Nach drei Spielzeiten in der Fußball-Regionalliga Bayern muss der FC Eintracht Bamberg die höchste bayerische Spielklasse wieder verlassen. Vereinspräsident Mathias Zeck nimmt im Interview Stellung zu einer "Seuchensaison", in der die Violetten den eigenen Ansprüchen in keiner Weise gerecht wurden, und ist davon überzeugt, dass "wir eine schlagkräftige Truppe in der Bayernliga an den Start schicken".

Der FC Eintracht Bamberg wollte die Saison 204/15 auf einem einstelligen Tabellenplatz beenden. So lautete das vor Beginn der Spielzeit formulierte Ziel. Tatsächlich blicken Sie aber auf eine Albtraum-Saison zurück Wie konnte es rückblickend betrachtet zu einer solchen Fehleinschätzung kommen? Denn alleine mit dem großen Verletzungspech ist der Abstieg als Tabellenletzter sicher nicht zu erklären.
Mathias Zeck: Sicher ist das Verletzungspech nicht alleine entscheidend, aber wir hatten immer mindestens drei Dauerverletzte, zeitweise fielen bis zu neun Spieler aus. Dies kann keine Mannschaft wegstecken und, wenn du keinen Erfolg hast, kann sich auch kein Team finden. Zudem habe ich sicher unterschätzt, dass wir mit Lukas Görtler und Kevin Kühnlein zwei Führungsspieler nicht ersetzen konnten, die für den Mannschaftsgeist Enormes geleistet haben. So sind wir vom ersten Spiel an hinterhergelaufen und haben den Kopf nicht hochgekriegt.

Drei Trainer haben im Verlauf dieser Saison versucht, die Mannschaft auf Kurs zu bringen, keiner hatte Erfolg. Das legt den Schluss nahe, dass die Mannschaft schlichtweg nicht regionalliga-tauglich war. War das Team falsch zusammengestellt?
Wir haben die Spieler sehr bewusst ausgewählt und waren von deren Qualität überzeugt. Aber die Mannschaft hat nie in Bestbesetzung gespielt und selten einen positiven Lauf bekommen - vom März mal abgesehen. Letztlich ist die Kritik sicher berechtigt, und ich muss mich dieser Verantwortung stellen - und übernehme sie auch!

Welche finanziellen Folgen hat der Abstieg für den FC Eintracht 2010?
Wir müssen natürlich Einsparungen vornehmen, aber ausdrücklich ist der Jugendbereich davon ausgenommen! Ansonsten wird alles kritisch hinterfragt. Aber es muss weitergehen, auch mit einem abgespeckten Etat für die erste Mannschaft.

Trainer Norbert Schlegel sagte nach dem letzten Saisonspiel, er mache sich angesichts der Leistungen in den vergangenen Wochen Sorgen um die neue Saison. Bedeutet das, dass es einen personellen Umbruch geben wird? Stehen schon erste Zu- bzw. Abgänge fest?
Natürlich gibt es einen Umbruch, wir denken an fünf, sechs Neuzugänge. Das Wichtigste ist aber, dass Norbert Schlegel an Bord bleibt und einen neuen Vertrag unterschrieben hat. Er übernimmt wirklich Verantwortung und geht voran. Die Mannschaft wird jünger und wieder mehr aus der Region kommen. Hier haben wir gelernt! In den nächsten Tagen werden wir Ergebnisse verkünden. Ich bin überzeugt, dass wir eine schlagkräftige Truppe in der Bayernliga an den Start schicken.

Mit dem Bayernliga-Aufsteiger DJK Don Bosco sitzt Ihnen künftig ein aufstrebender Lokalrivale im Nacken. Sehen Sie die Gefahr, dass der FC Eintracht 2010 bald als Nummer 1 im Bamberger Fußball abgelöst wird?
Die DJK hat in der abgelaufenen Saison überragende Arbeit geliefert und ist ein beeindruckender Aufsteiger. Davor habe ich viel Respekt! Aber der Anspruch des FC Eintracht ist natürlich, die Nummer 1 zu sein, dafür arbeiten wir und müssen uns anstrengen. Jedoch, wenn ich den gesamten Fußballbereich mit der neuen Infrastruktur und mit der Jugend im Besonderen sehe, dann bin ich optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen. Auf jeden Fall werden es zwei spannende Derbys, die ihren Reiz für die Zuschauer haben werden.

In der Bayernliga Nord tummeln sich zahlreiche fränkische Teams, die Zahl der Derbys steigt. Glauben Sie, dass die Zuschauer dem FCE daher trotz des Abstiegs die Treue halten werden?
Unsere Fans sind zu recht enttäuscht vom Abstieg! Wir wollen mit guten Leistungen und einer begeisternden Mannschaft ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Wenn wir erfolgreich sind, werden wir auch wieder ein gut besuchtes Fuchs-Park-Stadion erleben. Mit Forchheim, Hof, Don Bosco und vielleicht auch Sand gibt es attraktive Derbys, um nur ein paar zu nennen. Letztlich zählt aber nur der Erfolg.