Ob Bayreuth ein NS-Dokuzentrum braucht, wird heiß diskutiert. Schließlich waren völkische Ideologie und Antisemitismus bei den Festspielen früher omnipräsent.
Einstimmig hat der Bayreuther Stadtrat in seiner Mittwochssitzung (26. Juni 2024) beschlossen, die Planungen für ein NS-Dokumentationszentrum voranzutreiben. Das teilte ein Sprecher mit.
Laut dem Beschluss soll ein Kuratorium einbezogen werden, um eine inhaltliche Konzeption zu erstellen - dabei sein sollen externe Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und von anderen Doku-Zentren. "Dazu sind die notwendigen Schritte zu erlassen", heißt es in dem Beschluss.
Planungen für NS-Dokuzentrum in Bayreuth: Bisher noch Bedenken
Bei der Konzeptionierung hatte es zuletzt Verzögerungen gegeben, weil Mitglieder des Kulturausschusses im April Bedenken hatten. Unter anderem ging es um die Kosten für das Projekt und die Befürchtungen, das Zentrum könne eine Pilgerstätte für Rechtsextremisten und Rassisten werden.
Den Planungen zufolge sollte nämlich ein wesentlicher Teil des Doku-Zentrums im früheren Wohnhaus von Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) untergebracht werden. Er war der Schwiegersohn Richard Wagners und Vordenker von Rassismus und Antisemitismus im Dunstkreis der Festspiele. Ob das Zentrum nun tatsächlich im Chamberlain-Haus entsteht, ließ der Stadtrat zunächst offen. Bauliche Fragen sollen später geklärt werden.
Die Kostenbefürchtung ist jedenfalls entkräftet, denn es stehe eine umfängliche staatliche Förderung in Aussicht, unter anderem seitens des Bundes, hatte die Kommune stets betont. Eine Berechnung aus dem Jahr 2022 ergab Kosten von 23,1 Millionen Euro für das Projekt.
Braucht es zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ein Dokuzentrum?
In den vergangenen Wochen war eine heftige Debatte entbrannt: Können nicht bestehende Institutionen die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit leisten? Der Richard-Wagner-Verband Bayreuth begrüßte die Idee des Dokuzentrums: Eine gründliche und vor allem wissenschaftlich kompetente Aufarbeitung der Bayreuther Geschichte nütze allen - Bewohnerinnen und Bewohnern ebenso wie den Festspielgästen aus aller Welt, teilte der Verband mit.
Noch immer seien viele Aspekte zu Leben und Werk Wagners offen, ebenso Fragen zur Rolle der Familie Wagner und Vereinnahmung der Festspiele durch das nationalsozialistische Unrechtsregime. "Diesen Fragen müssen wir uns stellen. Je transparenter und kompetenter die Antworten auf diese Fragen ausfallen, desto besser."