Freud und Leid der Autofahrer liegen am Münchner Ring in diesen Tagen eng beieinander. An der Kreuzung zum Berliner Ring endet in absehbarer Zeit die Sperrung, zugleich müssen sich Pendler mit der dauerhaften Baustelle an der Hainbrücke am Münchner Ring arrangieren. Zum Leidwesen auch der Bewohner im Berggebiet.

Helmut Gebhardt vom Bürgerverein am Bruderwald hat sich deshalb bereits im September mit einem Schreiben an das Staatliche Bauamt Bamberg gewandt. Es handle sich beim Münchner Ring nicht nur um die Haupterschließungsstraße zum Klinikum. Der Vorsitzende kritisiert in erster Linie die enorme Belastung für die Anwohner im Berggebiet und im Umland, die auf die wichtige Verbindung angewiesen sind. Vor allem im morgendlichen Verkehr zwischen 7 und 8 Uhr komme es durch die in beide Richtungen nur jeweils einspurige Verkehrsführung zu "erheblichen Staubildungen". In dieser Hinsicht treibt die Bauzeit von knapp zwei Jahren (die Baustelle soll bis August 2022 laufen) Sorgenfalten auf die Stirn der Pendler.

"Zwei Jahre täglicher Stau"

Rückstaus gebe es mit Sicherheit zu den Stoßzeiten, bestätigt auch Ines Schellmann, Sachbereichsleiterin Verkehr bei der Polizei Bamberg-Stadt. Das sei auch am Kaulberg zu beobachten. Möglich, dass viele dorthin ausweichen. Die Baustelle sei aber mit dem Rettungsdienst abgestimmt, eine Beeinträchtigung im Ernstfall soll es demnach nicht geben, wie manche fürchten.

"Zwei Jahre täglicher Stau", erwartet Bürgervereinsvorsitzender Gebhardt. Unverständlich ist ihm deshalb, warum eine Brücke mit lediglich 228 Metern Länge eine so lange Bauzeit in Anspruch nimmt. Aus seiner Sicht wäre das anders planbar gewesen: "Es müsste auch bei zwei Bauabschnitten möglich sein, jeden dieser Abschnitte in einem halben Jahr durchzuführen." Etwa in den Sommermonaten 2021 und 2022, damit wäre in seinen Augen auch mit weniger witterungsbedingten Beeinträchtigungen zu rechnen gewesen.

An der Dauer der Baumaßnahme lasse sich nichts ändern, erklärt dagegen die Sprecherin des Staatlichen Bauamts Bamberg, Sabrina Hörl. Das liege an der Bedeutung der Verkehrsader, aber auch an der Komplexität des Brückenbaus.

Hier die wichtigsten Antworten der Sprecherin zur Baustelle:

Warum dauert die Baustelle so lange (bis 2022)?

Auf der gesamten Brückenlänge von 228 Metern müssen laut Hörl statische Ertüchtigungsmaßnahmen durchgeführt werden. "Da der Verkehr aufrecht erhalten werden muss, steht nur ein sehr begrenztes Baufeld zur Verfügung." Die Arbeiten des ersten Bauabschnittes müssten gänzlich abgeschlossen sein, um den Verkehr dann auf die bereits sanierte Brückenhälfte umlegen zu können, um dann die andere Brückenhälfte instand setzen zu können. "Die Bauabschnitte können somit nur nacheinander abgearbeitet werden, und das dauert länger als wenn beide Brückenseiten zeitgleich saniert werden könnten." Nur so könne eine Vollsperrung der Brücke verhindert werden.

Weshalb ist die Sanierung erforderlich?

Die Brücke weist laut Hörl Schäden auf, die ohne Instandsetzung zu Nutzungseinschränkungen führen würden.

Was ist die Herausforderung/das Komplexe an dieser Baustelle?

"Neben den üblichen Instandsetzungen ist eine statische Ertüchtigung des gesamten Überbaus durchzuführen. Des Weiteren sind laut der Sprecherin im Hohlkasten (innen liegend unter der Asphaltschicht und für den Autofahrer nicht sichtbar) zwischen einer Vielzahl an städtischen Leitungen Betoninstandsetzungen durchzuführen. Erstmalig werde hier ein System für den kathodischen Korrosionsschutz (ein elektrochemisches Schutzverfahren) eingesetzt.

Welche Arbeiten werden zunächst durchgeführt?

Nachdem die Stahlbetonplatte des Überbaus freigelegt ist, wird laut Hörl der Fahrbahnbelag abgefräst, und es werden die Stahlbetonkappen abgebrochen.

Ist eine kürzere Bauzeit denkbar?

"Eine kürzere Bauzeit ist leider nicht denkbar, da bestimmte Arbeiten aus technischen Gründen nur nacheinander ausgeführt werden können", erklärt Hörl.