Coburg
Auftritt

Coburg kriegt den Marsch geblasen

Der Kult-Haufen der Altneihauser Feierwehrkapell'n sorgt für ausverkauftes Haus im Coburger Kongresshaus.
Der Kommandant der Kult-Truppe, Norbert Neugirg (rechts), ist ganz verwirrt: Bin ich hier in Kronach? Ach nein, "Coburg ist die Stadt zum Niederknien". Fotos: Katja Nauer
Der Kommandant der Kult-Truppe, Norbert Neugirg (rechts), ist ganz verwirrt: Bin ich hier in Kronach? Ach nein, "Coburg ist die Stadt zum Niederknien". Fotos: Katja Nauer
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Da steht der da oben auf der Bühne im Kongresshaus der Vestestadt und schwärmt in höchsten Tönen. Ein strammer Bursch ist er ja, der Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell'n, wie er da so vor sich hin schwärmt und sülzt in seiner feschen Uniform. Entzückend, wie entzückt er ist, von der Stadt und dass er "noch nie wo war wo es schöner war". Sie wärme "Herz und Gedärme", die "Stilikone", das Städtlein, dass doch so schön gelegen und wie gemalt sei. Das wärmt das Herz der Coburger Zuschauer an diesem Samstagabend im Kongresshaus, so ein Ruhmesgedicht auf ihre Heimat, von so einem stattlichen Mann.
Doch Stopp, Halt, was, wie? Von wem spricht der Fatzke jetzt da oben, der Geck? Liest der doch von seinen zerknüllten Blättern ab und der Coburger versteht nur noch "Kronach, oberfränkisches Kronjuwel, des Schöpfers Segen - Coburg ist ein Kaff dagegen?". Was faselt der? Coburg sei "so tot wie Suhl" und "Passagiere verlassen den Zug hier nur zum Wasser lassen"? Der spinnt wohl, hat der was verwechselt oder wie? Die restlichen Worte dieses Knilches gehen unter - in gellenden Pfiffen, Gejohle, Gelächter und Buh-Rufen.
Und wie er's endlich merkt, da kriegt er einen Schwitzanfall und greift zum blütenweißen Taschentuch. Ja, ja, jetzt soll er ruhig schwitzen, der Kerl. Ach, Gott sei Dank, die Kehrtwende: "Coburg ist die Stadt zum Niederknien" - jetzt passt es wieder! Da kann sich der Zuschauer beruhigt zurücklehnen in seinem Sitz und der Feierwehrkapell'n lauschen, dem Schneewalzer auf dem Schifferklavier, Harry Belafontes "Banana Boat Song", dreckigem Bläsersound à la Blues Brothers, "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus" und Freddy "Mehr Currys" "We will rock you".


Es riecht nach Bier

Doch denkste! Jetzt hat der da oben doch schon wieder das Wort und das Publikum auf dem Kieker. Es rieche ranzig und nach Bier und irgendwie nach Kläranlage, tönt es vorlaut: "Das sind vermutlich die Personen, die da in der Nähe wohnen."
Ja, wer sich zur Vorstellung der Altneihauser Feierwehrkapell'n und zum Mundwerk des frech-vorwitzigen Kommandanten Norbert Neugirg traut, der darf sich nicht wundern. Am Samstagabend jedenfalls bekamen die Coburger, Kronacher ("Deren Konkurrenzveranstaltung ,Leben und Lachen‘ ist ein Widerspruch an sich.") und sogar die eigene Kapell'n ihr Fett weg.
Seit 1985 gibt es den Haufen, der sich selbst als Neun-Mann-Blähung bezeichnet. Zum mittlerweile zwölften Mal treten sie im Februar im Bayerischen Fernsehen bei der "Fastnacht in Franken" auf. Ihr rebellischer Kommandant nimmt alles und jeden auf die Schippe, Beatrix von Storch von der AfD beispielsweise: "Bei dieser Frau und dem Gesicht, sehnt man sich nach Burka-Pflicht". Azubis warnt er vor der Deutschen Bahn: "Wer mit der Bahn zur Arbeit fährt, wird Rentner, wenn er wiederkehrt." Und der Frankenkrimi hängt ihm zum Halse raus: "In einem Tatort, wo man fränggisch spricht, braucht es eine Leiche nicht."


Keiner wird verschont

Sein ungeschickter Trommler Reinhard Stummreiter muss einiges aushalten, auch durchaus Deftiges, sogar Verwandtschaft in Kronach hat er, der Arme. Seine Feierwehrkapell'n bezeichnet er als "Problemabfälle", die so "heruntergewirtschaftet" seien, dass sie sogar in Coburg auftreten müssten. Die Stücke habe er schon "wesentlich besser" gehört: "Aber nicht von uns". Dem Publikum gefällt das, es klatscht und lacht und johlt, sogar jene "Herren mit eigener Ehefrau an der Backe". Und so geht schließlich ein "zweifelhafter Abend" mit "horrendem Eintrittsgeld" zu Ende. Passt scho!