Hallstadt
Verkauf

Was wird aus den Real-Märkten?

Schon vor einem Jahr hatte Metro angekündigt, den Großteil der SB-Warenhäuser verkaufen zu wollen. Seitdem fürchten viele Mitarbeiter um ihren Job. Die Unsicherheit ist auch in den 15 Märkten in Franken groß.
 

Es ist ein Warten, das an den Nerven zehrt. "Wir werden schon seit einem Jahr hingehalten", berichtet Barbara Lorenz, Betriebsratsvorsitzende im Real-Markt in Hallstadt (Landkreis Bamberg). So wie ihr und den anderen rund 130 Mitarbeitern im Warenhaus geht es bundesweit allen Real-Beschäftigten.

Seit der Handelskonzern  Metro  im Herbst 2018 angekündigt hat, sich von den Real-Märkten trennen zu wollen, ist die Unsicherheit groß. "Alle würden gerne wissen, wohin der Weg geht", sagt Lorenz.

Inzwischen hat das Bundeskartellamt den Verkauf an den Hamburger Immobilieninvestor Redos freigegeben. Für die 277 Real-Märkte in Deutschland gibt es demnach drei Zukunftsszenarien: Ein nennenswerter Anteil von Standorten - unbestätigten Angaben zufolge rund 180 - soll von Wettbewerbern wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Globus übernommen werden. Daneben soll es einen "gesunden Kern" von Märkten geben, der noch weiter betrieben werden soll, erklärte eine Metro-Sprecherin auf Anfrage. Auch hier wird spekuliert, dass es sich um ungefähr 50 Märkte handeln wird, die von Metro bzw. Redos weiterbetrieben werden sollen. Laut der Metro-Pressestelle bleibt Metro demnach am operativen Geschäft von Real mit 24,9 Prozent beteiligt, kann diesen Anteil aber nach drei Jahren abstoßen.

Interessenten bieten aktuell

Einigen Filialen - laut Spekulationen sollen es knapp 40 sein - steht aber das komplette Aus bevor. "Es werden sicherlich ein paar Filialen geschlossen werden", sagte dazu die Metro-Sprecherin. Das wäre aber auch ohne den Verkauf an den Investor so.

Wann klar ist, was mit welchem Markt passiert, ist bisher nicht absehbar. "Erst sollte es im September abgeschlossen sein. Jetzt heißt es, es wird Mitte November werden", berichtete die Hallstadter Betriebsratsvorsitzende. Paul Lehmann, Verdi-Handelssekretär in Oberfranken, rechnet nicht vor Januar mit einer Entscheidung. "Auch wir haben da immer noch ein großes Fragezeichen", sagte er.

Aktuell gingen die Angebote der Händler ein und würden gesichtet, heißt es beim Metrokonzern. Es könne ein paar Wochen dauern, bis alle Angebote für die einzelnen Standorte ausgewertet sind, zumal auch Überlappungen zu erwarten seien. Danach sollen die Pakete geschnürt und im Anschluss beim Bundeskartellamt zur Anmeldung eingereicht werden. "Zu weiteren Details können wir uns aufgrund des laufenden Verkaufsprozesses nicht äußern", sagte die Metrosprecherin.

Konzentration auf Großhandel

Mit den Real-Märkten trennt sich Metro erneut von einem Einzelhandelssegment. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern schon große Marken wie Kaufhof, Praktiker oder Media Saturn aufgegeben. "Diversifizierung im Handel ist mittlerweile Gift", sagte dazu Metro-Chef Olaf Koch. Deshalb kehre man nun zum Ursprung, zum Großhandelsgeschäft, zurück. Mit der Real-Kette hatte Metro in den vergangenen Jahren regelmäßig Verluste eingefahren.

15 Real-Märkte gibt es in Franken, sieben in Oberfranken (Bamberg, Hallstadt, zweimal in Bayreuth, Coburg, Kronach, Kulmbach), drei in Unterfranken (Aschaffenburg, zweimal in Würzburg) und fünf in Mittelfranken (Ansbach, Neustadt/Aisch, zweimal in Nürnberg, Schwabach).

Wer von ihnen schließt, verkauft wird oder vorerst noch weiter am Markt bleibt, ist völlig offen. "Bei uns läuft das Geschäft gut", sagt Barbara Lorenz über das stark frequentierte SB-Warenhaus in Hallstadt. Aber es werde wohl keinen Einfluss haben, ob ein Markt gut oder schlecht läuft. Vielmehr seien die Angebote entscheidend. Edeka, Rewe oder Kaufland könne sie sich aufgrund der schon bestehenden Märkte im Umfeld nicht vorstellen. "Wir würden natürlich gerne in dem Kern bleiben, der weiterbetrieben werden soll", sagt sie. Aktuell geht Lorenz nicht davon aus, dass der Markt komplett geschlossen wird. "Wir sind sicher ein begehrenswertes Objekt, schon wegen der Lage", meint sie.

Aber ob im Falle eines Verkaufs alle Mitarbeiter übernommen werden? Das breite Sortiment, das Real bietet, sucht man bei anderen vergeblich. Immerhin hat Metro-Chef Koch versichert, dass er Wert darauf legt, "dass die Mitarbeiter beim Verkauf übernommen werden - und zwar zu ihren aktuellen Vertragsbedingungen".

Doch den aktuellen Frust verhindert auch so eine Aussage nicht. "Die Stimmung ist denkbar schlecht. Einige haben die Firma schon verlassen", berichtete Lorenz. "Alle haben Zukunftsängste."

Dass weniger Personal vorhanden ist, sei deutlich spürbar. "Die Arbeit bleibt ja gleich", sagt Lorenz. Am schlimmsten aber sei "dieses Warten". "Das macht einen richtig fertig."