Sie sind Bambergs dienstälteste Rap-Crew: Seit 2005 versorgen die Bambägga die fränkische Szene, waren im Auftrag des Goethe-Instituts sogar schon für russische Hip-Hop-Fans im Einsatz. Mit "Laib & Seele" legen sich Cony MC, Jonas MC und DJ Startklar alias David Ochs ins Zeug und kredenzten Rap-Fans im Lauf der Zeit vier Alben, zu denen sich nun ein weiteres gesellt: "Brotlose Kunst." Ein Titel, der im Advent gar nicht feierlich klingt, eher nach Frust, nach einem Abgang von der Bühne: "Alarmstufe Brot!" Wir hakten bei Jonas MC nach.



Keine Verbitterung

"Brotlose Kunst"? Ist das fünfte Album der letzte Streich, mit dem sich die Bambägga nach zwölf Jahren von der Bühne verabschieden?
Jonas MC alias Jonas Ochs: Nein. Aus uns spricht keine Verbitterung. Der Titel ist nicht ernst gemeint, eher augenzwinkernd. Obwohl man als Bamberger ab 30 langsam grandig wird, und zwei von uns diese Altersgrenze schon überschritten haben. Satte Gewinne fuhren wir in den vergangenen zwölf Band-Jahren allerdings tatsächlich nicht ein. Die Bambägga sind - finanziell gesehen - eher ein Draufzahlgeschäft. Was der persönliche Mehrwert, den man auf Kontoauszügen nicht sieht, jedoch aufwiegt.





Legitim altern

So macht Ihr im Sinne der Stones und anderer Bühnen-Veteranen, die irgendwann aus dem Rampenlicht getragen werden, weiter?
Klar, wir gehören noch grob zur ersten Hip-Hop-Generation, die mit dieser Musik nun ganz legitim nach und nach altert. Was sollen wir uns darüber graue Haare wachsen lassen? Solange wir uns mit dem, was wir machen, wohlfühlen, geht's weiter. Natürlich haben sich die Themen unserer Songs seit unseren Studienzeiten ganz erheblich geändert.



Protest gegen das System

Der revolutionäre Ansatz ist also Schnee von gestern?
Ja, der Protest gegen das System, das Establishment, ist Geschichte. Vieles, was ich mit 20 raushauen musste, lässt mich heute eher schmunzeln. Der Blick weitet sich. Was aber nicht heißt, dass wir zu Oberlehrern geworden sind. Obwohl ich - strenggenommen - für einen Franken ganz auf Linie bin: Verheiratet, zweijährige Tochter, bodenständiger Beruf (Sozialpädagoge). Nur das Reihenhaus fehlt noch. Cony MC arbeitet mittlerweile als Sportökonom bei Alba Berlin, also der Konkurrenz unserer Basketballer. Nur mein Bruder David (alias DJ Startklar), der Gesundheitsmanagement studiert, steht mit gerade mal 24 Jahren noch für den klassischen Rapper.



Musik machen müssen

Was sind also Themen der in Würde gealterten Bambägga?
Themen aus unserem heutigen Leben. So habe ich Erfahrungen meiner beruflichen Arbeit mit Jugendlichen aufgegriffen. Auch unsere langjährigen Banderfahrungen sind ein Thema. Wir schrieben darüber, warum wir Musik machen: Ja, das Gefühl haben, Musik machen zu müssen. Nicht zuletzt auch, um uns mit der Szene weiterhin auszutauschen.



Anonym übers Internet

Einer Szene, die mit den Bambägga altert? Oder wachsen junge Rapper herran, um ins Rap-Establishment frischen Schwung zu bringen?
Nachwuchs gibt es durchaus: Nehmen wir nur das DJ-Kollektiv Film 51, das sehr produktiv ist. Vieles läuft heute aber ganz anders als damals, als man noch Kassetten austauschte und bei Konzerten stolz präsentierte. Heute ist das Internet die maßgebliche Plattform, über die alles sehr anonym läuft. Darüber hinaus langweilen sich Jugendliche nicht mehr wie wir damals, was uns kreativ werden ließ. Wir waren noch nicht permanent abgelenkt, das war ein klarer Vorteil. So nahmen wir uns gerne die Zeit, statt nur eines Titels für Youtube ganze Alben zu produzieren.


Die immer gleichen Cover-Titel

Einen gewissen Nachwuchsmangel gibt es also im Hip-Hop-Bereich durchaus?
Ja, früher war mehr los, obwohl nur eine Generation rappte. Viele Newcomer haben eben auch keine Auftrittsmöglichkeiten. Die DJ-Kultur lebt in den Bars weiter, aber Live-Auftritte sind selten geworden. Seit dem Ende des Morph Clubs, der der Szene auch über junge Leute aus anderen Städten frische Impulse gab, leidet die Subkultur. Es gibt weniger junge Bands, weil die meisten einfach nicht mehr den Nerv haben, sich in dieser Richtung zu engagieren. Statt dessen boomen Cover-Formationen und spielen Sachen, die man seit 30 Jahren über die Sandkerwa schmettert.



Beim "Schlachthof-Weekender"

Welche Hip-Hopper Eurer Generation sind in Bamberg überhaupt noch aktiv?
George 33 von Soul Jam. Wir selbst sind aber auch nicht mehr so umtriebig wie noch zu Studienzeiten. Mehr als 20 Konzerte pro Jahr sind angesichts unserer beruflichen Verpflichtungen nicht mehr drin. Unser nächster Auftritt ist übrigens am 17. Dezember beim "Schlachthof-Weekender", wo wir unser neues Album präsentieren. Das wird spannend, weil wir wieder vor Leuten stehen, die deutlich jünger sind - im Gegensatz zu früher, als Konzertbesucher meist älter als wir selbst waren. Da spielen wir also ganz oldschool: So als Hip-Hop-Crew mit zwei Rappern und einem DJ, wie man es inzwischen kaum noch kennt. Die meisten Künstler aus dem Bereich stehen heute ja wie Sido alleine auf der Bühne. Wir dagegen bleiben ein Familienunternehmen - die Kelly Band des Hip-Hop sozusagen.



"Bamberg im Takt"

Einen Preis habt Ihr heuer ebenfalls erhalten, für ein Flüchtlingsprojekt, oder?
Ausgezeichnet wurde das musik- und medienpädagogische Projekt "Bamberg im Takt" der Offenen Jugendarbeit, bei dem wir mit Flüchtlingen über ein halbes Jahr lang rappten. Gemeinsam mit George 33 wurden Songs aufgenommen - in Deutsch und den jeweiligen Landessprachen. Wir bekamen den oberfränkischen Integrationspreis und werden uns in dieser Richtung gerne weiterengagieren. Schließlich kommt der Hip-Hop selbst aus der Migrationskultur heraus.



Das neue Album

Die neue CD der Bambägga "Brotlose Kunst" ist bei Titus Bamberg, Musicland, Kleberbudn 25 und im Immerhin Café erhältlich.