Ein Konterfei in Sakko und Krawatte, ein Grinsen am Übergang zum Lachen, in einer Gesprächssituation mit unscharfen, ebenso gekleideten Personen. Das Plakat in Schwarz-Weiß, nur vom Orange des dickgedruckten Nachnamens und dem Hintergrund der feingedruckten Website-Adresse kontrastiert. So wirbt der amtierende Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zum fünften Mal um den Posten, um seine potenziell dritte Amtszeit.

Wer neu in Bamberg ist, wüsste nicht, für welche Partei der Mann auf dem Plakat antritt. Die Kandidaten der Landkreis-SPD hingegen werden die Region ab kommender Woche mit ihren Plakaten von Ebrach bis Heiligenstadt in Genossen-Rot tauchen. Und auch bei Starkes neun Gegenkandidaten in der Stadt ist zu erwarten, dass der Betrachter Parteifarbe wie Logo sofort erkennt. Selbst bei Ursula Redlers Persiflage-Plakat, auf dem sie in ähnlicher Gesprächssituation wie Starke in Schwarz-Weiß mit orangenem Schriftzug ("Stärker") zu sehen ist, verweist immerhin die Internet-Adresse auf ihre Partei, die Bamberger Allianz. Anders klingt "starkes-bamberg.de".

Die Konkurrenz

Gegenkandidat Christian Lange setzt auf eine Doppel-Strategie: "Ich werbe für mich als Person, aber selbstverständlich auch für meine CSU", sagt er. Zum einen bekenne er sich klar zu seiner politischen Heimat. Zum anderen halte er es angesichts der großen Aufgaben wie Bahnausbau und künftige Nutzung des Muna-Geländes für wichtig, "jemanden von der CSU im Rathaus zu haben". Denn ein Unionspolitiker könne mehr im Freistaat erreichen. Und Lange pflege gute Kontakte zur Staatsregierung.

Auch Jonas Glüsenkamp wolle bald im Blattgrün seiner Partei für sich werben. Allerdings nicht mit dem gleichen Namen wie die Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen, sondern mit "Grünes Bamberg", früher "Grüne Alternative Liste". "Das liegt daran, dass unsere Partei in Bamberg älter ist als die Bundespartei", begründet der Oberbürgermeister-Kandidat. Initiativen wie die für den Hauptsmoorwald und das Kontakt-Festival sollen beim Bamberger Ableger eine politische Heimat finden und sich aufstellen lassen können, ohne Mitglied der Bundespartei zu sein. Dennoch: Die derzeit ohnehin positiv behaftete Farbe Grün wird sein Plakat dominieren. Warum setzt Starke auf eine andere Strategie als seine größten Konkurrenten?

"Letztlich halte ich das für einen Versuch, sich vom negativen Trend der Partei SPD zu distanzieren", schätzt Ulrich Sieberer, Professor für empirische Politikwissenschaft an der Uni Bamberg. Nach neuesten Umfragen liegt die Bundes-SPD bei 13,6 Prozent - nicht unbedingt die Zahlen einer Volkspartei. Ulrich sieht auch gute Chancen, dass die Strategie aufgeht, "bei einem persönlich bekannten Amtsinhaber wie Herrn Starke". Und zu verlieren gebe es auch nichts: "Er wird keine Stammwähler verprellen, nur weil das Plakat nicht sofort mit der SPD assoziiert wird."

Wer alte Wahlplakate des seit 1988 in Bamberg kandidierenden Andreas Starke sieht, erkennt: Der derzeitige Amtsinhaber warb sowohl zu glanzlosen wie zu glanzvollen Zeiten der Bundes-SPD ohne deren Logo. Gibt es da seitens der Partei keine Richtlinien? "Es gibt ein internes Gestaltungskonzept, das wir empfehlen und das auch von vielen vor Ort übernommen wird", schreibt ein Sprecher der Bayern-SPD auf Nachfrage. "Allerdings ist der Wahlkampf eben auch einer vor Ort und entsprechend vielfältig sind die Kampagnendesigns."

Starkes Erklärung

"Seit vielen Jahren mache ich auf Wahlplakaten deutlich, dass es sich bei der Kommunalwahl um eine Persönlichkeitswahl und nicht um eine Parteiwahl handelt", erklärt der Amtsinhaber seine Strategie. "Ich will damit deutlich machen, dass ich für jeden wählbar bin." Darauf setzte er auch schon 1994 mit dem Slogan "Der Oberbürgermeister für alle", das Wort "alle" unterstrichen. Stadtpolitik habe laut Starke nichts mit Bundespolitik und -Partei zu tun: "Wir verantworten, organisieren und entscheiden selbst." Dass Starke für die SPD kandidiert, "weiß in Bamberg ohnehin jeder. Ich werbe als Person um das Vertrauen der Bürger."

Umgekehrt setzte die Bamberger SPD im Jahr 2014, als Stadtrats- und OB-Wahlen noch getrennt abgehalten wurden, auf Starke als Zugpferd für ihre Liste: "Wer Starke will, wählt SPD", war der Slogan. Orange die dominierende Farbe. Sie ziert Starkes Plakate seit 2006, seiner ersten erfolgreichen OB-Wahl. Zu einer Zeit, als die Orange Revolution in der Ukraine Hoffnung weckte. Da gebe es aber keinen Zusammenhang, so Starke. Die Farbwahl sei rein ästhetischer Natur und "hat inzwischen einen Wiedererkennungswert geschaffen, der auch die jetzige Kampagne dominiert". Seit kurzem prägt die Farbe auch das Logo der Stadt Bamberg. "Damit will er suggerieren: Bamberg ist Starke-Stadt. Das finde ich schwach", kommentiert Herausforderer Glüsenkamp.

Starke glaubt, mit seiner parteifreien Werbestrategie nicht alleine zu sein: Es gebe viele OB-Kandidaten, die auf das Logo ihrer Partei verzichten. Nennen könne er spontan allerdings keinen.