Sven Drühl transformiert. Ganz bewusst und gezielt. Von der gewohnten Landschaftsansicht in eine abstrahierte Ebene, die in ihrer Überrealität umso intensiver, klarer wirkt. Das Matterhorn in lila quellender Wolkendüsternis. Drühl transformiert Bilder der Kunstgeschichte, Caspar David Friedrichs "Eismeer" mit im Untergang gefrorenem Schiff oder Bilder japanischer Künstler, von Toshi Yoshida etwa. Oder auch Architekturfotografien.
Zudem transformiert er Hintergründe von Computerspielen, virtuelle Texturen, in riesige Landschaftsgemälde. Die wirken dann wie unheimliche Ansichten von einem anderen Planeten. Endlos fließende felsige Wüsten, schwarzweiße Blicke in den Abgrund von Lavaströmen.
Und dann lässt sich Drühl noch aufwendig und riskant lange, feine Glasröhren blasen, die er zu Neonleuchtbildern montiert, die Fortsetzung der Malerei mit Licht sozusagen. Dazu braucht er ganz faktisch Transformatoren, für den Strom. Das ist nun fast schon ein Kalau er. Nützt nichts. In der Rotunde des Kunstvereins liegen sieben Travos neben Drühls dort aufgestelltem Leuchtröhrenbild.
Der international renommierte Berliner Künstler und Kunstwissenschaftler nennt das alles "Mash-up", die "nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte", erklärt Wikipedia. Drühl selbst sagt, er sei ein Kind der 90er Jahre, dem Remix der unterschiedlichen (Musik-)Stile ergeben.
Jedenfalls betreibt er dieses Prinzip auch noch in technischer Eigenwilligkeit und Versessenheit, die erst diese überreale Intensität ermöglichen: Seine Gemälde bestehen aus vielen Schichten von Autolack, was nicht gerade die einfachste Art des Malens ist. Immer wieder schleift er an, dann klebt er endlos ab zur Begrenzung von Flächen, wobei dann wiederum tagelang Klebestreifen und -reste entfernt werden müssen. Ölfarbe kommt auch dazu.


Knirschendes Eis

In den Bergbildern konturiert er die Grate, Schnee- und Felsflächen mit Silikonlinien. Am Ende meint man das Eis knirschen zu hören; der Himmel ist drückend nah. Wer schon bergwandern war, spürt das Geröll und Gestein schmerzhaft unter den Füßen, die Unendlichkeit über sich sehr nah.
An anderer Stelle zieht der Blick durch schwarzes Geäst in nächtlichen Himmel; die kahlen Äste gewinnen eine bedrohliche, körperhafte Präsenz. Geradezu unheimlich wirken auch Sven Drühls große kohlschwarze Bilder. Die nur in diesem schwarzen Lack gespachtelten, konturierten Landschaften aber erhalten im Licht und in der Bewegung des Betrachters intensives Leben. - Faszinierend.

Sven Drühl, geboren 1968 in Nassau /Lahn, studierte Kunst und Mathematik in Essen. Seit 1997 hatte er Lehraufträge und hielt Gastvorträge an Hochschulen in Essen, Frankfurt am Main, Dresden und Leipzig. 2011 übernahm er eine Gastprofessur an der Chinesisch-Deutschen Kunstakademie in Hangzhou.
Drühl kann auf zahlreiche Ausstellungen verweisen, in den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Norwegen, China, Korea und der Schweiz. Als Kunstwissenschaftler promovierte er 2005 zum Thema "Der unifomierte Künstler" in Frankfurt. Seit 2000 veröffentlichte er als Gastherausgeber zwölf Bände der Zeitschrift Kunstforum International zu Themen wie Echtzeit, Gewalt, Sport, Transgene Kunst, das Magische oder Neue Abstraktion. wp

Kunstverein Coburg Sven Drühl: Mash-UP. Tafelbilder und Installationen. Eröffnung am Samstag, 16. Juni, um 16 Uhr. Bis 19. August.