Ab sofort geht Wolfgang Bauersachs wieder in die Schule. Am Montag hat Weitramsdorfs Bürgermeister (BfB) das Rathaus bereits für die Bürger zugesperrt. Es wird in den kommenden Monaten energetisch saniert. Nach dem letzten "Dienst-Tag" am Montag ruhen bis zum Freitag die Amtsgeschäfte der Gemeindeverwaltung, bis direkt nach Pfingsten dann die ehemalige Weidacher Grundschule als Ausweichquartier funktionsfähig sein soll.

Parallel dazu beginnen in der nächsten Woche die Sanierungsarbeiten.
Lediglich die Mitarbeiter und Beschäftigten der beauftragten Umzugsfirma gingen am Dienstag in dem Gebäude ein und aus, um alles in den Umzugswagen zu verstauen. Seit Tagen haben die Mitarbeiter Karton um Karton mit wichtigen Unterlagen gepackt. 850 Stück kamen zusammen. Musste denn gleich das ganze Rathaus umziehen? "Den Gedanken an eine Sanierung bei laufendem Betrieb haben wir schnell verworfen", berichtet Bauersachs. Als Grund führt er die zu erwartende Belästigung durch Lärm und Staub an.


Die Schule gehört der Kommune

Die Weidacher Schule drängte sich als Übergangsdomizil geradezu auf, stand sie doch seit Sommer 2016 leer, nachdem sie zuvor bereits der Realschule CO II vorübergehend Quartier geboten hatte. Außerdem fallen keine Mietkosten an, da das Interims-Rathaus der Kommune gehört.

Während sich auf den Gängen die Kartons stapeln und die leeren Schränke darauf warten, abgebaut und verstaut zu werden, freut sich Bauersachs über einen aufgeräumten Schreibtisch. "So leer ist er selten", kommentiert er das mit einem Grinsen. Auf jedem Möbelstück prangt ein gelber Aufkleber, der sicherstellen soll, dass es dann in Weidach im richtigen Stockwerk und Zimmer sowie beim richtigen Mitarbeiter landet.


Keine Telefonate mehr

Obwohl alle Türen geöffnet sind, herrscht ungewohnte Stille. Der Grund: Die Telefonanlage ist bereits abgestellt. "Auf dem Festnetz sind wir nicht mehr zu erreichen und auch der Rechner zieht heute um", informiert das Gemeindeoberhaupt. Schon am Montag sind erste vollgepackte Umzugsfahrzeuge gen Weidach gerollt.

Im Interims-Rathaus gab es nicht viel vorzubereiten: "Um keine unnötigen Kosten zu verursachen, haben wir lediglich die Elektrik verstärkt sowie Datenkabel und Telefonleitungen verlegt", berichtet Geschäftsleiter Heiko Geuß. Im Untergeschoss sollen alle, im Erdgeschoss ein Teil der Klassenräume als Büros genutzt werden. Da sich mehrere Mitarbeiter ein Zimmer werden teilen müssen, sind Einbauschränke als Raumteiler vorgesehen. Auch für das Büro des Bürgermeisters und sein Vorzimmer steht nur ein Raum zur Verfügung. Wird es da nicht an der nötigen Vertraulichkeit mangeln? "Falls notwendig, gehen wir in den Intensivraum", sagt Bauersachs. Um einige Räume nicht mehr wie Klassenzimmer aussehen zu lassen, verschwanden Waschbecken hinter Rigipsplatten, etwa im Trauzimmer. Bauersachs: "Wer will sich schon vor der Trauung die Hände waschen?"


Neueste Technik zieht ein

Während sich alle Mitarbeiter der Verwaltung an das Provisorium gewöhnen müssen, zieht in ihr angestammtes Dienstgebäude neueste Technik ein. Vor allem bei der Heizung: Statt auf fossiles Heizöl setzen die Weitramsdorfer zukünftig auf eine Wärmepumpe mit Geothermie, eine umweltfreundliche wie nachhaltige Heizmethode. "Die Erdwärme kommt aus dem ehemaligen Schulgarten", in dem dafür etliche Tiefenbohrungen anstünden, berichtet der Rathauschef. Eingebaut werden eine Heiz-Kühl-Decke, neue Fenster, eine Innendämmung und eine Lüftungsanlage. Verschwinden werden auch der fast 40 Jahre alte Teppichboden und etliche Möbelstücke, die teilweise noch älter sind.

"Gestern bin ich noch einmal in mein altes Zimmer in der Bauverwaltung gegangen, in dem ich die längste Zeit meines Berufslebens verbracht habe", erzählt Bauersachs. Es klingt ein wenig Wehmut mit, aber auch Vorfreude auf die bald verschönerten Räume.

Die Sanierung lassen sich die Weitramsdorfer einiges kosten: Der 90-prozentige Zuschuss aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) des Bundes wird nur für die energetischen Maßnahmen gewährt. Diese 550.000 Euro machen nur gut die Hälfte der rund eine Million teuren Maßnahme aus; den Rest trägt die Kommune. Wie Geuß erläutert, fallen darunter alle Unterhaltungsmaßnahmen, etwa die neuen Beläge und Anstriche. Nur äußerlich wird sich das Rathaus nicht verändern.

Bis Februar 2018, so schätzt der Rathauschef, wird er seine Amtsgeschäfte im Übergangsquartier führen müssen. Bauersachs: "Für alle Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns bereits jetzt und bitten um das Verständnis der Bürger."