Das Corona-Jahr 2020 hat viel bewegt, im Arbeitsleben, in Schulen und in Kindergärten. Vor allem die Digitalisierung bekam einen unerwarteten Schub. Aus Eltern wurden Lehrer, aus Schulen und Kindertagesstätten Orte des Digitalen. Aus dem eigenen Zuhause wurden Homeoffice, Kindertagesstätte und Klassenraum zur gleichen Zeit, mit digitalen Medien als Vehikel für Arbeit und Bildung.

Vor diesem Hintergrund haben die beiden Bad Rodacher Unternehmen Jako-o und Wehrfritz die mittlerweile fünfte Bildungsstudie "Lernen bewegt - Studie zur Zukunft der Bildung 2020 von KiTa bis Schule" in Auftrag gegeben.

Für die Bildungsstudie haben Marktforscher Klaus-Peter Schöppner und sein Institut Mentefactum 305 Lehrer, 306 Kita-Pädagogen und 1255 Eltern zwischen dem 1. Juli und dem 6. August 2020 deutschlandweit nach ihren Einschätzungen befragt: Wie bewerten sie die aktuelle Bildungssituation? Welche Kompetenzen sollten Schüler erwerben? Wie soll die Schule der Zukunft aussehen? "Unsere Studie liefert sehr differenzierte Antworten von Lehrern, Kita-Pädagogen und Eltern auf Fragen zur Zukunft der Bildung," sagt Eike Gerken, Head of Education Business der Haba-Firmenfamilie, die Jako-o und Wehrfritz unter ihrem Dach vereint. "Eine zentrale Erkenntnis aus der Studie ist: Vortragen, zuhören und büffeln reicht nicht mehr." Fast alle Befragten teilen die Einschätzung, dass Schlüsselkompetenzen wie

Kommunikationsfähigkeit, Medien- und Digitalkompetenz und interkulturelle Kompetenz eine große Rolle in der Bewältigung künftiger Herausforderungen spielen.

Was zu kurz kommt

Danach gefragt, was ihnen in der aktuellen Bildungssituation an ihren Schulen zu kurz kommt, gaben jeweils rund die Hälfte der Eltern und Lehrer Kenntnisse in den Bereichen Gesundheit und Ernährung sowie Computer und Internet an. Während Lehrer darüber hinaus vor allem das Fehlen von Berufsorientierung und künstlerischen Aktivitäten bemängeln, stehen bei den Eltern die Defizite im Bereich wirtschaftliches Handeln und Denken mit über 60 Prozent an erster Stelle.

Eltern, Lehrer und Kita-Pädagogen empfinden alle gemeinsam ein hohes persönliches Verantwortungsbewusstsein für die Bildung der Kinder. Dabei sehen sich Eltern und Kita-Pädagogen umfassender verantwortlich, während Lehrer eher auf schulische Disziplinen wie Sprache, Lernbereitschaft und Lesen/Schreiben/Rechnen fokussieren. So fühlt sich jeder dritte Lehrer nicht für Sozialverhalten und Wertebildung zuständig. Alle Bildungsvermittler sind sich einig, dass Kinder in einer sich wandelnden Welt neben

purem Wissen auch eine Reihe von Schlüsselkompetenzen brauchen, um die beruflichen

Herausforderungen meistern zu können. Fast alle Kita-Pädagogen und Eltern erachten Demokratieverständnis, interkulturelle Akzeptanz, eine offene und wertschätzende Haltung, Anpassungsfähigkeit an sich verändernde äußere Rahmenbedingungen sowie verantwortungsvolles Handeln als wichtig. Demgegenüber sind aus Lehrersicht insgesamt weniger Kompetenzen wichtig. So sehen

vor allem nur etwa 70 Prozent von ihnen Demokratieverständnis und Anpassungsfähigkeit als relevant an.

Schlüsselkompetenzen

Auch bei der Frage nach Bedingungen, um künftige berufliche Herausforderungen meistern zu können, stufen Eltern und KiTa-Pädagogen im Schnitt 17 der vorgegebenen 18 Fähigkeiten als Schlüsselkompetenzen ein, Lehrer nur 15,5. Hierbei werden unter anderem auch eher zukunftsorientierten Bereiche wie globales Denken, Flexibilität, Nutzen von Wissen/Informationen, Problemlösefähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Computer-/ Internetfähigkeiten von Lehrern deutlich weniger häufig angegeben als von Eltern.

Wie beurteilt Stephan Wassmuth, ehemaliger Vorsitzender des Bundeselternrats (BER), die Ergebnisse? "Besonders aufhorchen lassen haben uns die Themen, die schon lange auf der Agenda stehen, zum Beispiel wirtschaftliches Denken und Handeln. Dieser Bereich kommt in der Schule leider immer noch zu kurz."

Gerade die teilweise unterschiedlichen Ansichten der Eltern und der Lehrer dazu, was in der Schule zu kurz kommt, verdeutliche einmal mehr, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit aller Bildungspartner sei, bei der die gegenseitigen Erwartungen kontinuierlich und partnerschaftlich kommuniziert werden. Schule brauche eine fortlaufend wachsende, gelebte Feedback-Kultur, die spiegelt, was und wie etwas ankommt.

Lehrpläne überfrachtet

"Schule muss sich endlich neu aufstellen und neu organisieren - eine längst überfällige Forderung, die seit Jahrzehnten laut erklingt. Unsere Kinder müssen Kompetenzen erlangen, um gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen erfolgreich zu begegnen. Der zu starre schulische Aufbau, mit seinen überfrachteten und überholten Rahmenlehrplänen, wie ihn die vergangenen und gegenwärtigen Generationen kennen, passt nicht zu den Fragen und Problemen, mit denen unsere Kinder sich heute und in Zukunft auseinandersetzen müssen", fordert Wassmuth.