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Coburg
Night of Light

Corona-Aktion: Warum in der Nacht mehr als 2000 Gebäude rot angestrahlt wurden - auch in Franken

Die deutsche Veranstaltungswirtschaft steht wegen der Corona-Krise massiv unter Druck. Bundesweit werden am 22. Juni mehr als 2000 Gebäude rot illuminiert - auch die IHK in Coburg.
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Die "Night of Light" ist ein optischer Hilferuf der unter der Corona-Pandemie leidenden Veranstaltungswirtschaft. Foto: Christoph Winter
Die "Night of Light" ist ein optischer Hilferuf der unter der Corona-Pandemie leidenden Veranstaltungswirtschaft. Foto: Christoph Winter

Die Fassade des Palais Edinburg wird am kommenden Montagabend, 22. Juni 2020, rot angestrahlt sein. Mit der Illumination der Industrie- und Handelskammer macht die deutsche Veranstaltungswirtschaft auf ihre erhebliche Existenznot wegen der Corona-Pandemie aufmerksam.

Durch die Auflagen der Behörden zur Eindämmung des Virus SARS-CoV-2 ist nach Darstellung der Initiative für Veranstaltungswirtschaft "einem kompletten Wirtschaftszweig die Arbeitsgrundlage entzogen worden". An mehr als 200 Orten in ganz Deutschland sollen deshalb unter der Überschrift "Night of Light" Konzerthallen, Tagungshotels und Kongresshäuser, Theater, Kinos und Schauspielhäuser mit rotem Licht illuminiert werden - insgesamt sollen es bundesweit mehr als 2000 Gebäude sein. 

"Night of Light": Das steckt hinter der Rotlicht-Aktion am 22. Juni - auch IHK Coburg wird in Szene gesetzt

Mit der symbolischen "Alarmstufe Rot" will die Veranstaltungswirtschaft-Branche auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage infolge der Corona-Krise hinweisen, berichteten die Organisatoren rund um den Betreiber einer Essener Veranstaltungsfirma Tom Koperek am Dienstag in Essen. Die Branche stehe wegen der umfassenden Absage von Veranstaltungen aller Art auf der roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Wirtschaftszweige. Seit Mitte März mache die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Und anders als im produzierenden Gewerbe könnten weggefallene Umsätze nicht mehr nachgeholt werden. "Eine Pleitewelle enormen Ausmaßes droht: mit gravierenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die kulturelle Vielfalt als tragende Säule unserer Gesellschaft", hieß es in einer Pressemitteilung. Die Aktion sei ein "Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft". Die derzeitigen Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen reichten nicht aus.

In Coburg veranstaltet Stefan Schader diese "Night of Light". Er betreibt eine Firma für Veranstaltungstechnik in Coburg und ist von der Corona-Pandemie beruflich wie persönlich betroffen. Am Montag, 22. Juni, werden er und seine Mitarbeiter die IHK Coburg rot in Szene setzen. Aber nicht nur rotes Licht als Appell und Hilferuf an die Politik wird es geben. Stefan Schader zeigt zusammen mit anderen Veranstaltern auch Videoclips vom Sambafestival, von der Museumsnacht und anderen Events aus Coburg und Umgebung. Die Aktion beginnt um 20 Uhr und endet um 23.30 Uhr.

Neben der Firma von Stefan Schader beteiligen sich in Coburg an der "Night of Light" die Konzert-Agentur Friedrich mit einem Videoclip vom Tambacher Sommer, das Coburg Marketing erinnert an den Klößmarkt und die verkaufsoffenen Sonntage, Sambaco wird mit Bildern und einem Video auf das internationale Sambafestival hinweisen, das es in diesem Jahr nicht geben wird. Dabei sind weiter "Leise am Markt", das Domino und der Kunstverein Coburg. Sie alle informieren über ihre Angebote und zeigen, welche Veranstaltungen in diesem Jahr wegen der Pandemie schon ausfallen mussten und auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht veranstaltet werden. Für die "Night of Light", die als Kunstevent gilt, hat das Ordnungsamt keine Auflagen erlassen. "Aber", so Stefan Schader, "es gelten nach wie vor die üblichen Verhaltensregeln wie ein Mindestabstand von 1,50 Metern. Wird es weniger, sind Mund-Nase-Masken Pflicht."

Die Veranstaltungswirtschaft in Deutschland: Rund 1 Million Menschen arbeiten in der Branche

Die Veranstaltungswirtschaft ist einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft und zählt über eine Million Beschäftigte. Es wird ein jährlicher Kernumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro erwirtschaftet. Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als 300.000 Unternehmen mehr als drei Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro. Durch das vorläufige Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August und einen danach noch folgenden Vorlauf zur Planung von Veranstaltungen gibt es einen 80- bis 100-prozentigen Umsatzausfall für mindestens acht Monate.

mit dpa

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