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Die Inkonstanz als einzige Konstante bei Brose Bamberg

"Die Achterbahnfahrt", wie es Kapitän Elias Harris ausdrückte, ging für Brose Bamberg am Samstag mit der 75:89-Niederlage gegen Oldenburg im Viertelfinale des Bundesliga-Finalturniers zu Ende. Eine Ursachenforschung.
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Bediente Bamberger kurz vor der Schlusssirene im zweiten Viertelfinalspiel (von links): Christian Sengfelder, Assem Marei, Trainer Roel Moors und Paris LeeDaniel Löb/Pool via Eibner-Pressefoto /Michael Memmler
Bediente Bamberger kurz vor der Schlusssirene im zweiten Viertelfinalspiel (von links): Christian Sengfelder, Assem Marei, Trainer Roel Moors und Paris LeeDaniel Löb/Pool via Eibner-Pressefoto /Michael Memmler

Am kommenden Dienstag vor genau 15 Jahren erlebte Freak City mit dem Gewinn des ersten deutschen Meistertitels einen emotionalen Höhepunkt. Das damalige GHP-Team um Chris Ensminger, Mike Nahar und Uvis Helmanis glänzte nicht immer mit hoher Basketballkunst und Ästhetik, hatte aber eine klare Hierarchie und ein funktionierendes Mannschaftsgefüge, in dem jeder Einzelne das Maximum aus sich herausholte.

Ein Umstand, der auf das Brose-Team der Saison 2019/20 nicht zutrifft. Das gab auch Trainer Roel Moors bei der Pressekonferenz nach dem Viertelfinal-Aus beim Bundesliga-Finalturnier am Samstagabend zu. "Wir haben es leider nicht geschafft, genügend Spieler auf ihr Top-Niveau zu bekommen. Das war unser großes Problem."

Dem Kontrahenten aus Oldenburg genügten bei seinen zwei Erfolgen (86:81 und 89:75) solide Vorstellungen, um die instabilen Bamberger klar in die Schranken zu weisen (siehe Spielbericht unten). "Oldenburg war über die gesamten 80 Minuten gesehen das bessere Team. Wir hatten unsere Chancen, allerdings haben wir sie nicht so genutzt, wie wir es benötigt hätten", erklärte Moors.

Elias Harris fiel kurzfristig aus

Sein Team knüpfte im Finalturnier in München mit zwei Siegen und vier Niederlagen an die inkonstanten Leistungen vor der Corona-Pause an. Der überzeugende Auftritt im Auftaktspiel gegen Alba Berlin (91:98-Niederlage) entfachte in Bamberger Fankreisen nach langer Zeit zumindest ein zartes Pflänzchen Euphorie, die gerade einmal 48 Stunden später nach der indisponierten Leistung gegen Ludwigsburg (74:103) wie weggeblasen war. "Wir waren über die ganze Saison nicht konstant genug", sagte Elias Harris nach dem Ausscheiden. "Dann kam die dreimonatige Corona-Pause. Aber in zweieinhalb Wochen Vorbereitung holst du das nicht auf. Unsere Achterbahnfahrt hat sich durchgezogen. Und dann ist es schwer, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen." Ausgerechnet bei seiner wohl letzten "Fahrt" im Bamberger Trikot musste Harris am Samstag gegen Oldenburg wegen Rückenproblemen 40 Minuten zusehen.

Der Abschied des 30-Jährigen nach sieben Jahren scheint nach den Querelen um einen möglichen Gehaltsverzicht im April beschlossene Sache zu sein. "Es ist viel zu früh, darüber zu reden. Wir müssen jetzt mal schauen, was die Zukunft bringt", hielt sich der Brose-Kapitän am Mikrofon von Magentasport hinsichtlich seiner Zukunftsplanungen bedeckt.

Harris ist dabei einer der wenigen Akteure, dessen Arbeitspapier in einer Woche ausläuft. Mit Paris Lee, Nelson Weidemann, Kameron Taylor, Tré McLean, Bryce Taylor, Assem Marei (alle bis 2021), Mateo Seric und Christian Sengfelder (beide bis 2022) stehen aktuell noch acht Spieler bei Brose Bamberg unter Vertrag. Dass all die Genannten nach der Sommerpause wieder am Trainingscenter in Strullendorf aufschlagen werden, gilt aber nach den gezeigten Leistungen und im Hinblick auf den weiter sinkenden Etat als unwahrscheinlich.

Den belgischen Verantwortungsträgern, Trainer Roel Moors (Vertrag bis 2021) und Sportdirektor Leo De Rycke (Vertrag bis 2022), ist es in ihrem ersten Jahr nicht gelungen, ein homogenes Team mit einer klaren Spielidee zu formen. Mit den Nachverpflichtungen Retin Obasohan, Darion Atkins und Jordan Crawford sollten elementare Schwachstellen im Kader ("Go-to-Guy", defensiver Anker) behoben werden, gelungen ist das allerdings nicht.

Schlusslicht bei Blocks und Steals

Die über weite Strecken der Saison ordentliche Defensive (Hauptrunde: 78 Punkte pro Spiel zugelassen) entwickelte sich im Finalturnier (90 Punkte pro Spiel) teilweise zu einem Selbstbedienungsladen für die Kontrahenten. Die Bamberger Guards ließen sich reihenweise durch Unkonzentriertheiten und Nachlässigkeiten von ihren Gegenspielern schlagen, die Hilfsverteidigung der großen Akteure war quasi nicht existent. Louis Olinde (Schulterverletzung) wurde in München mit seiner großen Armspannweite und Mobilität schmerzlich vermisst. Gerade einmal drei Blocks in sechs Spielen brachte das Brose-Team zustande: ein schwacher Wert, der aufgrund der athletischen Fähigkeiten der langen Garde um Assem Marei und Christian Sengfelder aber nur bedingt überrascht.

Weitaus unverständlicher ist die Tatsache, dass Brose auch bei den Ballgewinnen (4,8 pro Spiel) den mit Abstand schlechtesten Wert aller zehn Finalteilnehmer aufweist. Die tiefe Bamberger Guard-Rotation um die schnellen Paris Lee, Kameron Taylor, Retin Obasohan, Jordan Crawford, Nelson Weidemann und Marvin Heckel hätte zumindest das Potenzial gehabt, jeder Mannschaft bereits beim Ballvortrag das Leben schwer und mit Ballgewinnen das Spiel schnell zu machen. Denn immer, wenn Bamberg das Tempo anzog, wie gegen Berlin oder in der Anfangsphase des zweiten Spiels gegen Oldenburg, lief der Brose-Motor auf Hochtouren. Letztlich brachte das Bamberger Team in der Saison 2019/20 seine zweifelsfrei vorhandenen PS aber viel zu selten auf das Parkett.

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