Vor sechs Jahren hatte Thomas Söder (CSU) als Bürgermeisterkandidat in Hallstadt nur einen Gegner. Aber der war immerhin der Amtsinhaber. Söder sammelte 53,9 Prozent der Stimmen und zog ins Rathaus ein - das damals noch provisorisch im Bürgerhaus untergebracht war. Nun hat er als Amtsinhaber gleich drei Herausforderer.

Heiko Nitsche, langjähriger Stadtrat will für die SPD das Rathaus zurückerobern. Die Sozialdemokraten stellten mit Erwin Braun und Markus Zirkel von 1996 bis 2014 den Hallstadter Bürgermeister.

Der Bürgerblock (BBL/FW), oft Zünglein an der Waage, schickt dieses Mal wieder einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Stadtrat Herbert Diller strebt auf den Chefsessel im Rathaus, den als Zweiter Bürgermeister bislang sein Fraktionskollege Ludwig Wolf nur stellvertretend besetzt.

Neu dabei sind in Hallstadt die Grünen. Damit kommt nicht nur eine vierte Stadtratsliste ins Spiel, sondern auch eine weitere Bürgermeisterkandidatin: Verena Luche. Und sie geht gleich mit einem Frontalangriff ins Rennen ums Rathaus: "In den sechs Jahren wurde leider nichts wirklich Neues begonnen, sondern es wurden nur laufende Projekte abgearbeitet", sagt Luche auf die Frage, was sie als Bürgermeisterin anders machen würde als ihr Vorgänger.

Grünes Stadtzentrum

Von den Themen, die die Landschaftsarchitektin Luche anpacken möchte, steht "an vorderster Stelle die wirtschaftliche und soziale Belebung des Stadtzentrums mit einem umfassenden und kompetenten Begrünungskonzept". Ein anderes wäre "die Umsetzung eines wirkungsvollen und messbaren Klimaschutzes". So sollen bei Bauprojekten "klimarelevante Faktoren" berücksichtigt werden. Außerdem müsse Hallstadt "unnötige Versiegelung vermeiden und Entsiegelung vorantreiben".

Von "Stillstand" will Amtsinhaber Thomas Söder natürlich nichts wissen. Er beklagt zwar Verzögerungen durch "zeitraubende Bürokratie und Vorschriften", etwa beim Hochwasserschutz. Ansonsten sieht er "viele große und kleinere Errungenschaften in unserer Stadtpolitik" als Erfolge. Anpacken will Söder bei der "Nachnutzung und Neuplanung" für das Michelingelände. "Die Verhandlungen mit Michelin laufen auf allen Ebenen", sagt Söder.

Bauen und Wohnen

Eine weitere Herausforderung sei es, bezahlbaren Wohnraum für Familien zu schaffen. Deshalb will er "Wohnungsleerstand durch Förderanreize entgegenwirken und Baulücken im Stadtgebiet schließen". "Nachhaltigkeit im Umgang mit unserer Umwelt und Natur", will Söder mit "mehr E-Mobilität durch ein flächendeckendes Ladenetz im Stadtgebiet, mehr Grün, weniger Versiegelung durch Förderung der Stadt bei Neubauten, Sanierungen und Rekultivierungen" erreichen.

Heiko Nitsche sieht Wohnungsbaupolitik und Infrastruktur als vorrangige Handlungsfelder. So will er zum Beispiel "städtische Grundstücke dem bedarfsgerechten Wohnungsbau zuführen". Leerstände sollen beseitigt und ein Wohnraummanagement eingeführt werden. Die Infrastruktur - Straßen, Wasser, Kanal - will Nitsche "kontinuierlich ausbauen und verbessern". Dabei helfen soll die "Einführung eines Straßenzustandsberichts".

Ein weiteres heißes Eisen für Nitsche: Über das Thema Bebauungsplan Ertl und Normenkontrollklage will er "umgehend Gespräche mit der Stadt Bamberg führen". Thema für ihn ist auch die "Verkehrsführung im Gewerbegebiet Hafen/Laubanger".

Wohnen ist auch für Herbert Diller das vordringlichste Thema. "Wohnraum schaffen für alle Altersklassen und sozialen Schichten, vor allem auf Grundstücken und in Immobilien, die bereits in städtischer Hand sind", ist sein Ziel. Ein zweites Hauptanliegen ist ihm die "kommunale Jugendarbeit", die er "komplett neu überarbeiten" will. Auf seiner Agenda hat Diller auch den Tourismus. Für den will er "Zukunftschancen entwickeln, die auch die gewachsene Kultur in Hallstadt erhalten und wiederherstellen".

Kurzinterviews mit den Kandidaten sowie alle Stadtratslisten auf