Manfred Neumann macht sich Sorgen. Wenn sich der 81-jährige Mann aus Memmelsdorf an die Sommer in seinen Kinder- und Jugendtagen zurückerinnert, dann kommen dabei immer wieder gewaltige Gewitter mit Blitz, Donner und kräftigen Hagelgüssen vor. Auch lang anhaltender Landregen war kein seltenes Ereignis. Und heute? Kommt im Sommerhalbjahr kaum noch Regen auf dem Boden an. Alles trocknet sichtbar aus. Neumann hat das Gefühl, dass immer noch zu viele Menschen glauben, dass diese Veränderung keine Folgen haben wird: "Wasser ist ein knappes Gut. Wir gehen zu verschwenderisch damit um."

Tatsächlich spielt sich vor unseren Augen bereits der dritte Sommer in Folge mit lang anhaltender Wasserknappheit ab - eine in dieser Dimension Jahrzehnte nicht erlebte Reihe. Zwar sah es noch im Juni so aus, als ob 2020 aus einem anderen Holz wäre als die sonnenverbrannten Jahre 2018 und 2019, in denen viele Parkbäume schon Ende Juli die Blätter abwarfen. Doch nach einem kurzen Regenintermezzo zogen der Juli und nun auch der August 2020 wieder die bekannten Register: Sonne ohne Ende, überdurchschnittliche Temperaturen und Regen als rare Ausnahme. Bis zum gestrigen Freitag verzeichnete die Bamberger Wetterwarte nur 44 Liter Regen in den beiden Sommermonaten - weniger als die Hälfte des langjährigen Mittelwerts und viel zu wenig für die dürstende Pflanzenwelt.

Die Folgen des Wandels sind überall zu sehen: Wieder werfen die Bäume im Sommer Blätter ab, Nadelbäume siechen offenkundig dahin, die Böden sind selbst nach Regenfällen im Handumdrehen wieder trocken.

Es ist eine verständliche Mischung aus wachsender Resignation und eisernem Durchhaltewillen, mit der das Bamberger Gartenamt nun schon dem dritten Hitzesommer in Folge begegnet. Mit etwas Gießen ist es nicht mehr getan. Immer öfter müssen Wassermengen von 200 Litern pro Pflanzloch ausgebracht werden, um gefährdete Straßenbäume vor der Hitze zu retten. Schon in den letzten beiden Jahren waren die Verluste groß, besonders im Hainpark und entlang der Straßen vermehrten sich die Baumgerippe.

Der Kampf mit der Dürre treibt viele Menschen in der Region um, nicht nur Waldbesitzer. Immer wieder rufen Gartenfreunde bei der Stadt an und fragen um Rat, was sie tun können, um ihre Fichten, Ahornbäume und sogar Eichen zu erhalten. Ein Problem, das Rüdiger Frank vom Gartenamt sieht, ist nicht leicht zu lösen: Man kann noch so viel Wasser oben reinschütten, wenn sich unten der Grundwasserstrom mehr und mehr ausdünnt.

Am historischen Tiefststand

Tatsächlich sinken die Grundwasserstände in unserer Region nach einem kurzen Aufbäumen im Frühling auch in diesem Sommer wieder ins Bodenlose. Nur noch zehn Zentimeter trennen beispielsweise den Pegel Gundelsheim vom historischen Tiefststand im November 2019. Und selbst im wasserverwöhnten Auslauf des Hauptsmoorwaldes im Bamberger Osten nimmt die Trockenheit in der Tiefe merklich zu.

Dabei sieht es im Boden schlimmer aus, als es die Daten der Bamberger Wetterwarte vermuten ließen. Denn es sind ja beileibe nicht alle zurückliegenden Jahre von Wassermangel geprägt gewesen. Wer bis zum trockenen Sommer 2015 zurückblickt, errechnet nach den Werten des Deutschen Wetterdienstes für Bamberg ein aufgelaufenes Niederschlagsdefizit von etwa 310 Litern pro Quadratmeter, immerhin ein Minus von zehn Prozent. Geht man aber bis zum niederschlagsreichen Jahr 2010 zurück sind es nur 40 Liter, die gegenüber dem von etwa 630 Litern im Jahr fehlen - im Zeitraum der letzten 10,5 Jahre.

Doch wie kommt es dann zum massenhaften Baumsterben und dem Rückgang der Grundwasserspiegel? Klimaforscher Thomas Foken aus Bamberg weist neben der Häufung der Hitzesommer seit 2015 auf weitere Gründe hin, die für die Dürre verantwortlich sind. So spricht er von einer stark gestiegenen Verdunstungsrate - eine Folge der vielen sonnigen und auch windreichen Frühlingsmonate, die wir zuletzt erlebt haben. Die Feuchtigkeit auf der Erdoberfläche wird aber nicht nur schneller aufgezehrt. Es ist gleichzeitig die Leitfähigkeit des Bodens, die durch die Extremsommer 2018 und 2019 nachhaltig gestört wurde. Mit anderen Worten: Das wenige, was an Nass noch vom Himmel fällt, dringt nicht mehr bis unten durch. Hört man Foken, dauert es lange, bis sich der Boden von diesem Schock wieder erholt haben wird. So kommt es, dass die Dürre der Vorjahre selbst dann noch nachwirkt, wenn es längst wieder angefangen hat zu regnen.