Coburg
Corona-Proteste

750 Menschen "spazieren" durch Coburg: Verschärfte Regeln am Montag?

Kommen Maskenpflicht, Lautsprecher- und Hundeverbot? Die Stadt Coburg diskutiert diese Woche neue Spielregeln für die Montags-Proteste.
Die Polizei bat per Durchsage, die Verantwortlichen mögen sich zu erkennen geben, wurde jedoch nur ausgebuht.
Die Polizei bat per Durchsage, die Verantwortlichen mögen sich zu erkennen geben, wurde jedoch nur ausgebuht. Foto: Fotos: Oliver Schmidt/Sandra Hackenberg

Mal wieder Montag, mal wieder kurz nach 18 Uhr: Der Weihnachtsbaum liegt abgeschmückt in einem großen Container; nicht weniger als elf Polizeifahrzeuge haben rund um den Marktplatz Position gezogen, hier und da stehen einzelne Personen und lose Menschengrüppchen - aber wo sind denn die "Spaziergänger"?

Wenige Minuten nach 18 Uhr füllt sich der Marktplatz wie auf Knopfdruck, aus den Nebengassen gesellen sich weitere Teilnehmer hinzu. Waren es eben noch kaum 250, dürften es plötzlich gut 400 sein.

Die Lage ist ruhig, da erklingt aus einer Lautsprecherbox, wie bereits in den Vorwochen, das Lied "Freiheit" von Marius Müller Westernhagen. Ein Polizeibeamter greift zum Megafon und macht eine Durchsage: Die Verantwortlichen der unangemeldeten Versammlung mögen bitte zu ihm kommen. Als er diesen Aufruf wiederholt, ist der schon kaum noch zu hören: Die Menge buht und pfeift - und setzt sich dann in Bewegung in Richtung Spitalgasse.

Ein Polizist ruft noch "Lasst sie da nicht durchlaufen!", da ist es aber bereits zu spät, die Menschenmenge verschwindet durch die Spitalgasse in Richtung Steinweg, vorbei an verdutzten Passanten, die kurz vor Ladenschluss noch ein paar Einkäufe erledigen.

Über zwei Kilometer lang spazieren hunderte Coronamaßnahmen-Gegner durch die Innenstadt, kreuzen mehrmals den Straßenverkehr. Die Polizei läuft mit, versucht, den "Spaziergang" so gut es geht abzusichern. Das gestaltet sich jedoch schwierig: Zeitweise, so schätzt Polizei-Pressesprecher Stefan Probst, nehmen bis zu 750 Menschen an dem "Spaziergang" teil. Und der ist einmal mehr nicht angemeldet.

"Von unserer Seite aus wäre es wünschenswert, dass sich ein Versammlungsleiter zu erkennen gibt", macht Probst einmal mehr deutlich. Dann wüsste man zumindest die Laufwege und könnte zum Wohle der sich bewegenden Versammlung Verkehrssperren errichten. Denn dass es sich bei den "Spaziergängen" um eine Versammlung handelt, steht für die Polizei außer Frage. "Das wollten wir den Anwesenden mit der Durchsage noch einmal verdeutlichen, dass das eben kein ,Spaziergang' ist, wo sich hunderte Menschen zufällig mit Kerzen treffen, sondern definitiv eine nicht angemeldete Versammlung."

Nicht nur die Polizei und Staatsschutz, auch das Ordnungsamt beobachtet die Montagsspaziergänger genau. Und die Stadt beschäftigt sich nach vergangenem Montag intensiv mit der Frage, wann das Maß voll ist: "Uns erreichen inzwischen viele Fragen von Bürgern, die sich wundern, warum sich Montag für Montag hunderte Leute auf engem Raum ohne Masken versammeln dürfen, durch die Gegend marschieren und sich vielleicht noch gegenseitig anstecken", berichtet Stadt-Sprecher Louay Yassin.

Polizei erntet Hohn und Pfiffe

In anderen Städten, beispielsweise Bamberg, werden die Montags-Demonstrationen inzwischen angemeldet. "Wenn unsere Polizei in Coburg fordert, dass sich die Verantwortlichen zu erkennen geben sollen, erntet sie nur Hohn, Gelächter und Pfiffe."

Darum will Oberbürgermeister Dominik Sauerteig gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates über die Möglichkeiten einer Allgemeinverfügung beraten. Ziel sei es nach wie vor, deeskalierend auf die Demonstranten einzuwirken. Lange nicht jeder, der an so einem "Spaziergang" teilnimmt, sei kriminell. Allerdings, betont Yassin, müssten auch die Interessen der breiten Stadtbevölkerung gewahrt werden, die sich hat impfen lassen und die Maßnahmen der Regierung mitträgt.

Sollte die Allgemeinverfügung tatsächlich kommen, könnte die Stadt als Kommune Spielregeln für die unangemeldeten Versammlungen erlassen oder, falls notwendig, sie an bestimmten Orten wie dem Marktplatz, komplett verbieten. Die Coburger Polizei würde gerne das Mitführen von Hunden bei den "Spaziergängen" unterbinden, nachdem am Montag jemand einen Dobermann dabei hatte. Außerdem möchte die Sicherheitsbehörde mobile Lautsprecherboxen bei den Veranstaltungen untersagen. In Bamberg hat die Stadt für die Demos eine Maskenpflicht erlassen, nachdem "der Mindestabstand bei Demonstrationszügen nicht immer ausreichend umgesetzt werden konnte".

So könnten am kommenden Montag für die "Spaziergänger" in Coburg neue Regeln gelten. Und Marius Müller Westernhagen bliebe stumm. Ob sie pfeifen, buhen oder nicht.