Frag Klaus Wechsler nach seinen Pilzen und es eröffnet sich eine unbekannte Welt voller Leidenschaft. 30 Jahre lang beschäftigt sich der Modellbauer mit dem Farb- und Formenreichtum dieser vielfältigen Lebewesen. "Um die Menschen für den Naturschutz zu gewinnen, musst Du sie begeistern und faszinieren", sagt der Hobby-Mykologe. Er möchte beim Besucher der Sonderausstellung "Pilze - Netzwerker der Natur" den Blick fürs Detail schärfen, für die Schönheit der Natur.

Auf Details achten

Ob der schwarze Rand an den mikroskopisch kleinen Köpfen, die Härchen am Stiel, der Fingerabdruck am Schwamm, das voluminöse Wachstum, die Symbiose zwischen Baum und Pilz - Klaus Wechsler kann nicht genug erzählen und weiß mehr als manch anerkannter Pilzforscher. 900 Modelle - ein Bruchteil seiner Sammlung - werden ab Sonntag im Naturkundemuseum zu sehen sein.
Zusammen mit seiner Frau - "wir sind ein eingespieltes Team" - experimentiert Wechsler seit vielen Jahren mit verschiedenen Materialien, um Pilze zu konservieren. Und so wird's gemacht: Am Fundtag des Pilzes erfolgt eine möglichst genaue Farbbestimmung anhand von Farbtafeln. Vom Frischpilz wird dann eine Silikon-Kautschukform hergestellt. Die Negativform wird mit einem Epoxidharz ausgegossen.
Für den Abguss wird das Harz entsprechend der individuellen Grundfärbung des Pilzkörpers eingefärbt - von transparent über milchig, milchig-weiß bis hin zu weiß. Für die Positivabgüsse wird ein patentiertes Rotationsgussverfahren verwendet. Mithilfe dieser Ausgusstechnik lassen sich Strukturen von bis zu fünf Tausendstel Millimeter darstellen. Die Farben werden in Lasurtechnik mit 10 bis 30 dünnen Farbschichten aufgetragen. Abschließend erhalten die Modelle einen UV-Schutzlack und werden auf schlichte Postamente gestellt, um sie in Ausstellungen individuell im natürlichen Biotop zu zeigen. 150 verschiedene Arten werden in Coburg zu sehen sein.
Carsten Ritzau ist begeistert. Der Museumsleiter kennt das Ehepaar Wechsler schon seit 15 Jahren und freut sich, die Ausstellung bis 21. Februar 2016 präsentieren zu können. In 15 Vitrinen werden verschiedene Lebensräume nachgebildet und die ökologischn Verhältnisse jedes Systems erklärt. Der Besucher sieht sofort, welcher Pilz genießbar und welcher giftig ist.
Die Pilze stammen vorwiegend aus Deutschland, alle wurden in Europa gefunden - manchmal sogar in einer Mülltonne vorm Haus, wie die beeindruckende Schleierdame, über die Klaus Wechsler schöne Geschichten erzählen kann.

Hereinspaziert
Sonderausstelung


"Pilze - Netzwerker der Natur", Naturkundemuseum Coburg, von 19. Juli bis 21. Februar, täglich von 9 bis 17 Uhr.

3./4. Oktober Frischpilzausstellung. Mitgebrachte Pilze werden vom Fachmann bestimmt.

8. November Tag der offenen Tür mit einem Vortrag des Naturfilmers Karlheinz Baumann, 15 Uhr.