Ob Robert Bosch mal in Bamberg war? "Wohl nicht", meint Hans Hoffmann. Der kaufmännische Werkleiter des Standorts Bamberg sitzt da, wo vor 75 Jahren alles begann: ein markanter Ziegelsteinbau an der Robert-Bosch-Straße, in dem sich Werkleitung und Verwaltung befinden.

Anfang 1939, drei Jahre vor dem Tod ihres Gründers, hatte sich die Firma Bosch auf die Suche nach einem Standort gemacht, um die in Stuttgart-Feuerbach angesiedelte Zündkerzenfertigung zu erweitern. Die Wahl fiel auf Bamberg. Hier gab es geeignete Industriebauten und ein erweiterungsfähiges Gelände. Das erste Außenwerk der Firma entstand.

Heute ist dieser Bosch-Standort nach Feuerbach das zweitgrößte inländische Werk. Rund 7500 Menschen arbeiten in Bamberg für Bosch, davon knapp 300 Auszubildende. Die Produktion ist verteilt über vier Werkteile, auf einer Nutzfläche von etwa 235 000 Quadratmetern.

Wer auf die Anfänge schaut, merkt schnell, wie eilig die Produktion in Bamberg aufgebaut wurde. Im Herbst 1939 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet, im Dezember 1940 lieferte das Bamberger Werk bereits die ersten Zündkerzen aus. Die Zündkerze war in Kriegszeiten ein wichtiges Produkt. So wichtig, dass ihre Fertigung vor feindlichem Beschuss geschützt werden musste: von August 1944 bis Juni 1945 verlegte Bosch den Betrieb in eine Stollenanlage am Bamberger Stephansberg.

Von 200 bis 8000 Mitarbeiter

Hoffmanns Einschätzung, dass Robert Bosch mit den Anfängen in Bamberg nichts zu tun hatte, ist nahe liegend. Der 1861 geborene Entwickler des Magnetzünders hatte sich schon 1926 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.

Nach Kriegsende übernahm Bamberg die restliche Zündkerzenfertigung aus dem Kerzenwerk in Feuerbach. Was anfangs mit etwa 200 Beschäftigten begonnen hatte, steigerte sich nach und nach. 1964 produzierten in Bamberg bereits 3800 Menschen Kfz-Produkte für Bosch. Außer der Zündkerze kamen nun Düsen und Einspritzventile für Benzinmotoren hinzu.

Nachdem Ende der 1970er Jahre im Norden der Stadt ein 25 Hektar großes Grundstück erworben worden war (der heute größte Werkteil 4), ging die Zahl der Mitarbeiter sprunghaft nach oben. 1984 waren es 6200, 1986 wurde erstmals die Marke von 7000 Beschäftigten überschritten.

In der Regel waren es in der Vergangenheit stets neue Produkte, die bei Bosch in Bamberg für einen Schub an Aufträgen und damit für zusätzliche Mitarbeiter sorgten. Wichtigstes Beispiel ist in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre das Common-Rail-System für Dieselmotoren. Unter anderem diese neue Technik brachte es mit sich, dass vor rund zehn Jahren bei Bosch in Bamberg mehr als 8000 Menschen beschäftigt waren - der bisherige Höchststand.

Die Bedeutung Bambergs innerhalb der Kfz-Technik-Sparte von Bosch ist seit langem eine exponierte. Der Standort ist Leitwerk für 19 Fertigungsstandorte in elf Ländern. Hier starten neue Produkte und werden, wenn die Fertigung ausgefeilt ist und stabil läuft, an andere Standorte übertragen - in der Türkei, in China oder auch in den USA.

Die Zündkerze, mit der alles begann, spielt immer noch eine Rolle. "Wir fertigen rund 1600 Varianten von Zündkerzen", berichtet Bernd Gschaider, Hoffmanns Kollege in der Werkleitung und für die Technik zuständig. Etwa 1000 Mitarbeiter seien damit betraut. Rund 500 000 Exemplare liefen jeden Tag in Bamberg vom Band. "Die Anforderungen an Zündkerzen sind in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen", sagt Gschaider. Heute produziere man Doppelplatin-Zündkerzen mit einer Laufleistung von 80 000 bis 100 000 Kilometer. Die Herausforderung dabei: Kleinere Motorräume erforderten ständig kleinere und schlankere Zündkerzen.

Marktlage in Südwesteuropa gut

Täglich 38.000 Hochdruckeinspritzventile und 16 000 Common-Rail-Injektoren sowie 100.000 Sensorelemente: Die aktuellen Bamberger Zahlen deuten auf eine gute Auftragslage hin. "Unsere Leute sind ausgelastet. In mehreren Bereichen fahren wir Samstags- und Sonntagsschichten", berichtet Hoffmann. Vor allem in Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien sei die Nachfrage inzwischen wieder hoch - vor allem nach Dieselfahrzeugen.

An einer denkbaren Zukunft für den Standort wird inzwischen im Hauptwerk gearbeitet. Dabei geht es erstmals nicht um Verbrennungsmotoren, sondern um Hybridantriebe. Das Produkt ist rund 120 Kilogramm schwer und 1,20 Meter breit. Ein Batteriesystem. Mehrere hundert Teile werden zusammengebaut. Modul für Modul wird aneinandergereiht, und es entsteht ein sogenannter Batterie-Pack. Aktuell als Antrieb für die Porsche-Hybrid-Reihen Panamera, Cayenne und Spyder. "Seit gut einem Jahr liefern wir an Porsche", berichtet Gschaider. Rund 50 Packs würden die 160 Mitarbeiter in dieser Sparte derzeit täglich fertigen.

Im Moment werden die Batteriezellen zugekauft - aus Korea. "Aber wir wollen die Technik von Anfang an verstehen", sagt Gschaider. Die Produktion von Zellen sei ein Zukunftsszenario.

Bosch-Produkte aus Bamberg


Zündkerzen
Womit alles begann, das spielt auch heute noch eine Rolle: Unzählige Varianten von Zündkerzen werden in Bamberg Tag für Tag produziert und landen später in den Ottomotoren verschiedenster Autohersteller. Knapp neun Milliarden Exemplare dürften es seit Fertigungsbeginn im Jahr 1940 inzwischen sein.

Einspritzsysteme Die von Bosch in Bamberg gefertigten Ventile und Injektoren schaffen es, hohe Drücke zu erzeugen sowie Einspritzbeginn und
-menge exakt zu steuern. Diesel- und Ottomotoren laufen mit dieser ständig weiterentwickelten Direkteinspritzung leiser, sparsamer und sauberer. Auch Systeme für Erdgasantriebe werden in Bamberg produziert.

Sensoren Das Sensorelement für die Lambda-Sonde wird seit 1998 in Bamberg gefertigt. Das 60 Millimeter lange Teil aus Keramik und Platin misst später im Abgasstrang des Motors den Sauerstoffgehalt - ein Indiz für die Qualität der Verbrennung.

Batterie-Packs Das neueste Bamberger Produkt sind Hochvolt-Batterien für Hybridantriebe. Seit zwei Jahren beschäftigt man sich intensiv damit. Aktuell arbeiten 160 Mitarbeiter an diesen Batteriesystemen.