In der Ecke des weißen Pavillonzeltes steht noch das warme Essen, eine Gitarre weckt Erinnerungen an Zeltlagerromantik. Doch es ist kein Urlaub, der die drei iranischen Studenten auf den Markusplatz geführt hat, eher der Versuch, den Menschen die Augen zu öffnen, gerade weil sie sie vor dem Thema Asyl gerne verschließen. Und es funktioniert. Da sind nicht nur die Berichte in den Medien, die Veranstaltungen mit Interessengruppen, die gut besuchten Demonstrationen.

Am Mittwoch hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Anlass genommen, seine Solidarität mit den drei iranischen Flüchtlingen in Bamberg zu erklären. Wenn Flüchtlinge isoliert am Rande der Gesellschaft untergebracht werden, so dass sie den Lebenswillen verlieren, sei das ein Verstoß gegen die Menschenwürde, formulierte der katholische Oberhirte.

Auch der evangelischen Kirche ist das Schicksal der Bamberger Asylbewerber nicht gleichgültig. Heute wird deshalb der bayerische Landesbischof Heinrich Beford-Strohm die Flüchtlinge auf dem Markusplatz besuchen. Die Forderungen der Asylbewerber sind nach Ansicht des Bischofs im Kern richtig. Die Zeit, die sie in Gemeinschaftsunterkünften verbringen müssten, sei zu lang, ließ der Bischof vorab wissen.

Die jungen Leute selbst fühlen sich nach 19 Tagen auf dem Markusplatz fast ein wenig heimisch in der Stadt, in die es sie verschlagen hat. Am Heinrichsfest hatten sie Gelegenheit, den Dom zu besichtigen, und sie haben es sehr genossen. "Die Bamberger leben in einer schönen Stadt und sind sehr freundlich zu uns. Viele unterstützen uns, nehmen Kontakt auf und versuchen uns zu helfen. Wir sind dafür dankbar und glücklich", sagt der 25-jährige Hadi Ghaeni.

Taschengeld schlagen sie aus

Was halten die Iraner von der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts? Auch hier fällt sofort das Wort Dankbarkeit. Der Beschluss sei richtig, allerdings löst es nicht das Problem, das Hadi Ghaeni, Askhan Delanvar und SiamakWosoughi Parsa zum Protest antreibt. Sie schlagen das ihnen zustehende Taschengeld deshalb seit Juli kategorisch aus und bleiben bei ihren Forderungen, die vor allem auf soziale Teilhabe zielen. Deshalb verlangen sie, dass die Asylverfahren in Deutschland beschleunigt werden. Sie möchten lieber arbeiten als ein Taschengeld zu erhalten. "Teilhabe ist uns wichtiger als Geld", sagt Ghaeni.

Für Missverständnisse hat die Kritik an der Situation in einem Gästehaus in Roßdach im Landkreis Bamberg gesorgt. Dabei bezog sich der Kern der Vorwürfe weniger auf die Unterbringung von bis zu vier Personen in einem Raum - ohne Chance auf Privatsphäre, auf die Tatsache, dass es nur zwei Küchen für 22 Personen gibt, und den langen Weg zum nächsten Supermarkt. Es ist der soziale Kontakt zu den Mitmenschen, der Austausch mit Interessierten, der in einem 80-Seelen-Ort naturgemäß viel kleiner ausfällt als in einer Stadt.

Deshalb fühlen sich die drei jungen Männer derzeit wohler als je zuvor in ihrer schwierigen Zeit in Deutschland . Sie können sich vorstellen, das Protestcamp auch über den 29. Juli hinaus fortzusetzen. Doch darüber ist noch nicht entschieden.

Die Freiheit und das Geld

Ob sie verstehen können, dass manche Bürger in der Region mit ihrem Protest nicht einverstanden sind, weil es auch in Deutschland viele ungelöste Probleme gibt, wollten wir von ihnen wissen. Um das zu beurteilen, fehlt den Dreien wohl die Deutschlanderfahrung: "Unser Protest dreht sich nicht um Geld. Die Deutschen haben die Freiheit, dorthin zu gehen, wo sie wollen", sagt Hadi Ghaeni.

Dass es beileibe nicht nur Unterstützer der Protestaktion gibt, zeigt der Blick auf unser Internetportal www.infran ken.de ("Iraner protestieren am Markusplatz"). Dort haben von über 500 Teilnehmern bei einer nicht repräsentativen Umfrage 66 Prozent dafür gestimmt, dass Asylbewerber mit dem Vorlieb nehmen müssen, was ihnen der deutsche Staat anbietet, auch wenn es nicht immer optimal ist. Nur 33 Prozent finden die Kritik an der Unterkunft in Roßdach berechtigt. Äußerst kontrovers wird das Thema im Meinungsforum diskutiert. Über 60 Kommentare beschäftigen sich mit den Forderungen der Asylbewerber.

Kommentar von Michael Wehner :
Natürlich haben die drei das Recht, gegen ihre Behandlung und die vieler anderer Asylbewerber zu protestieren. Die Asylpolitik in diesem Land ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Der Staat nimmt seine Verpflichtung nach der Verfassung vielfach nur sehr halbherzig wahr. Flüchtlingspolitik mit dem Ziel der Abschreckung zu betreiben, hat zu teilweise erschreckenden Zuständen in den Unterkünften und zu einer nicht hinnehmbaren Verschleppung vieler Verfahren geführt. Selbst wenn es nicht so wäre, hätten die jungen Leute unser Mitgefühl verdient. Ein schweres Schicksal hat sie nach Bamberg verschlagen. Wer verlässt schon gerne unter Lebensgefahr seine Heimat? Allerdings sollte es hellhörig machen, dass auch die Kritik an der Kritik nicht abreißt und sich so viele Bürger über die aus ihrer Sicht überzogenen Forderungen der Iraner empören. Dahinter stecken keine Ressentiments, wie manche glauben machen wollen. Es sind die sozialen Brüche im eigenen Land, die sich hier wie in einem Brennglas offenbaren. Selbst im angeblich so gut situierten Bayern gibt es eine große Unzufriedenheit. Darüber, dass die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht, dass sie die Schwachen im eigenen Land nicht genügend schützt. Nicht vor denen, denen es noch schlechter geht. Vor dem Geschäftsgebaren einer vielfach seelenlos gewordenen Wirtschaft. Noch immer gibt es in Deutschland keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, müssen immer mehr Menschen ein bescheidenes Dasein fristen: mit Minijobs, befristeten Verträgen, in ausbeuterischer Leiharbeit. Und während die einen das Damoklesschwert von Hartz IV im Nacken nie mehr loswerden, werden Banken gerettet, hält sich die Reichtumspflege und Elitenförderung auf höchstem Niveau. Das ist der große Konflikt hinter dem kleinen, und ersterer betrifft nicht nur ein paar Tausend Menschen, sondern Millionen. Eines können die Inländer von den jungen Iranern allerdings lernen: Nur wer auf den Putz haut, findet Gehör.