Sie ist diplomierte Schauspielerin, Radio-Moderatorin, Kommunikationstrainerin, Coach, Autorin und Ritualbegleiterin: Die Rede ist von Heike Bauer-Banzhaf, die nach 20-jähriger Abstinenz nun zu den Brettern, die vielen die Welt bedeuten, zurückfindet. Darüber sprachen wir mit der Wahlbambergerin und über ihre langjährigen beruflichen Erfahrungen in einer Gesellschaft, die mehr denn je kommuniziert, sich dabei aber immer weniger zu verstehen scheint.

Nach Ihrem Schauspielstudium arbeiten Sie fünf Jahre lang im Ensemble des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Warum dann der Abschied von der Bühne?
Heike Bauer-Banzhaf: Ich kam relativ naiv ans Theater und merkte irgendwann, dass mir die Arbeit mit Menschen jenseits des Elfenbeinturms fehlt. Ich war zuvor eben auch Krankenschwester und hatte immer das Bedürfnis, zu helfen. Als Kommunikationstrainerin arbeitete ich daraufhin an meinen großen Themen "Stimme, Sprache, Körpersprache", um Menschen im sozialen und medizinischen Bereich den Alltag zu erleichtern. Und es ihnen zu ermöglichen, besser miteinander umzugehen.


Interesse an der eigenen Optimierung
Später engagierten Sie sich auch als Coach im beruflichen Umfeld und im Paarbereich. Wie veränderte sich das zwischenmenschliche Verhältnis in rund 20 Jahren?
Das Interesse an der eigenen Optimierung einschließlich psychologischer Hintergründe ist mittlerweile unheimlich groß. Dieser Zuwachs war auch durchaus nötig. So haben viele Menschen nun ein riesiges Know-how, können es nur leider nicht einbringen. Es ist sehr leicht, Wissen kopfgesteuert abzuspeichern. Aber es ist schwer, dieses Wissen bei sich selbst anzuwenden, ja ins Herz zu bringen. Die Menschen haben Angst, in die Tiefe zu gehen. Tiefe wird leicht verwechselt mit einem Erfahrungsbericht aus der eigenen Wahrnehmung heraus. Wirkliche Kommunikation besteht aber daraus, auch die Empfindungen anderer in sich aufzunehmen und mit der eigenen inneren Welt zu vergleichen.

Zum "WIR Prinzip" schrieben Sie ein Buch. Worum ging's Ihnen bei der Veröffentlichung?
Mir ging es darum, einen roten Faden zu finden, um Menschen zu helfen, in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Es tut weh, die eigenen Grenzen kennenzulernen und zu akzeptieren. Höher, schneller, weiter, immer glücklicher, das bringt uns alle an den Rand des Wahnsinns. Jeder versucht, immer noch erfolgreicher und besser zu sein als die anderen. So ist auch das vermeintliche Ringen um Gesprächstiefe oft nichts anderes als ein Machtspiel. Damit zerbricht jedes "Wir".


TV-Romanzen werden nachgelebt
Beziehungen haben eine immer kürzere Halbwertszeit. Mehr Ehen denn je scheitern. Woran liegst?
Es gibt eine Bindungsunfähigkeit, die mit den viel zu großen Erwartungen zusammenhängt, die Menschen an den Partner stellen. Beide Seiten denken, der andere müsste doch sehen, wie's mir geht und auf meine Bedürfnisse eingehen. Man versucht Romanzen aus dem Fernsehen nachzuleben, vorgefertigte Gefühle und Rituale nachzuspielen wie das Rosenritual am Valentinsstag. Liebe wird mit Besitzansprüchen verwechselt. Und rutschen die rosaroten Gefühle in den Alltag, zerfleischen sich die Menschen irgendwann in den eigenen vier Wänden, um sich und den anderen überhaupt wieder zu spüren.

Sie betreuen Paare vor Hochzeiten und anderen Festen des Lebens. Wie sehen Sie den Trend zu immer größeren, spektakulären und exklusiveren Events?
Die Gefahr bei Eventhochzeiten ist, dass die äußere Form wichtiger als die Nähe und Verbundenheit zueinander ist, als der Blick auf den bevorstehenden Lebensweg . Man zelebriert seine Egoshow. Meinetwegen können die Leute heiraten, wo und wie sie wollen, solange sie in Kontakt mit sich und dem Partner sind. Wenn ich Paare begleite, möchte ich auch immer, dass sie herkömmliche Vorstellungen hinterfragen oder gar aufbrechen. Sie müssen lernen, ihre wahrhaftigen Gefühle und Ängste zu erspüren, und gegenüber dem Partner zum Ausdruck zu bringen. Das erfordert Mut und den Wunsch nach gemeinsamer Weiterentwicklung.


