "Wir sind Wolfgang sehr dankbar für alles, was er für den HSC geleistet hat. Er hat uns wichtige Impulse gegeben und uns auf den Weg zu einer größeren Professionalität geführt. Mir ist es wichtig, ihm für seinen Einsatz und seine Ideen zu danken und ich möchte ebenso betonen, dass der eingeschlagene Weg der Professionalisierung auch künftig fortgeführt wird".
Vor allem auch wichtig für die weitere konstruktive Planung war es, jetzt rechtzeitig und offen diese Entscheidung zu kommunizieren. Wolfgang Heyder dazu: "Es ist mir ein Anliegen, mit offenem Visier und klaren Entscheidungen die weitere konstruktive Entwicklung des HSC, auch in personellen Bereichen, für den Rest der Saison und dann auch vielleicht für die 1. Liga positiv voranzubringen". Bis zum Ende der Saison wird Heyder sich noch um die von ihm angeschobenen Projekte und auch das Sponsorenthema mit Neu- und Bestandkunden kümmern, operative und strukturelle Themen wird er nicht mehr betreuen.
Nicht ausgeschlossen ist eine weitere Tätigkeit in beratender Funktion in der kommenden Saison, wie und in welchem Umfang wird in den nächsten Wochen noch festgelegt werden.
Im Punkt Nachfolgeregelung wird es seitens des HSC keine Schnellschüsse geben, betont Stefan Apfel: "Wir werden in Ruhe nach der passenden Lösung suchen."
Nun gelte es laut Apfel, alle Kräfte zu bündeln, um das große Ziel Bundesliga zu erreichen: "Wir haben sportlich eine hervorragende Ausgangsposition und sind auch im Umfeld und in der Geschäftsstelle sehr gut aufgestellt. Wir werden alles in die Waagschale werfen, um unsere Ziele gemeinsam zu erreichen."