"Dorfwirtshaus mitten in der Stadt": Wirt muss nach 40 Jahren Abschied nehmen

1 Min

In Oberfranken schließt ein Lokal nach mehr als vier Jahrzehnten seine Pforten. Der Wirt erklärt gegenüber inFranken.de, warum er aufhört und wie es für ihn weitergeht.

Das Aus für die Kult-Kneipe in Bayreuth ist besiegelt: Arnold Kiesl wird sein Plectrum zum 31. Juli schließen. "Gesundheit geht halt doch vor", sagt der langjährige Wirt gegenüber inFranken.de. Eigentlich habe er erst im kommenden Jahr aufhören wollen - doch eine schwere Erkrankung zwang ihn zum vorzeitigen Schritt. Anfang Mai hatte eine verschleppte Lungenentzündung den 67-Jährigen außer Gefecht gesetzt. Drei Wochen verbrachte er im Krankenhaus, lag sogar mehrere Tage im künstlichen Koma.

Mit der Schließung endet seine 40-jährige Geschichte als Betreiber der Bar. Seit 1986 habe er nahezu täglich in der Küche des Plectrums, berichtet der Gastronom. Wegen seiner günstigen Preise und seiner besonderen Atmosphäre habe das Lokal als Institution gegolten. "Es ist halt ein Dorfwirtshaus mitten in der Stadt", konstatiert der Wirt. Viele Gäste seien über die Jahre zu Freunden geworden. Das einfache Konzept ohne Schnickschnack sei angekommen: keine Modernisierung, kein WLAN. "Das brauchen die Leute doch nicht", sagt Kiesl.

Ende einer Ära: Plektrum in Bayreuth öffnet im Juli zum allerletzten Mal - Abschied von Stammgästen

Bevor endgültig Schluss ist, wird das Plectrum noch einmal öffnen: vom 20. bis 31. Juli. Einen großen Abschied plant Kiesl jedoch nicht. "Ich will mich von den Stammgästen verabschieden." Ein Grund für die Wiedereröffnung ist auch pragmatisch: "Ich habe ja noch einiges in der Gefriertruhe. Das soll raus - und es wäre schade um das gute Bier." Auf der Speisekarte werde es "das Gleiche geben wie immer". Eine Feier im großen Stil ist nicht geplant. "Ich will mich einfach von den Stammgästen verabschieden, die wären sonst sehr enttäuscht."

Stattdessen möchte Kiesl im kleinen Kreis mit seinen langjährigen Mitarbeitenden zusammenkommen: "Meine Bedienungen haben teilweise viele Jahre im Plectrum gearbeitet, mit denen werde ich noch mal essen - aber daheim." Für die Beschäftigten geht es unterschiedlich weiter: Zwei Bedienungen haben bereits neue Stellen in anderen Gaststätten gefunden, andere wollen sich erst im Herbst neu orientieren.

Kiesl wird im Oktober 68 Jahre alt und möchte künftig kürzertreten. Zwölf-Stunden-Tage in der Küche sollen der Vergangenheit angehören. "Ab einem gewissen Alter hat man dann doch mal Ruhe verdient." Stattdessen plant er, Dinge nachzuholen, die lange zu kurz gekommen sind: Zeit mit Freunden, Schafkopf-Runden und - wenn es die Gesundheit wieder zulässt - Besuche in der Therme. Auch einem alten Hobby möchte er sich wieder widmen: "Pilze suchen."

In Franken gibt es derweil viele urige Bars und Lokale: Diese 5 Kneipen sind die Favoriten unserer Leser, wie eine entsprechende inFranken.de-Umfrage ergeben hat. 

Vorschaubild: © KI-generiertes Symbolbild / Gemini