Es ist ein Brief, der an alle Stadträte ging. Felix Forsbach und Renate Schlipf nehmen darin kein Blatt vor den Mund. Eindringlich kritisieren die beiden Kulturschaffenden die Machtfülle des bis Ende April amtierenden Finanzreferenten Bertram Felix, die sie für, so wörtlich, unheilvoll halten. Und sie appellieren an die Stadträte, der "strukturellen Machtanhäufung" nicht länger zuzusehen, sondern sich die "Führung der Stadt wieder zu holen".

Die Breitseite auf den 47-jährigen berufsmäßigen Stadtrat, der seit 2009 das Bamberger Finanzreferat leitet, wurde punktgenau abgeschossen. Denn Felix stellt sich in der heutigen Stadtratssitzung zur Wiederwahl als Finanzreferent. Es wäre seine dritte Amtszeit, die im nächsten Frühjahr beginnt. Und viele Projekte tragen seine Handschrift - die Sanierung des Klosters St. Michael allen voran.

Natürlich muss ein seit zwölf Jahren im Amt befindlicher Kämmerer, der die Bamberger Zahlen wie kein Zweiter kennt, nicht um seine berufliche Zukunft bangen, nur weil zwei Bürger einer Stadt mit den finanzpolitischen Entscheidungen nicht zufrieden sind. Ein Kämmerer kann gar nicht arbeiten, ohne einzelnen Menschen auf die Füße zu treten.

Dennoch ist der Einwurf aus der Kulturszene mehr als nur der Aufschrei der Enttäuschten. Die Kritik fällt gewissermaßen auf einen fruchtbaren Boden bei den Entscheidungsträgern, von denen auch Bertram Felix abhängt. Der Kämmerer, der gleichzeitig Stiftungsreferent der Stadt ist, Chef des Immobilienmanagements, kaufmännischer Werkleiter des früheren Baubetriebs und zuständig für das Forstamt, ist im Rathaus fachlich unumstritten. Doch seine Dominanz wird in den vergangenen Jahren zunehmend skeptisch beäugt.

Hans-Günter Brünker zum Beispiel. Der Stadtrat von Volt, Teil des Bündnisses von Grünen, ÖDP und SPD-Fraktion, hält einen Wechsel nach zwölf Jahren an der Spitze des Finanzreferats für dringend geboten. Dies sei völlig normal. Nach so langer Zeit würden neue Impulse an der Spitze der Kämmerei gebraucht - selbst dann, wenn man dem Leiter des Referats hervorragende Arbeit bescheinigen würde.

Brünker sieht im Fall von Felix aber auch grundsätzliche Probleme. Der Kämmerer offenbare "ein falsches Verständnis seines Amtes", wenn er den Stadtrat nicht konstruktiv unterstütze, sondern vor allem seine eigene Agenda verfolge. Es sei aber der Stadtrat, der als Souverän die Prioritäten setze und nicht der Finanzreferent. Volt-Stadtrat Brünker will deshalb heute einen Antrag auf Ausschreibung der Position stellen. Bekäme der Vorstoß eine Mehrheit, wäre dies in Bamberg ein Vorgang, den es dieser Form nicht oft gegeben hat. Der ehemalige Baureferent Ottmar Strauß war vor über zehn Jahren so vor die Tür gesetzt worden. Brünker ist zuversichtlich: "Wenn die Stadträte den Mut haben, die Geschicke der Stadt in die eigene Hand zu nehmen, wird es spannend."

Doch wird der Volt-Vorstoß wirklich eine Mehrheit finden? Die grüne Fraktion, die in der Bamberger Opposition jahrelang die Ausschreibung aller Referentenposten gefordert hatte, ist bei der Frage, ob dies auch für die Amtszeit von Felix gelten soll, mittlerweile gespalten. Bürgermeister Jonas Glüsenkamp räumt dies offen ein. Er sagt, dass es bei den Grünen zwei Gruppen gebe, die etwa gleich groß seien. Die eine Gruppe werde mit Brünker eine Ausschreibung verlangen, um neue Wege zu gehen und verfestigte Strukturen aufzubrechen. Die andere wolle, dass Felix weiter im Amt bleibt. Glüsenkamp selbst lässt keinen Zweifel, dass er gerne weiter Bertram Felix an der Spitze des Finanzreferats hätte. Der Kämmerer gelte über die Grenzen der Stadt hinaus als finanzpolitischer Profi. Die 95-prozentige Förderung für das letzte Woche gebilligte Großprojekt Quartier um das Rathaus Maxplatz bezeichnet Glüsenkamp als eine "Meisterleistung".

Auch vor dem Hintergrund der schwierigen Finanzlage glaubt der Bürgermeister, sei es das falsche Zeichen, jetzt das Pferd zu wechseln: Er will lieber mit Felix die ökosozialen Projekte der Grünen vorantreiben als bei der "Finanzverantwortung eine Zeit der Unsicherheit" zu riskieren.

Doch natürlich genießt Bertram Felix auch die Rückendeckung des Bamberger OB Andreas Starke (SPD). "Er ist ein exzellenter Finanzreferent, der das Vertrauen im Stadtrat und in der Bürgerschaft hat und bereits zwei Mal mit hervorragenden Wahlergebnissen ausgestattet worden ist", teilt Starke mit.

Die vereinzelte Kritik sei unberechtigt. Bamberg habe es im Wesentlichen dem Kämmerer zu verdanken, dass die Stadt "Weltmeister der Fördergelder" geworden sei. Laut Starke sind die Kita-Offensive, die Schulhaussanierungen und die Konversion Beispiele auf der beeindruckenden Wegstrecke des Finanzreferenten. "Ich erwarte seine Wiederwahl, weil es dem Wohle der Stadt am besten dient."

Heimlicher Bürgermeister

Daran zweifelt auch Norbert Tschnerner nicht. Der Chef der BBB-Fraktion hat die Machtfülle des "heimlichen Bürgermeisters" zwar immer wieder selbst angeprangert. Eine Ausschreibung der Position fände er aber schon deshalb nicht gut, weil kein Nachfolger in Sicht sei. Felix solle in seiner nächsten Amtszeit einen Vertreter aufbauen, meint Tscherner.

Doch auch im konservativen Lager ist die Wiederwahl von Bertram Felix umstritten. Hört man Stadträtin Ursula Redler (BA), sehen mittlerweile auch Teile der CSU-BA-Fraktion den Finanzreferenten kritisch: "Felix akquiriert viele Fördergelder, aber er steht auch für Intransparenz und Machtstreben." So habe der Referent bei der Privatisierung des Schlachthofs versucht, am Stadtrat vorbei zu entscheiden, sagt die BA-Stadträtin.

Laut Redler glühten in den letzten Tagen die Drähte zu den Grünen. Ziel sei es gewesen, eine Mehrheit für eine Ausschreibung des Führungspostens zu finden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist aber gering. "Wir schlagen keine Schlachten, die von vorne herein verloren sind", erklärte Redler enttäuscht am Dienstag.

Man muss wissen: Sollte der Antrag für Ausschreibung keine Mehrheit finden oder gar unterbleiben, ist das Votum für Felix in der geheimen Wahl ohne Gegenkandidaten ziemlich sicher. Denn es zählt die einfache Mehrheit der gültigen Stimmen. Und Nein-Stimmen gelten als ungültig.