Hightech-Produkte müssen nicht immer aus dem legendären Silicon Valley oder Asien kommen. Nein, auch Oberfranken und seine Unternehmen überraschen die Geschäftswelt mit bahnbrechenden Innovationen, die unser Leben verändern.

Der Elektroingenieur Werner Zahn ist so ein findiger Tüftler, der vor 26 Jahren mit einer Idee den Grundstock für seine Firma Desko legte. Der 60-Jährige erinnert sich zurück: "Damals gab es vor allem bei Banken getrennte Geräte, die Magnetstreifenkarten auslesen konnten. Doch das war umständlich und auf den Schreibtischen gab es zu wenig Platz, denn der PC war schließlich auch noch da." Zahns Geistesblitz war es, eine Computer-Tastatur zu entwickeln, die auch mit Hilfe eines eingebauten Lesegeräts, Magnetstreifenkarten bearbeiten konnte.

Zahn war so von seiner Entwicklung überzeugt, dass er seinen Job bei einem Tastaturhersteller kündigte und sich mit einem Geschäftspartner selbstständig machte. Desko nannte er das Unternehmen, das seinen Sitz in Bayreuth hat.

"Meine neuartige Tastatur überzeugte Geldhäuser und auch Fluglinien sofort." Nun konnten Flugtickets oder eben Kontounterlagen einfacher bearbeitet werden.

Wie kommt man auf eine solche Innovation? "Das ist immer auch eine Kombination aus bereits vorhandenen Entwicklungen. Am besten ist sie so gut gemacht, dass jeder sich fragt, warum man nicht selbst darauf gekommen ist", betont Zahn.


Positive Entwicklung

Mittlerweile beschäftigt Desko 50 Mitarbeiter. Tendenz steigend. Derzeit wird am Hauptsitz für 3,5 Millionen Euro neu gebaut und Platz für bis zu 60 Beschäftigte geschaffen. Denn in den vergangenen Jahren hat Desko unter der Führung von Zahn und dessen Sohn Alexander das Portfolio seiner Produkte erweitert. Seit der Einführung der sogenannten Barcodes Ende der 90-er Jahre bietet das Unternehmen Scanner an, die mittlerweile auf vielen Flughäfen in aller Welt Tickets lesen.

"Über 90 Prozent all unserer Produkte oder Geschäfte wickeln wir mittlerweile im Ausland ab", betont Jennifer Müller, Pressesprecherin von Desko. Zirka zwölf Millionen Euro Umsatz macht der Betrieb und will weiter wachsen.

Grund: Das Geschäft rund um die Sicherheit von Tickets oder Ausweisen ist sehr gefragt. Die Scanner etwa entwickeln die Experten von Desko in Eigenregie, gebaut werden die Geräte dann von einem Ableger des einstigen Grundig-Konzerns. Mit Hilfe spezieller Software können die Desko-Geräte zweifelsfrei in Sekunden feststellen, ob ein Reisepass gefälscht ist. "Das geht viel schneller, als es ein Mensch kann. Zudem liegt die Fehlerquote viel niedriger", fügt Müller an. In Deutschland stößt diese Technologie allerdings noch an ihre Grenzen. Strenge Datenschutzauflagen erschweren nämlich den Einsatz eines automatischen Prüfsystems im kommerziellen Markt.

Banken etwa fertigen bei einer Kontoeröffnung eine Kopie des Ausweises an und legen diese ab. Würden die Dokumente hingegen gescannt und abgespeichert, dann bewegen sich die Geldhäuser derzeit noch in einer rechtlichen Grauzone.

Unabhängig von den Passkontrollen sind auch kommerzielle Veranstalter interessiert an Innovationen des Bayreuther Unternehmens. So geht der Trend dahin, dass auch Tickets immer öfters mit einem Barcode versehen sind und Konzert-Besucher dadurch besser zu kontrollieren sind. Sogar Sportevents sollen so sicherer gemacht werden, in dem Chaoten dank personalisierter Zugangskarten abgeschreckt werden könnten.

"Unsere größte Herausforderung ist, den Markt und seine Bedürfnisse im Blick zu behalten. Wir müssen immer auch neue Trends aufspüren und sie schneller als Großkonzerne umsetzen", sagt Werner Zahn.

So habe ein Kreuzfahrt-Veranstalter den Wunsch geäußert, dass Scanner etwa nicht mit den PCs verbunden sein sollten, sondern via WLAN direkt mit den Server Daten austauschen. "Das haben wir sofort an unsere Entwickler weiter gegeben und diesen Wunsch umgesetzt", fügt Zahn an.


Zauberformel "Made in Germany"

Er und sein Sohn setzen auf ihren Hauptsitz in Bayreuth, obwohl die meisten Geschäftspartner zunächst wenig Ahnung haben, wo die Stadt in Deutschland eigentlich liegt. "Die meisten kennen dafür aber Bayern oder haben davon gehört", so Alexander Zahn. Der Vorteil ihres Firmensitzes liege in der Zauberformel "Made in Germany", so die beiden geschäftsführenden Gesellschafter im Gespräch mit dieser Zeitung: "Das kommt immer sehr gut an - vor allem in Asien", so Werner Zahn.

Wo aber wird die Entwicklung in Sachen Ausweise und deren Sicherheit uns noch hin führen? Kommen die berüchtigten Chips, die Menschen implantiert werden, um so deren Herkunft einwandfrei überprüfen zu können? Werner Zahn schmunzelt: "Das wird noch lange dauern, wenn so etwas überhaupt kommt. Ich bin mir jedoch sicher, dass biometrische Daten in Pässen an Bedeutung gewinnen werden, um die Dokumente fälschungssicherer zu machen."

Das weltweite Wachstumspotenzial ist damit wohl vorhanden. Damit soll auch das Personal in den nächsten fünf bis zehn Jahren um knapp 50 Prozent aufgestockt werden. Das neueste Produkt ist eine wasser- und staubabweisende Tastatur, mit der Pässe, Vielfliegerkarten oder Kreditkarten ausgelesen werden können. Die Neuentwicklung für Flughäfen und Fluglinien wurde vergangenes Jahr auf einer Fachmesse in Köln vorgestellt. Der erste Auftrag lies dann nicht lange auf sich warten. Die ersten 500 Geräte dieser besonders robusten Tastatur gingen nach Indien.

Am nächsten Freitag besuchen wir die Firma Heinz Glas in Kleintettau.