Thema Nahtoderfahrung
Bei Radio Bamberg haben Sie seit Dezember 2013 eine eigene Sendung: "Heike trifft". Was waren Ihre interessantesten Gäste? Gab's auch peinliche Momente?
Bei der allerersten Aufnahme passierte es tatsächlich, dass ich zwei Interviewpartner zu Besuch hatte, mit denen ich mich ne gute Stunde unterhielt. Technisch funktionierte alles reibungslos, nur hatten wir danach keine Aufnahme. Die beiden wollten auch nicht wiederkommen. Mittlerweile habe ich ein tragbares Mikro und besuche die Leute bei sich zu Hause, im Büro oder Garten. In der eigenen Umgebung ist man viel lockerer. Ein sehr interessanter Gesprächspartner war ein Mann, der mit mir offen über seine Nahtoderfahrung sprach. Besonders berühren mich auch Menschen, die bereit sind, sich für andere zu engagieren ohne dabei ihren Geltungsdrang auszuleben. Und Menschen, die im künstlerischen Bereich ihrer Vision folgen, ob es sich finanziell nun auszahlt oder nicht.

Was lässt Sie nach etlichen Jahren nun auf die Bühne zurückkehren?
Diese Rückkehr ist themenbezogen: Ich zeige mit Martin Neubauer ja das Programm "Schrecklich-komische Ehe-Szenen", das mit meiner täglichen Arbeit als Coach zu tun hat. Darüber hinaus will ich es noch einmal wissen: Will wissen, ob ich das Publikum mit meiner heutigen Lebenserfahrung wirklich berührten kann. Zumal ich mich im Gegensatz zu früher traue, meinen persönlichen Kern zu zeigen.

Mehr zu Heike Bauer-Banzhaf gibt's auf ihrer Homepage zum WIR-Prinzip.


Am Brentano-Theater

"Stör mich nicht mit deiner Logik!" Unter diesem Motto lassen Heike Bauer-Banzhaf und Martin Neubauer das Ewigweibliche und Ewigmännliche im neuen Theaterprogramm "Schrecklich-komische Ehe-Szenen" aufeinanderprallen. Ja, die Ehe als unerschöpfliche Quelle der Freuden, der Komik, der Tragik und des Absurden steht im Blickpunkt: Als "Versuch, allein halb so glücklich zu sein, wie man es allein wäre", wie Oscar Wilde spottete. Manfred Kyber vermochte das Aneinandervorbei von Mann und Frau in köstliche Märchen zu packen. Zudem erlebt das Publikum als Brentano-Theater-typische Ausgrabung ab 5. Februar eine Szene von Thaddäus Rittner, in der sich ein Mann als echter Waschlappen erweist, während sich ein anderer auf einer Party hemmungslos als Pascha aufspielt.

Auch ein Dauerbrenner wie Kurt Tucholskys "Ein Ehepaar erzählt einen Witz" fehlt im neuen Brentano-Theater-Programm nicht. Andere Ehedialoge erweisen sich als absurdes Theater. Und über allem schwebt Heinrich Heines unumstößliche Wahrheit zum Thema Ehe: "Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu." Ja, kopfüber werfen sich Heike Bauer-Banzhaf und Martin Neubauer in den hoffentlich nicht ganz normalen Wahnsinn. "Es geht um den schweren Weg zwischen Waschlappen und Pascha!", so Neubauer.

Premiere feiert das Programm "Schrecklich-komische Ehe-Szenen" am Donnerstag, 5. Februar,ab 20 Uhr am Bamberger Brentano-Theater (Gartenstraße 7). Weitere Vorstellungen finden am 11. Februar, 13. Februar, 14. Februar und 19. Februar, jeweils ab 20 Uhr statt. Plätze können sich Interessenten unter der Nummer 0951/ 54528 reservieren lassen.

Hier finden Sie Hör-Beispiele aus der Sendung "Heike trifft":

http://www.radio-bamberg.de/mediathek/video/heike-trifft-martin-neubauer-teil-1-18-1-2015/

http://www.radio-bamberg.de/mediathek/video/heike-trifft-tig-teil-1-25-1-2015/

http://www.radio-bamberg.de/mediathek/video/heike-trifft-mischa-salzmann-teil-1-01-02-2015/

http://www.radio-bamberg.de/mediathek/video/heike-trifft-nora-eugenie-gomringer-teil-1-11-1-2015/