Jetzt haben auch Bambergs Stadtwerke die Katze aus dem Sack gelassen. Eine Durchschnittsfamilie trifft es mit 144 Euro. Großverbraucher müssen sogar 200 Euro im Jahr mehr hinblättern. Die Rede ist von der neuen Preisrunde beim Strom, die bundesweit elektrische Energie für mehr als die Hälfte aller Einwohner teurer macht. Bamberg ist da keine Ausnahme, eher im Gegenteil. Die knapp 50.000 Tarifkunden, die in Bamberg und in Hallstadt vom stadteigenen Tochterunternehmen Strom beziehen, müssen ab Januar 10,1 Prozent und ab April 15,6 Prozent mehr für elektrische Energie hinblättern.

Das entspricht einem Jahresschnitt von 14,22 Prozent und liegt deutlich über der Marke, die das Verbraucherportal Verivox bei einem Deutschland-Vergleich ermittelt hat. Demnach verlangen die 500 Energieunternehmen, die Preiserhöhungen für Januar ankündigen, zwölf Prozent - im Mittel.

Grund für die seit langem größte Preiswelle beim Strom ist eine ganze Reihe von gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben, die zum Jahreswechsel anfallen, unter anderem für den Ausbau der erneuerbaren Energien (EEG) und staatlich festgelegte steigende Netznutzungsentgelte. Kein singulär Bamberger Problem, findet Jan Giersberg von den Stadtwerken. Wie er sagt, stehen alle Energieanbieter im Land vor dem gleichen Problem. "Sie müssen die Kosten an die Kunden weitergeben, wenn sie keine roten Zahlen schreiben wollen."

Doch fragt man bei Experten, dann ist es nicht so, dass die rechnerische Verteuerung von Energie durch die gesetzlichen Auflagen von rund 13,5 Prozent von allen Stromanbietern gleichermaßen weitergegeben wird. Da wären etwa die Stadtwerke Bad Wörishofen, die nur 8,5 Prozent drauflegen oder die Stadtwerke Fürstenfeldbruck, die sich mit acht Prozent bescheiden. Auf der anderen Seite stehen freilich die Stadtwerke Infra Fürth, die ihre Kunden im nächsten Jahr mit 18,6 Prozent zusätzlich belasten. Und auch das Ausgangsniveau ist völlig unterschiedlich: "Wir sehen, dass auch vergleichsweise günstige Anbieter die steigenden Kosten nicht in vollem Umfang weitergeben. Das zeigt uns, dass es geht", sagt Jürgen Scheurer von Verivox.

Für preiskritische Verbraucher ist es nichts Neues, dass Bambergs Stadtwerke nicht zu den besonders günstigen Anbietern von Strom zählen Das lässt sich im Internet mit wenigen Klicks ermitteln. In der aktuellen Liste von Verivox (Stand Dienstag) liegt das Grundversorgungsangebot der Stadtwerke, 3500 Kilowattstunden für 925 Euro, auf Platz 187 bei 288 Anbietern. Zum Vergleich: Der Stadtwerke-Energieverbund Kamen verlangt für dieselbe Menge Ökostrom nur 847 Euro, was einer Einsparung von 77 Euro entspricht. Nochmal deutlich günstiger bietet etwa der Discounter Stromio GmbH seinen Ökostrom "Grünstrom 12" an: Hier fallen nur 725 Euro an, obwohl Stromio ebenso wie der Stadtwerkeverbund aus Kamen die Erhöhung der EEG-Zulage bereits berücksichtigt haben. Zudem verlangen sie entsprechend der Verbraucherschutz empfehlungen weder Vorauskasse noch Kaution, verfügen über kurze Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten und locken sogar mit einer Preisgarantie für zwölf Monate.

Die Bamberger Stadtwerke können diese Zahlen nicht wirklich beeindrucken: "Wir möchten nicht der Billigheimer sein. Dafür bieten wir unseren Kunden etwas, was viele Discounter nicht offerieren können", sagt Jan Giersberg. Dazu zählt der Sprecher der Stadtwerke nicht nur Verlässlichkeit, den Service vor Ort und die persönliche Beratung, sondern auch eine gewisse Großzügigkeit, wenn es um die finanzielle Situation der Kunden nicht zum besten bestellt ist: "Wir helfen schon mal, wenn Tilgungspläne nötig sind, und unsere Bonitätsanforderungen sind auch nicht so hoch wie die von Wettbewerbern, die keinen Vertrag anbieten, wenn die Zahlen nicht stimmen."

Gleichwohl stecken natürlich auch die Stadtwerke in einem beinharten Wettbewerb, der ihnen schon manchen Kunden abspenstig gemacht hat. 1998, als der Strommarkt liberalisiert wurde, da lag die Marktabdeckung des städtischen Energieunternehmens noch bei 100 Prozent. 55.000 Tarifkunden bezogen damals ihren Strom über die Stadtwerke. Inzwischen ist die Zahl auf unter 50.000 geschrumpft.

Eine bedrohliche Tendenz? Im Bamberger Stadtrat gibt es seit längem kritische Stimmen, die mit dem Kurs der Stadtwerke nicht mehr zufrieden sind. Das Energieunternehmen kümmere sich zu wenig um sein Kerngeschäft und verzettele sich in städtischen Projekten, die nicht zu den eigentlichen Aufgaben gehören, lauten die Vorwürfe etwa aus der grünen Fraktion.
Als Aufsichtsrat der Stadtwerke hat auch Dieter Weinsheimer der Preiserhöhung zugestimmt - wie alle seine Kollegen. Es habe keine Alternativen gegeben, sagt der Freie Wähler: "Um mehr von den staatlichen Abgaben abzufedern, reichen die Ressourcen nicht." Weinsheimer glaubt nicht, dass die Verbraucher Verständnis für die Ursachen der "drastischen Preisanhebung" aufbringen: "Für die Bürger ist es eine Preiserhöhung, egal wer sie verursacht hat." Dass dies tatsächlich so sein wird, darauf deuten erste Zeichen hin. Yasmin Birk aus Hallstadt zum Beispiel ließ uns am Dienstag wissen, was sie angesichts der neuen Preisrunde denkt: "Ich ärgere mich sehr über die Preispolitik. Gerade habe ich die Hochglanzzeitschrift der Stadtwerke im Briefkasten gefunden. Auf so was kann ich gut und gerne verzichten. Dafür hätte ich gern faire und überschaubare Preise."



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