Ärger im Stadtrat Coburg: Nach der Kritik des Satirikers Jan Böhmermann werden die erhobenen Vorwürfe von zwei Stadträten zurückgewiesen. In seiner ersten Sendung "Neo Magazin Royale" vom 06. November 2020 kritisierte der Moderator die Benennung der Max-Brose-Straße.

Diese ist aus zwei Gründen stark umstritten: Einerseits steht die zweifelhafte Vergangenheit im Raum. Böhmermann wirft dem Unternehmer Michael Stoschek zudem vor, die Stadt für die Umbenennung der Straße finanziell erpresst zu haben. Stoschek ist der Enkel von Max Brose und aktuell Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Firma Brose. Die Debatte ist jedoch nicht neu - bereits im vergangenen Jahr widmete sich eine ARD-Reportage diesem Thema.

Debatte um Familie Stoschek - Straßenbenennung als Knackpunkt

"Wenn es also überhaupt so etwas gibt wie eine 'geheime Elite', dann sind das bei uns in Deutschland nicht 'die Juden', sondern diejenigen, die von der mörderischen Ausbeutung jüdischen Lebens profitiert haben", meint Böhmermann während der Sendung. Dazu zählt er auch Michael Stoschek. Dieser habe großen finanziellen Einfluss auf viele verschiedene Bereiche - "Sport, Soziales, Kultur"-  sodass der Satiriker schlussfolgert: "Ohne Michael Stoschek wäre Coburg sowas wie Dinslaken."

Knackpunkt der Sendung sind anschließend die familiären Verstrickungen. Stoscheks Opa Max Brose war während der NS-Zeit Mitglied der NSDAP und "Wehrwirtschaftsführer". Seinen wirtschaftlichen Erfolg hat er auch angestellten Zwangsarbeitern zu verdanken. Da sein Opa trotzdem einen großen Einfluss auf die weitere Stadtgeschichte hatte, soll Stoschek eine "Max-Brose-Straße" in Coburg gefordert haben. Die Stadt lehnte den Vorschlag jedoch - vorerst - ab.

Als Konsequenz habe Stoschek erklärt, die Stadt künftig nicht mehr finanziell zu unterstützen - was ein herber Verlust für den Haushalt der Stadt bedeuten würde. Böhmermann zufolge erfüllte ihm der Stadtrat Coburg daraufhin schließlich doch seinen Wunsch. Seit 2015 liegt der Hauptsitz der Firma Brose in der Max-Brose-Straße 1. 

Stadträte weisen Vorwürfe zurück

Norbert Tessmer (SPD) - der frühere Oberbürgermeister - und CSU-Stadtrat Hans-Herbert Hartan weisen die Vorwürfe von Böhmermann nun zurück: Aus einem gemeinsamen Schreiben soll hervorgehen, dass die CSU-Fraktion selbst "im Jahr 2004 den Antrag in den Stadtrat eingebracht" habe, berichtet der Bayerische Rundfunk

Die beiden behaupten außerdem, es habe keine Absprache mit der Firma Brose gegeben. Erstmals kam die Debatte einer Straßenbenennung 2004 auf den Tisch. Damals scheiterte der Antrag. Als Tessmer die Diskussion 2015 erneut anregte, sei die Vergangenheit von Max Brose schon vollständig aufgearbeitet gewesen - und dem Antrag wurde zugestimmt.