Mathias Zeck, der Vorsitzende des FC Eintracht Bamberg 2010, gesteht den Fans des Fußball-Regionalligisten "Herbstdepressionen" zu. Die dürften auch die Funktionäre ergriffen haben, als sich herausgestellt hatte, mit Roberto Pätzold, einem versierten, aber vielleicht zu unerfahrenen Fußballmann, auf den falschen Trainer gesetzt zu haben. In nach außen hin wohl schon fast aussichtsloser Situation verpflichteten Zeck und seine Mitstreiter im FCE-Vorstand Anfang Dezember letzten Jahres mit Beginn der Winterpause den Ex-Profi Norbert Schlegel (54) als möglichen Heilsbringer im Abstiegskampf. Seine Bilanz bislang spricht für sich: fünf Spiele, acht Punkte, Tabellenplatz 17 statt 18 und weniger Abstand zu den Konkurrenten im Rennen um den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Bayern. Wir unterhielten uns mit dem FCE-Vorsitzenden Zeck (47).

Der letzte Tabellenplatz ist verlassen, wo steht der FC Eintracht Bamberg im Abstiegskampf?
Mathias Zeck: Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, auf ihre Moral und auf die Leistungen in den ersten fünf Spielen! Und diese Einschätzung bekommt noch mehr Gewicht vor dem Hintergrund, dass wir in jedem Spiel einen längerfristig Verletzten zu beklagen haben: Dirnbek, Najem, Wenninger, Haas und Gradl. Die Truppe ist nicht umgefallen, sondern sie ist enger zusammengerückt. Und vor allem: Sie glaubt weiter an ihre Chance auf den Klassenerhalt! Hier haben Trainer Norbert Schlegel, seine Assistenten Tobias Wichert und Tobias Fuchs sowie der neue Kapitän Dominik Schmitt klasse Arbeit geleistet. All diese Tatsachen geben mir Hoffnung, dass wir das Unmögliche schaffen werden.

Wer sind für Sie die Hauptkonkurrenten im Rennen um den Klassenerhalt?
Die Liga ist eine Wundertüte. Teams wie wir und Seligenporten, die vor Wochen abgeschlagen waren, sind jetzt wieder dabei. Auf der anderen Seite stecken Garching und Schweinfurt jetzt wieder ganz tief im Abstiegsstrudel. Ich Ich glaube, es wird sehr spannend bis zum Schluss. Man muss vor allem auch die 2. Liga im Auge haben: Denn steigt ein bayerischer Verein ab, verringert sich automatisch die Zahl der Absteiger aus der Regionalliga. Es ist also noch viel möglich.

Was macht Norbert Schlegel anders als seine Vorgänger im Traineramt?
Er hat vom ersten Tag an uns allen den Glauben gegeben, dass wir es schaffen können! In Hof hat er ja schon bewiesen, dass er Teams aus unmöglichen Situationen heraus noch retten kann. Zudem hat er eine klare Linie und arbeitet rund um die Uhr für den Erfolg und den Verein. Sicher hilft es dann auch, wenn du am Anfang die nötigen Ergebnisse holst und so immer näher an das Ziel herankommst. Unsere Zusammenarbeit war vom ersten Tag an eng und vertrauensvoll, aber nur so kann es auch klappen.

Ein Wort zu den Zuschauern.
Man merkt, dass die Herbstdepressionen bei den Fans verflogen sind. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist zurück und die zwei Heimsiege haben nach der langen Durststrecke sehr gut getan. Zum Auftakt gegen Seligenporten waren über 700 Zuschauer da und in den anderen drei Heimspielen so um die 500. Natürlich würden wir uns eine noch größere Kulisse wünschen, immerhin spielen wir in der vierten Liga. Aber unter dem Strich sind wir ganz zufrieden, zumal die quotenträchtigen Heimspiele gegen den FC Bayern München II und den 1. FC Nürnberg II ja noch anstehen. An diesem Samstag in Bayreuth werden wir hoffentlich auch große Unterstützung bekommen, denn nur zusammen mit den Fans können wir unser Ziel schaffen. Das nächste Heimspiel gegen Bayern wird sicher ein Festtag. Sicherlich auch deshalb, weil wir unseren ehemaligen Publikumsliebling Lukas Görtler wieder im Fuchs-Park-Stadion sehen.

Der FCE empfängt noch die U23 des 1. FC Nürnberg. In Bamberg sind Sie Vorsitzender, beim mittelfränkischen Zweitligisten Mitglied des Aufsichtsrats. Ist dieser Interessenkonflikt tragbar?
Dies ist sicher ein besonderes Spiel. Aber ich trenne hier sehr sorgfältig und beteilige mich nicht an Entscheidungen in Nürnberg, die die U23 betreffen. Alles andere wäre mehr als unseriös und nicht akzeptabel.

Der FC Eintracht Bamberg führt für den Bayerischen Fußball-Verband ein Nachwuchsleistungszentrum, hat also Vorbildwirkung. Das neue Vereinsheim an der Armeestraße wird bald eingeweiht. Passt dazu nur Regionalligafußball?
Auch bei einem Abstieg wird und muss es weitergehen. Natürlich beschäftigen wir uns auch intensiv mit dieser Situation. Aber die Bayernliga wäre auf jeden Fall ein Rückschlag auf vielen Gebieten, der uns umdenken lassen würde. Unser Verein besteht jedoch nicht nur aus der ersten Mannschaft. Gerade im Jugend- und Schülerbereich wird tolle Arbeit geleistet. Und vor allem dort liegt unsere Zukunft: Dass wir wieder eigene Talente herausbringen wie jetzt Trautmann, Ljesevic, Niersberger und Strohmer. Nur so wird sich der FCE längerfristig Spitzenfußball im Amateurbereich leisten können.

Das Restprogramm des FC Eintracht Bamberg 2010: SpVgg Bayreuth (A), FC Bayern München II (H), SV Schalding-Heining (A), 1. FC Nürnberg II (H), FC Würzburger Kickers (A), SV Wacker Burghausen (H), SV Heimstetten (A), TSV Buchbach (H)

A = Auswärts-, H = Heimspiel