• Coburg: Teilabschnitt der Max-Brose-Straße plötzlich bei Google umbenannt
  • Nutzer landeten laut Google Maps in "Oskar-Schindler-Straße"
  • Umbenennung der Straße 2015 wegen Nazi-Vergangenheit des Brose-Gründers umstritten
  • "Äußerst intransparent": Stadt reagiert umgehend - bekommt aber keine Rückmeldung

In Coburg ist es in dieser Woche zu einer kuriosen Namensänderung gekommen. Wie das Stadtmagazin "Coburger" diese Woche vermeldete, hieß ein Teil der Max-Brose-Straße plötzlich "Oskar-Schindler-Straße" - wenn man Google Maps Glauben schenken durfte. Die Straße war 2015 nach langen Debatten mit Zustimmung des Coburger Stadtrats umbenannt worden - was auch überregional für heftige Kritik sorgte. So hatte der Zentralrat der Juden damals bemängelt, dass Max Brose, Großvater des Unternehmers Michael Stoschek, Mitglied der NSDAP war und in seinem Betrieb während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter beschäftigte.

Plötzlich Straßenname in Coburg geändert - wer steckt hinter dem Google-Ärger?

Auch der Komiker und Entertainer Jan Böhmermann greift das Thema seitdem immer wieder in seinen TV-Shows auf. Deshalb griff in Coburg schnell das Gerücht um sich, Böhmermann habe mit der Umbenennung der Straße zu tun. Denn der 41-Jährige ist auch dafür berüchtigt, mit seinem Team selbst satirische Aktionen zu verantworten - und Stoschek hatte seinen Großvater im Rahmen der Debatte mit Oskar Schindler verglichen. Schindler hatte im Zweiten Weltkrieg über 1200 Juden und Jüdinnen vor dem KZ gerettet. Gleichzeitig war er NSDAP-Mitglied und Rüstungsunternehmer.

"Keine Ahnung, wer hinter der Sache steckt und wie das zustande kam", erklärt der Coburger Stadtsprecher Louay Yassin gegenüber inFranken.de. "Google ist höchst intransparent. Nachdem wir davon erfahren haben, hat die Stadt bei Google entsprechende Eingaben in Online-Formulare gemacht. Die kann jeder ausfüllen und angeben, ob es irgendwo einen Fehler gibt." Das sei auch "die Krux an der Sache", so Yassin. Man habe die Änderung "erst gesehen, wenn man sehr nah herangezoomt hat, weil es sich nur um einen Teilbereich von vielleicht 50 Metern gehandelt hat".  Zumindest scheint die Meldung der Stadtverwaltung an den Mega-Konzern etwas gebracht zu haben.

Am Donnerstagvormittag (14. April 2022) hatte die Max-Brose-Straße auf der vollen Länge ihren Google-Namen zurück. Eine Rückmeldung habe die Stadt Coburg aber bis heute nicht bekommen. Zum Hintergrund der Änderung könne die Stadt Coburg weiter nur spekulieren - und hoffen, dass der Name erstmal bleibt, so der Sprecher. Seit März 2021 können Nutzer und Nutzerinnen nämlich selbst neue Straßen einzeichnen, die Namensgebung ändern, Einbahnstraßen vermerken oder falsche Straßenverläufe löschen, wie PC-Welt berichtet. Google gibt zwar an, im Vorfeld alle Änderungen zu überprüfen. Vielleicht hat sich der Konzern hier aber auch auf eine bewusste Vielzahl von Falschmeldungen verlassen. 

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