Nach dem Unfall-Tod ihres Vaters, einem Lkw-Fan, machen drei Geschwister aus dem Kreis Coburg eine unerwartete Entdeckung. Nun sollen Kinder von ihr profitieren.
Wer in diesen Tagen durch die Stadtbücherei in Rödental läuft, der stolpert womöglich über eine ungewöhnliche Kiste: "Zu verschenken" prangt in großen Lettern darauf. Was drin ist? Zahlreiche bunte und teilweise noch originalverpackte Spielzeug-Lkws. Was steckt dahinter?
Initiator der Aktion ist der Rödentaler Manuel Baumann. Die Lkws stammen aus der Sammlung seines Vaters, der vor Kurzem an den Folgen eines Unfalls gestorben ist. "Wir sind gerade dabei, das Haus auszuräumen", berichtet Baumann gegenüber inFranken.de. Dabei haben er und seine Geschwister die Lkws entdeckt. Dass ihr Vater Fahrzeuge gesammelt hat, das wussten sie, sagt Manuel Baumann. Das Ausmaß sei ihm aber nicht bewusst gewesen.
Sohn findet 1200 Modell-Lkws - und will "Kindern Lächeln ins Gesicht zaubern"
"Es waren bestimmt 15 Kartons voll. Wir haben 1200 Lkws gezählt." Zum Teil noch in ihre Originalverpackung eingeschweißt. "Was willst du mit über 1000 LKWs?", fragt Baumann. Er habe einige an seine Kinder gegeben und auch der Nachwuchs sämtlicher Arbeitskollegen wurde bereits versorgt. "Wir haben immer noch einen ganzen Schwung voll." Was tun damit? "Meine Frau hatte dann die Idee, die LKWs an die Kinder in der Stadtbücherei zu verschenken", erklärt Manuel Baumann. Verkaufen wolle er das Spielzeug nicht. "Es geht uns nicht ums Geld. Uns geht es darum, den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern."
Gesagt, getan. Seit Dienstag (7. Juli 2026) warten einige der Lkws in der Stadtbücherei auf neue Besitzer. Die Aktion scheint gut anzukommen. Baumann berichtet, dass er immer wieder Kinder sehe, die sich Fahrzeuge aus der Kiste nähmen. "Wir freuen uns tierisch", sagt er. Sein Vater, Burkhard Baumann, sei ein waschechter Lkw-Fan gewesen. Der Mann, der beruflich selbst Jahrzehnte als Fahrer tätig war, sei in Rödental auch unter dem Spitznamen "der 40-Tonner" bekannt gewesen. "Er hat sich abends auf den Markt gesetzt und Zeitung gelesen. So hat ihn jeder gekannt." Neben seiner 1200-teiligen Sammlung, habe Burkhard Baumann auch eigene Miniatur-Lastwagen bis ins kleinste Detail nachgebaut.
"Ich erinnere mich daran, wie er abends mit seinem Kleber dagesessen und Modell-Lkws gebaut hat", erzählt Manuel Baumann. Was sein Vater wohl dazu sagen würde, wenn er die Aktion seines Sohnes heute sehen würde? "Wenn ich ehrlich bin: Ich glaube, er würde mich verdreschen", antwortet der 35-Jährige. "Die Lkws waren sein Leben." Ungefähr seit Mitte der 70er habe Burkhard Baumann die Modellfahrzeuge gesammelt, vermutet er. Am 1. Mai dieses Jahres hat "der 40-Tonner" dann einen Unfall erlitten - und ist eineinhalb Monate später verstorben. Er hinterlässt drei Kinder und insgesamt sechs Enkelkinder. Und die riesige Sammlung. "Ich habe der Stadtbücherei gesagt, sie sollen Bescheid geben, wenn der Karton leer ist", sagt Manuel Baumann. "Ich fülle den dann wieder auf. Wir haben noch genug."