"Wir dürfen nichts sagen. Wir wissen ja auch gar nichts. Das ist eigentlich das Schlimmste". Die Mitarbeiterinnen der Textilkette NKD, unter ihnen auch Helga (Name von der Redaktion geändert), wissen noch nicht, wie es mit "ihren" jeweiligen Filialen weitergeht. Derzeit wird immer noch verhandelt. Mitte der Woche ist allerdings langsam durchgesickert: Es wird Filialschließungen geben. "Erst wird aufgemacht, dann gleich wieder zu? Das versteht doch kein Mensch!", sagt Helga.

Die Firma hat es trotz mehrerer Tage Geduld nicht geschafft, eine Verkäuferin zu benennen, die sich offiziell gegenüber der Zeitung äußern darf und möchte. Auch ein Betriebsrat ist binnen mehrerer Tage nicht zu einem Statement bereit. "Urlaub" heißt die offizielle Begründung. Unternehmenssprecher Jörg Roßberg kann die Aufregung der letzten Wochen nicht ganz verstehen.
"Es ist normales Tagesgeschäft, dass Filialen eröffnen und andere geschlossen werden."

Im letzten Jahr hatte es die damalige Unternehmensführung bei der Expansion etwas zu gut gemeint. Die Analyse des Interims-Managements von Ziems und Partner hat jetzt ergeben, dass das Filialnetz dreimal so schnell wie üblich ausgebaut worden ist. Nun wird der Gegenkurs eingeschlagen. Man wolle sich nach den Management- und Strategiefehlern der jüngsten Vergangenheit künftig wieder auf die Kernkompetenzen fokussieren, heißt es aus der Geschäftsführung. Das heißt: Das Unternehmen muss verschlankt werden. Unprofitable Filialen müssen geschlossen und personelle Überkapazität abgebaut werden. In der Zentrale in Bindlach werden dazu 93 der 545 Stellen wegfallen.

Einzelne Läden auf dem Prüfstand

Auch in den Filialen wird es wohl zu Entlassungen kommen. Schließlich sollen die einzelnen Läden auf den Prüfstand gestellt werden. "Von Filialen, die langfristig nicht in der Lage sind, ihren Deckungsbeitrag zu erwirtschaften, werden wir uns trennen müssen", so das Management. Aus wirtschaftlicher Sicht vielleicht nachvollziehbar.

Für die Verkäuferinnen vor Ort aber ein herber Schlag. Wie viele Filialen tatsächlich geschlossen werden müssen und welche das sind, das ist unterdessen noch völlig unklar. Unternehmenssprecher Roßberg sichert allerdings zu, dass es nicht "über Gebühr" viele sein werden. Zahlen kann er allerdings nicht nennen. Er beruhigt: Es gebe 1400 Filialen in Deutschland, wenn davon ein paar geschlossen würden, die sich nicht mehr rechneten, dann sei das kein Grund zur Panik.

Doch die Schließung unprofitabler Filialen soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es soll auch positive Aspekte der Umstrukturierung geben. Geplant ist eine Neupositionierung des Unternehmens und damit verbunden eine konsequente Ausrichtung auf die Zielgruppe. Um ein positives Einkaufserlebnis zu schaffen, soll das Filialnetz modernisiert werden. 25 Millionen Euro nimmt das Unternehmen dafür in die Hand. Ab 2015 sollen dann auch wieder neue Filialen eröffnet werden - dann hoffentlich langsamer und nachhaltiger als beim letzten Mal.

Suche nach Käufer geht weiter

Der geplante Verkauf von NKD ist von den Umstrukturierungsmaßnahmen nicht tangiert. Es gebe Gespräche mit verschiedenen Interessenten, so Roßberg, konkrete Namen könnten allerdings noch nicht genannt werden.