Im Herannahen hatte ich SPD-Grande Dame Lilly Künzel gesehen. Und auch Chronist Gottlieb Honold hielt sich im Ortskern auf. Doch dann war es Christian Schmidt, der als Erster bei unseren FT-Stühlen vorbeikam und Platz nehmen durfte. Für das, was nun in der Walsdorfer Ortsmitte geschehen sollte interessiert sich Gottlieb Honold freilich schon von Ehrenamts wegen - als Walsdorfer Chronist. Wie seit fast sechs Jahrzehnten ist natürlich Gattin Maria an seiner Seite. Also nehmen beide auf einer Decke auf der Treppe Platz und lauschen der Unterhaltung mit Christian Schmidt. Wobei es für sie noch eine ganz besondere Überraschung herausspringen soll.

Christian Schmidt war natürlich mit seinem E-Bike von Kolmsdorf nach Walsdorf geradelt. Schließlich betreibt er dieses Hobby seit sechs Jahren und in diesen hat er gut 30 000 Kilometer runtergestrampelt. Eines von Schmidts Hobbys, wie wir etwas später erfahren werden.

Geboren wurde der mittlere von drei Jungen der Familie Schmidt in Scheßlitz. Was ihn somit zum "Reingeschleiften" machte: "Ich wohne erst seit 41 Jahren in Kolmsdorf", entschuldigt sich der 48-Jährige beinahe ein bisschen.

Jedenfalls fand die fünfköpfige Familie im Westen des Landkreises eine passende Mietwohnung, auf einem Bauernhof. Und da hat Christian in jungen Jahren schon einiges erlebt und frühzeitig mit angepackt. "Mit zehn Jahren bin ich schon Bulldog gefahren", erinnert er sich stolz. "Ich habe schon immer gearbeitet, auch als kleiner Pimpf", sagt er. Unter anderem bei der Heimarbeit. Da wurde in der Familie Spielzeug montiert, eingetütet, gezählt. Geschäftstüchtig war der Neu-Kolmsdorfer ebenfalls recht bald, wie seine Schilderungen zeigen. "Ich habe Pfandflaschen in Gräben gesammelt - und im Geschäft in Süßigkeiten umgewandelt." Eicheln und Kastanien wiederum sammelte er, um sie an den Förster zu verkaufen. Ein praktisch veranlagtes Kind also.

"Praktisch" war auch das Wahlwerbegeschenk, bescheinigt Christian Schmidt dem Walsdorfer neuen Bürgermeister Mario Wolff, als dieser kurz bei den FT-Stühlen vorbeischaut. Er habe mit den Zollstöcken was Sinnvolles verteilen wollen, bestätigt Wolff und verabschiedet sich von Honolds und Schmidt zu seinem nächsten Termin.

Bereits als Kind hat Christian Schmidt an einem Haus mitgebaut - "vom Grundstein bis zur letzten Leiste". Die Ursache für den Neubau war dann allerdings tragisch: Am Hof, auf dem die Familie in einer Wohnung lebte, waren Stall und Scheune abgebrannt. "Am helllichten Tag, da waren mein jüngerer Bruder und ich im Wald und haben Rauchschwaden gesehen." Als sie dann erkannten, dass das Feuer direkt bei ihnen war, "war das ein Schock". Das Ganze passierte in den 80ern.

Hier meldet sich Gottlieb Honold zu Wort und kann das Ereignis mit Hilfe seiner Chronik konkretisieren. "Das war 1982", kommt es von der Treppe her.

Weil er handwerklich geschickt war, machte Christian Schmidt eine Schreinerlehre. Der Beruf gefällt ihm auch heute noch: "Er ist vielseitig, kreativ. Man sieht, was man macht. Das ist beim Bäcker auch so, aber halt nicht lange", erklärt er verschmitzt. Schmidt blieb Geselle, "denn im Meister habe ich keinen Sinn gesehen", er wollte sich schließlich nicht selbstständig machen. Das wäre wohl auch nicht mit seinem großen Hobby zu vereinen gewesen.

Mit 13 ans Keyboard

Wie Honolds auf der Treppe staunend vernehmen, tritt Christian Schmidt als Alleinunterhalter auf und das schon seit 30 Jahren: "Hochzeiten, Fasching, Jubiläumsfeiern und Ähnliches" in der Gegend zwischen Bamberg und Nürnberg. Wie kam er dazu? Schon als Junge habe er sich bei Veranstaltungen fasziniert neben Musiker gestellt und war begeistert von den vielen Lichtern, Lämpchen, Schaltern, Knöpfchen. "Mit 13 hab' ich mir dann ein Keyboard gekauft." Und dann hat er sich nach und nach alles selbst beigebracht. Auch Klarinette. Nur fürs Saxophon und die Panflöte habe er Unterricht genommen. Sein Repertoire? "Schlager, Volksmusik, Oldies, Rockmusik, Instrumentalmusik". Er sei da recht breit aufgestellt, was seinen Geschmack betreffe. Etwa 900 Titel hat er im Angebot. Vor Corona war er fast an jedem Wochenende im Einsatz.

Jetzt wird's aber doch Zeit für eine Kostprobe! Was möchten Honolds hören? "Rote Lippen soll man küssen!" Kein Problem. Schmidt holt sich Text und Instrumentalmusik übers Smartphone und schon geht's los. Gottlieb Honold, der selbst Organist und Chorleiter war, schnippt und singt mit. Zum Abschluss ein Küssla für die Frau.

Schmidt dagegen ist überzeugter Single: "Wenn man Alleinunterhalter ist, ist das für eine Beziehung nicht sehr vorteilhaft", findet er und ist's zufrieden. Mit seinem Leben, mit allem. "Alles wie es ist , ist wunderbar." Er sei gesund und finanziell gehe es ihm gut. "Keine Scheidungen, keine Kinder für die ich zahlen muss. Und ich kann tatsächlich machen, was ich mag ." Schmidt lebt weiterhin und gern in Kolmsdorf zur Miete. Die Eltern sind ihrerseits hier geblieben. Sein Geld hat er "in Eigentumswohnungen investiert". So muss er sich um nichts kümmern, höchstens mal neue Mieter kennenlernen, "damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe". Weil er eben tun und machen kann, was er will, hat Christian Schmitt schon 15 Kreuzfahrten unternommen, doch auch schon vor Corona damit aufgehört. Aber nach Berlin, das er jedes Jahr besucht, wird er wohl heuer kommen.

Wunsch erfüllte sich nicht

Sicher auch mit dem Rad zur Tankstelle nach Stegaurach, um dort mit Jugendfreund Benno "a Käffla zu trinken". Was wünscht sich unser Interviewpartner sonst noch? "Dass es noch etwas trocken bleibt." Das blieb es leider nicht. Aber obwohl wir die 60 Minuten nicht ganz voll machen konnten, haben Honolds und ich viel über einen zufriedenen Menschen erfahren.