• Bayreuth: Unternehmens-Umfrage der IHK zu Ukraine-Krieg liefert Schreck-Ergebnis
  • 63 Prozent geben Störungen in den Lieferketten und der Logistik an
  • "Erhebliche Auswirkungen": Energiepreise lassen Firmen Alarm schlagen 
  • "Dramatik der Lage": Das fordert die Handelskammer jetzt von der Bundesregierung 

Zwar sei die Zahl der bei der IHK für Oberfranken Bayreuth gemeldeten Unternehmen mit Wirtschaftskontakten nach Russland mit etwa 200 "überschaubar", heißt es in einem alarmierenden Statement der Handelskammer. Doch seien die Auswirkungen von Krieg und Wirtschaftssanktionen "längst flächendeckend und branchenübergreifend zu spüren". Am stärksten betreffe dies die Industrie, aber auch den Großhandel, heißt es. Von "erheblichen Auswirkungen" auf die Unternehmen ist die Rede. 

Ein Drittel der Industrie-Firmen in Oberfranken schließt Produktionsstopp nicht aus 

Direkt betroffen vom Krieg mit der Ukraine oder den Sanktionen gegen Russland und Weißrussland seien laut IHK-Blitzumfrage 13 Prozent der befragten Unternehmen. Hinzu kämen weitere 68 Prozent, die indirekt betroffen seien. Die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten bereiteten den Unternehmen Kopfzerbrechen, ebenso wie die Preisentwicklung für Rohstoffe und Vorleistungen. 63 Prozent der Befragten gaben demnach außerdem Störungen in den Lieferketten und der Logistik an, 46 Prozent sogar das komplette Fehlen von Rohstoffen und Vorleistungen.

Hinzu kämen 29 Prozent, die entweder schon Geschäftspartner verloren hätten oder mit einem solchen Verlust rechneten. 36 Prozent der befragten Industrieunternehmen schließen der IHK zufolge sogar einen Produktionsstopp nicht aus. Drei von vier Unternehmen wollen demnach ihre gestiegenen Kosten über Preissteigerungen auffangen, falls diese auf dem Markt durchsetzbar seien. Das sei "ein spürbar höherer Anteil als im bundesweiten Vergleich", heißt es.

"Leider wird aktuell in jedem vierten Unternehmen auch über Personalanpassungen nachgedacht. Wenn man sich vor Augen hält, dass unsere Mitgliedsunternehmen im Januar noch verzweifelt nach Fachkräften gesucht haben, verdeutlicht das die Dramatik der Lage wohl am besten", wird , IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner zitiert. "Kurzfristige Entlastungen der Unternehmer und der Verbraucher sind deshalb das Gebot der Stunde", so ihre Forderung an die Politik.

"Transport einfach nicht mehr durchführbar": Anonyme Erfahrungsberichte zeigen dramatische Situation 

Eines der an der Umfrage beteiligten Unternehmen habe zuletzt die Lieferungen aus Russland eingestellt. Doch könne der europäische Bedarf an Elektroband - einem Material mit besonderen magnetischen Eigenschaften - ohne russische Einfuhren nicht gedeckt werden, so die IHK. Der einzige Ausweg sei hier die kurzfristige Erhöhung der zollfreien Einfuhrmengen aus diesen Ländern, wird das Unternehmen anonym zitiert. 

Ein anderer Unternehmer habe vorgerechnet, dass die Transportkosten in den vergangenen sechs Monaten um 30 bis 40 Prozent gestiegen sind. "Die Abfalllogistik und damit die Entsorgungssicherheit ist teilweise gefährdet, weil Transporte einfach nicht mehr durchführbar sind und inzwischen auch Papierfabriken und Stahlwerke wegen der Energiepreise die Verwertungskapazitäten einschränken", wird dieser zitiert.

Ebenso sei "der Handel, etwa im Modesektor" fast zum Erliegen gekommen. "Selbst online wird fast nichts umgesetzt. Alle Menschen sind verschreckt, was zunehmend auf die Kauflaune Auswirkungen hat. Relevante Ware kommt nicht ins Lager, da Vietnam einen harten Lockdown hinter sich hat und nun keine Container für die Verschiffung zur Verfügung stehen", heißt es laut IHK aus einem weiteren Unternehmen in Oberfranken. 

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