Seit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine herrscht in vielen Ländern ein Ausnahmezustand. Ein Krieg unmittelbar in Europa lässt Menschen gedanklich 33 Jahre in der Zeit zurückfallen. In eine Zeit vor einem vereinten Deutschland, einer Trennung in Ost und West als sich beide Seiten belauerten. 

Auch in Deutschland ist die Auseinandersetzung nicht spurlos vorbeigegangen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte erst am 27. Februar an, rund 100 Milliarden Euro an sogenanntem "Sondervermögen" in die Bundeswehr zu investieren. Doch nicht nur Regierungen beschäftigen sich mit Fragen der Sicherheit, auch in den Städten suchen Menschen Antworten auf die Frage, wo im Fall der Fälle Schutz gesucht werden kann. 

Für den Ernstfall: Gibt es in Bamberg Schutzräume? 

In der Stadt Bamberg gibt es von ursprünglich 11.000 Schutzplätzen noch rund 5.400. "Trotz der erheblichen Einsparmaßnahmen des Bundes in den vergangenen 20 Jahren", heißt es von der Stadt.  In Folge Einsparungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte und fehlenden Investitionen müsse allerdings der technische Zustand der Schutzanlagen, zumindest teilweise, kritisch hinterfragt werden. Zusätzlichen Schutz bieten dagegen Tiefgaragen, über denen Gebäude stehen, sowie Keller in Wohnhäusern. 

Die folgenden Schutzräume gibt es nach aktuellem Stand in der Stadt Bamberg:

  • Mehrzweckanlage Magazinstraße (425 Plätze)
  • Mehrzweckanlage Berliner Ring (1.951 Plätze)
  • Mehrzweckanlage Trimbergstraße (1.596 Plätze)
  • Mehrzweckanlage Weidendamm (317 Plätze)
  • Mehrzweckanlage Birkengraben (419 Plätze)
  • Mehrzweckanlage Sutristraße (248 Plätze)
  • Schutzraum Wielandstollen (455 Plätze)

Durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine gebe es in Europa und auch Deutschland eine Neubewertung der Sicherheitslage sowie eine neue Ausrichtung des Bevölkerungsschutzes. "Neben verstärkten Investitionen in die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr müssen aus kommunaler Sicht auch zwingend wieder erhebliche Investitionen in den Zivilschutz getätigt werden", erklärt der Sicherheitsreferent der Stadt Bamberg, Christian Hinterstein. Das Ziel müsse es sein, wieder mehr Schutzmöglichkeiten in Deutschland und auch in Bamberg zu schaffen.

Akustische Warnsignale in der Stadt Bamberg gibt es nicht mehr

Akustische Warnsignale gibt es im Bamberger Stadtgebiet nicht mehr. Die vorhandenen Sirenen in Bamberg waren ausschließlich für die Bevölkerungswarnung auf Bundeskosten errichtet und betrieben worden. Diese Anlagen wurden Anfang der 1990er-Jahre aufgrund der damaligen Neubewertung der Sicherheitslage nach Ende des "Kalten Krieges" auf Kosten des Bundes abgebaut. Auf der Luitpoldschule blieb eine Sirenenanlage zurück, um bei einem Störfall im Flüssiggaslager des Spitzenlastheizkraftwerkes in der Coburger Straße die Bevölkerung warnen zu können. Als dieses Lager geschlossen wurde, brauchte es die Sirene nicht mehr. Sie ist mittlerweile außer Betrieb.

Mehr zum Thema:

Als Alternative arbeitet die städtische Verwaltung derzeit einen Vorschlag, wie wieder eine flächendeckende Bevölkerungswarnung im Stadtgebiet aufgebaut werden kann. Dabei handelt es sich um eine Zeit- und Maßnahmenplanung mit einer ersten Kostenschätzung. Sie soll als Grundlage für die Anmeldung von Haushaltsmitteln dienen. "Die Starkregenkatstrophe in der Region um Ahrweiler vergangenes Jahr hat die Bedeutung einer Warninfrastruktur deutlich aufgezeigt", meint Hinterstein. Gleichzeitig betont er, dass im Stadtgebiet die Notfallalarmierung der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten bislang immer sehr gut funktioniert habe, auch ohne Sirenenanlagen.

Laut Angaben der Stadt Bamberg könnten auch ohne Sirenenanlagen sehr viele Menschen in Bamberg im Ernstfall erreicht werden. Man räumte jedoch auch ein: "Eine lückenlose Warnung ist mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln nicht herzustellen." Und weiter: "Allerdings können dies auch Sirenen nicht garantieren, beispielsweise bei Isolierglasscheiben, Kopfhörern und taubstummen Menschen."

Ersatz für Sirenen sind Online-Plattformen, Apps und Social-Media

Als Sirenenersatz seien in Bamberg etwa sechs mobile Warnanlagen möglich, die derzeit eingesetzt werden könnten. Dazu werden vier Feuerwehrfahrzeuge mit Durchsageverstärker und Außenlautsprecher genutzt und zwei weitere Fahrzeuge, auf die Lautsprecheranlagen montiert werden können. Eine Anlage sei jedoch gerade defekt und werde neu gekauft. 

Zusätzlich könne man die Menschen über verschiedene digitale Plattformen und Medien im Katastrophenfall informieren, etwa:

  • Veröffentlichungen auf den städtischen Plattformen im Internet (Social-Media-Kanäle und Homepage der Stadt Bamberg)
  • Eilnachrichten in den lokalen Medien (Internet-Portale, Rundfunk, Fernsehen)
  • (amtliche) Gefahrendurchsagen im Rundfunk und Fernsehen über die Einsatzzentralen der Polizei
  • Hinweise über das modulare Warnsystem des Bundes (MOWAS vS/E), das aktuell die staatliche WarnApp Nina und weitere private WarnApps mit Warnmeldungen beliefert. Nach den Planungen des Bundes sollen über MOWAS in Zukunft auch weitere Verbreitungswege erschlossen werden (digitale Werbetafeln, DAB+-Radios, Navigationsgeräte, Verkehrsinformationssysteme, In-Car-Computersysteme, Smarte Laternen, auf Wunsch Smart Home etc.)