Warum es ausgerechnet in diesem Spiel passierte, kann sich Nicolas Esparza auch nicht erklären. Aber plötzlich lag der Ball genau vor ihm, nachdem Christopher Kettler eine Ecke verlängert hatte. Fuß hinhalten und zum Jubeln abdrehen. Eine kleine Aktion mit großer Wirkung. Es war der späte 1:0-Siegtreffer im Bayernliga-Stadtderby gegen den FC Eintracht Bamberg - im Juli 2019 vor 2000 Zuschauern in Wildensorg. Und zugleich das erste und bislang einzige Tor des 27-Jährigen im DJK-Dress. "Eigentlich rücke ich bei Standards ja oft mit auf, aber meistens passiert dann nichts Gefährliches", scherzt der gelernte Innenverteidiger.

Beruflich nach Frankfurt

99 Spiele hat Esparza in den vergangenen dreieinhalb Jahren für die DJK in der Bayernliga bestritten, kam bereits mit Regionalliga-Erfahrung vom SC Eltersdorf und reifte in Windeseile zum Führungsspieler und zum Kapitän. Dass weitere Spiele, ein zweites oder sogar ein drittes Tor hinzukommen, scheint allerdings ausgeschlossen: Der 27-Jährige hat schweren Herzens aus beruflichen Gründen seinen Abschied zum 1. Oktober angekündigt, bricht die Zelte in seiner Wahlheimat Bamberg vorerst ab - und startet in Frankfurt am Main nach dem Ende seines Studiums im Berufsleben durch. "Aber nicht im Bankensektor", wie er sagt.

Don Bosco muss im Kampf um den Klassenerhalt nicht nur auf seinen Kapitän verzichten, sondern auch auf eine prägende Identifikationsfigur abseits des Rasens. "Wir verlieren mit ihm nicht nur einen Anführer und Spieler, der immer ans Limit gegangen ist, sondern auch eine ganz tolle Persönlichkeit. Ich werde die Gespräche außerhalb des Platzes vermissen, in denen es wenig um Fußball ging, sondern um die Dinge des Lebens", sagte Holger Denzler, der Sportliche Leiter der DJK.

Beruf hat Vorrang

Gelegentliche Einsätze für die DJK sind zwar für die Zeit nach dem 1. Oktober vorerst nicht geplant, ausgeschlossen sind sie aber auch nicht. "Ich habe meine gesamte Studienzeit hier verbracht, wir werden sehen, was die Zukunft bringt", sagt der einst beim 1. FC Nürnberg in der Jugend ausgebildete Esparza und räumt dem Berufsleben nun den größeren Stellenwert ein: "Der Fußball wird in den nächsten Monaten sicherlich hinten anstehen. Wenn es die Zeit zulässt, würde ich gerne wieder spielen. Direkt auf die Suche nach einem neuen Verein begebe ich mich aber nicht. Überstürzen werde ich nichts", so der Innenverteidiger.

Und vielleicht bietet sich in den kommenden Wochen bis zu seinem Umzug ja noch die Gelegenheit auf ein würdiges Abschiedsspiel. Ab 19. September könnte in Bayern wieder der Ball im offiziellen Spielbetrieb rollen. Die Frage ist allerdings, ob die Zeit bis dahin für Esparza überhaupt reicht, um wieder in die nötige Verfassung zu kommen. "Meine Verletzung hat sich länger hingezogen als gedacht. Am Mittwoch stand ich zum ersten Mal in der Vorbereitung wieder mit Fußballschuhen auf dem Platz", sagt er. "Ich war aber nur im Tor. Und ganz ehrlich: Das ist nichts für mich."

In Wildensorg planen sie bereits, wie sie ihren Anführer gebührend verabschieden. Laut und lang wird es wohl werden. "Sein Ausstand wird eine echte Rakete", sagt Denzler. Und vermutlich auf beiden Seiten sehr emotional. Mit Esparza verlässt mehr als nur ein Spieler den Klub. "Ich werde nicht nur die DJK und den Fußball vermissen. In Bamberg habe ich so viele großartige Menschen kennengelernt, es haben sich tiefe Freundschaften entwickelt. Bamberg wird mir fehlen, ich werde die Stadt aber immer im Herzen behalten - und so oft es geht hierher kommen."