Wenn wir uns ein Bein brechen, tut das ziemlich weh. Wir müssen ins Krankenhaus, bekommen einen Gips-Verband, auf dem wir unsere Freunde unterschreiben lassen können, und humpeln für einige Wochen durch die Gegend. Das Gips-Bein können alle sehen.


Seelische Krankheiten entstehen, wenn die Wahrnehmung, das Denken oder das Fühlen nicht richtig klappen

Aber nicht alle Krankheiten sind so ein klarer Fall wie ein gebrochenes Bein oder ein Schnupfen: Wenn die Seele krank wird, kann man das nicht so einfach sehen und verstehen. Darum ging es am Samstag in der Kinder-Uni-Vorlesung "Bist du verrückt, oder was? Seelische Krankheiten verstehen". Jörg Wolstein, der an der Uni Bamberg normalerweise Erwachsene im Fach Psychologie (sprich: psü-cho-lo-gieh) unterrichtet und ihnen etwas über die menschliche Psyche (= die Seele) beibringt, erforschte mit den Jungen und Mädchen, was passiert, wenn
die Seele krank wird.
Dazu zeigte er ein paar Filmausschnitte: Zuerst war da ein Mann, der im Badezimmer vor dem Spiegel steht, und sich die Zähne putzt. Plötzlich hört er eine Stimme in seinem Kopf, die vorher nicht da war. Da mussten die meisten Kinder erst einmal kichern. Aber schnell war klar: Bei dem Mann stimmt was nicht. "Das Sehen und Hören kann gestört sein", erklärte der Professor. "Das geht auch vielen Flüchtlingen so: Sie haben etwas so Schreckliches erlebt, dass sie das immer wieder im Kopf durchmachen müssen und dann Stimmen hören, obwohl die gar nicht da sind."


Was ist eigentlich normal?

Ein anderer Filmausschnitt zeigte einen Mann, der komplizierte Rechenaufgaben in Sekundenschnelle lösen kann. Aber was eine Tafel Schokolade kostet, konnte er nicht sagen. "Er ist ein Super-Rechner, aber alles, was mit dem normalen Leben zu tun hat, kann er nicht", stellte ein Junge fest. "Genau", stimmte ihm der Professor zu. "Dieser Mann denkt anders als andere."
Auch die Gefühle können durcheinandergeraten: "Angst zum Beispiel ist wichtig, denn sie warnt uns vor gefährlichen Tieren oder davor, dass wir irgendwo runterfallen", sagte Jörg Wolstein. Wenn aber jemand immer Angst hat, obwohl weit und breit keine Gefahr lauert, kann er krank werden. Mit einem Experiment zeigte der Professor, dass wir vor einer Stoff-Schlange mehr Angst haben als vor einer Steckdosen-Leiste, "obwohl es wahrscheinlicher ist, dass wir einen Stromschlag bekommen, als von einer Schlange gebissen zu werden". Die Angst vor Schlangen ist angeboren, "die vor Steckdosen müssen wir erst erlernen."


Wer Bescheid weiß, braucht keine Angst zu haben

Am Schluss waren sich alle einig, dass es gut ist, wenn man über seelische Krankheiten Bescheid weiß: "Dann muss man keine Angst mehr davor haben!", stellte ein Mädchen fest. Und noch etwas fanden die Kinder heraus: Nicht alles, was nicht normal ist, ist krank.