Eine ordentliche Kulisse wäre am Samstag um 14 Uhr beim Topspiel der Landesliga Nordost wohl garantiert gewesen. Auf bis zu 600 Zuschauer hatte Spitzenreiter FC Eintracht Bamberg (55 Punkte) für das Oberfrankenderby gegen den TSV Neudrossenfeld (3./51) gehofft - doch jetzt werden es höchstens 40. Und die zahlen nicht einmal Eintritt. Letztlich gehen dem Verein bis zu 3000 Euro durch die Lappen. Denn der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat dem FCE im ersten Heimspiel des Jahres ein Geisterspiel verordnet. Schiedsrichter und Trainer mit gültigem Ausweis müssen ebenfalls draußen bleiben. Lediglich zwölf Personen jedes Vereins sowie akkreditierten Pressevertretern gestattet der BFV den Zutritt zum Fuchs-Park-Stadion.

Dass die Auflagen eingehalten werden, dafür sorgt vor Ort Landesliga-Spielleiter Volker Beck. Den Zuschauerbann nebst Punktabzug und Geldstrafe haben die Domstädter ein paar sogenannten Fans zu verdanken, die wiederholt negativ aufgefallen sind. Unter anderem hatten sie mehrmals Pyrotechnik gezündet.

Im Stadioninnenraum hat der Verein außerdem mehrere Ordner im Einsatz, trotzdem gibt es die Möglichkeit, auch von außerhalb zumindest einen Blick auf das Spielfeld zu erhaschen - zum Beispiel unterhalb der Anzeigetafel. Das sei auch gar nicht verboten. "Das ist ein öffentlicher Bereich außerhalb des Geländes", sagt der Vereinsvorsitzende Jörg Schmalfuß. Der Klub habe dort keine Handhabe. Die Polizei sei im Vorfeld aber informiert worden, dass es dort zu einer Menschen-Ansammlung kommen könnte.

FC Eintracht ohne Großmann

Stattfinden soll die Partie auf jeden Fall, das bekräftigt Schmalfuß mit Nachdruck: "Es ist alles angerichtet, der Platz in einem super Zustand. Wir sind bereit und wollen das Spiel unbedingt austragen."

Auch sportlich gibt es für den FCE keine Gründe, sich vor Neudrossenfeld zu verstecken: Während Bamberg mit einem 2:1-Sieg bei der SG Quelle Fürth aus der Winterpause gestartet ist, kassierte Neudrossenfeld eine 0:4-Packung gegen den SC Schwabach. Auch im Hinspiel zeigte die Hutzler-Elf, wie Neudrossenfeld zu begegnen ist. Mit einem 2:0-Sieg kehrte der FCE nach Hause.

Maximilian Großmann und Tobias Linz trugen sich damals in die Torschützenliste ein. Großmann wird dies heute definitiv nicht können. Gegen Fürth musste der beste Bamberger Torschütze (17 Treffer) bereits nach 34 Minuten vom Feld. In dieser Woche behandelte er seine Viruserkrankung mit Antibiotika und muss gegen Neudrossenfeld passen. Auch die folgenden zwei Spiele wird Großmann fehlen, er nimmt ab Montag als einziger FCE-Spieler mit der Uni-Auswahlmannschaft an der 16-tägigen Reise nach Osteuropa teil. "Unser Spiel ist ohne Maxi ganz anders ausgelegt. Sein Ausfall trifft uns natürlich. Wir haben aber schon in Fürth gezeigt, dass es auch ohne ihn gehen kann", sagt Schmalfuß.

Ansonsten kann Bamberg bis auf die langzeitverletzten Pascal Nögel und Joshua Wich aus dem Vollen schöpfen. Felix Popp ist nach abgesessener Rotsperre wieder in der Verteidigung einsetzbar, Maximilian Vetter hat seinen Trainingsrückstand weitgehend aufgeholt.

TSV-Vorsitzender ist enttäuscht

In der Bringschuld sind dagegen die Neudrossenfelder: Grund ist das jüngste 0:4-Debakel im Verfolgerduell gegen Schwabach. "Selbst wenn der Gegner zwei Ex-Profis hat und spielerisch überlegen ist - dann muss ich ihn aber wenigstens läuferisch und kämpferisch bearbeiten. Dazu waren unsere Spieler von der ersten Sekunde an nicht bereit", sagte TSV-Vorsitzender Gerald Weinrich: "Ich erwarte, dass die Mannschaft am Samstag bereit ist, alles in die Waagschale zu werfen und dass sie nach dem Spiel fix und fertig ist."

Trotz des schlechten Starts in das Jahr haben sich die Verantwortlichen auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Trainer-Duo geeinigt. Somit werden Werner Thomas (47) und Sebastian Brand (32) auch in der kommenden Spielzeit auf der Kommandobrücke stehen.

Nur Live-Ticker und Radio

Zuschauern ist der Zutritt verwehrt, es gibt aber Alternativen: Unser Partnerportalanpfiff.info bietet zum Spiel einen Live-Ticker an. Darüber hinaus wird Radio Bamberg in Einblendungen von der Partie berichten.

Keine Bilder wird es dagegen auf der Streaming-Plattform sporttotal.tv geben. Das automatisierte Kamera-System hätte im Fuchs-Park-Stadion schon installiert sein sollen, unterschiedliche Auffassungen über die Datenschutzbestimmungen zwischen dem Anbieter und der Stadt Bamberg haben dies aber bislang verhindert.

FC Eintracht Bamberg: Dellermann, Lüth - Bube, Dümig, P. Görtler, T. Görtler, Hofmann, Jessen, Kollmer, Linz, Pfeiffer, Popp, L. Reischmann, M. Reischmann, Renner, Schmitt, Schmittschmitt, Ulbricht, Vetter